Freitag, 13. September 2019 20:07 Uhr

Interview Luke Mockridge: Nach dem „Fernsehgarten“ hat er „drei Tage gelacht“

Foto: SAT.1 / Boris Breuer

Jeder Künstler dürstet nach einem PR-Stunt (also von einer publikumswirksamen Aktion), von dem er noch Jahre zehrt, weil sich alle daran erinnern. Mit seinem Auftritt beim „ZDF-Fernsehgarten“ hat Comedian Luke Mockridge viele Zuschauer vor den Kopf gestoßen und Moderatorin Andrea Kiewel auch. Aber warum? Daraus macht er ein großes Geheimnis – und Werbung für seine neue Sendung.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt er, er habe angeblich drei Tage lang darüber gelacht.

Interview Luke Mockridge: Nach dem "Fernsehgarten" hat er "drei Tage gelacht"

Foto: SAT.1/Steffen Z Wolff

Ihr umstrittener Auftritt im ZDF-„Fernsehgarten“ hat eine wahre Medien-Lawine ausgelöst. Hat Sie das überrascht?
Ja. Auf einmal sitzt man im Auge des Orkans und kommt mit einer solchen Aktion auf Titelseiten, gleichgesetzt mit politischen Krisen, Kriegen, Anschlägen und Fußballergebnissen. Das ist komplett skurril. Mein Leben hatte sich ja nicht geändert. Ich trinke immer noch morgens meinen Kaffee und dusche und fahre mit dem Roller durch Köln, war aber irgendwie drei Tage auf der Titelseite der Tageszeitung. Das war für mich tatsächlich – für das, was wir da gemacht haben – eine sehr absurde Situation. Aber da ich Comedian bin und immer versuche, den Dingen etwas Lustiges abzugewinnen, habe ich tatsächlich drei Tage gelacht.

Worauf führen Sie diese große mediale Aufregung zurück?
Ich glaube, die Aufregung war so groß, weil ich mich tatsächlich nicht dazu gemeldet habe und das alles auf meine Sendung vertagt habe. Den Kontext und das, was wir überhaupt vorhatten, erklären wir in der Sendung. Da gilt mal wieder die alte Regel: Je weniger es gibt, desto mehr machen sich die Leute selber Gedanken. Wenn ich jetzt sofort alles erzählt und bei Instagram erklärt hätte, dann wäre das sicherlich anders bewertet worden. Udo Lindenberg hat mir mal den Tipp gegeben, dass man auch mal so eine Art Mysterium sein muss. Manchmal ist weniger mehr.

Bekommt die Auflösung ihres „Fernsehgarten“-Auftritts durch den Hype nochmal einen neuen Dreh?
Eigentlich nicht. Wir sind ja genauso erstaunt darüber, was da passiert ist. Aber es gab tatsächlich links und rechts ein paar Dinge, die so absurd sind, dass wir sie noch mit in die Sendung einarbeiten werden. Ich will da nicht zu viel verraten.

Interview Luke Mockridge: Nach dem "Fernsehgarten" hat er "drei Tage gelacht"

Foto: SAT.1/Steffen Z Wolff

Sie sind ja nicht der einzige, der sich an einer Late-Night-Show versucht. Was ist bei Ihnen anders?
Natürlich gibt es Gesetzmäßigkeiten wie den Anzug, die Skyline im Hintergrund, das Stand-up-Programm zu Beginn und den Schreibtisch. Aber trotzdem ist das Gesicht und die Person, die es macht, dann eigentlich die Show. Ich bin ein altes Theater-AG-Kind. Mein Vater ist Schauspieler, meine Mutter ist Schauspielerin, und wir haben sehr viel Theater konsumiert und gesehen. Als ich angefangen habe, Fernsehen zu machen, habe ich mir immer die Frage gestellt: Warum machen wir das eigentlich?

Und was ist die Antwort auf diese Frage?
Meine Aufgabe ist es, die Leute mal zwei Stunden in die Hand zu nehmen und woanders hin zu führen und zum Lachen zu bringen. Ich will statt einer Standard-Late-Night eben eine „Greatnightshow“ machen, die dazu noch so früh läuft, dass alle in der Familie sie sehen können. Ich glaube auch, mit der „Fernsehgarten“-Sache habe ich die Leute sehr abgelenkt von düsteren und schlimmeren Themen. Vielleicht ist der Achsel-furzende, mit einer Banane telefonierende Luke im „Fernsehgarten“ der Strohhalm des Schwachsinns und Nonsens, den wir gerade alle gebraucht haben.

Interview Luke Mockridge: Nach dem "Fernsehgarten" hat er "drei Tage gelacht"

Foto: SAT.1/Steffen Z Wolff

Haben Sie einen absoluten Wunsch-Gast für Ihre neue Show?
Angela Merkel. Ich finde Angela Merkel ja mega. Ich habe nach der „Fernsehgarten“-Nummer nur drei Tage im Fokus gestanden, und sie macht das als Kanzlerin seit fast 14 Jahren – und zwar komplett. Es gibt Leute, die sie hassen, Leute, die sie lieben und Leute, die sie für absolut alles verantwortlich machen. Da würde ich gerne mal kurz Mäuschen spielen und fragen: Wie geht es eigentlich dem Mensch Angela Merkel hinter dieser politischen Fassade. Ich bin jetzt auch 30 und muss sagen, dass mein komplettes politisches Bewusstsein eigentlich nur aus der Bundeskanzlerin Angela Merkel besteht. Ich habe noch ein paar vage Bilder im Kopf, wie Kanzler Gerhard Schröder da im Hochwasser stand in Ostdeutschland. Aber wirklich bewusst habe ich nur Angela Merkel erlebt und das geht, glaube ich, vielen meiner Generation so. Ich fände es mega, wenn die mal vorbeikommen würde und vielleicht ihren vielzitierten trockenen Humor mal zum Besten geben würde. Sie ist hiermit also offiziell eingeladen.

Andrea Kiewel war ja sehr böse auf Sie nach Ihrem „Fernsehgarten“-Auftritt. Haben Sie sich inzwischen vertragen?
Andrea Kiewel ist eine großartige Kollegin, die sehr erfolgreich ist und seit vielen, vielen Jahren den ZDF-„Fernsehgarten“ macht und Woche für Woche Millionen Menschen glücklich. Für mich besteht überhaupt nicht der Anspruch, mich über sie zu erheben, sie zu beleidigen oder mich über sie lustig zu machen, sondern ich habe nichts als Respekt vor der Leistung von Andrea Kiewel.

Interview Luke Mockridge: Nach dem "Fernsehgarten" hat er "drei Tage gelacht"

Foto: SAT.1/Steffen Z Wolff

Haben Sie denn nach Ihrem Auftritt nochmal miteinander gesprochen?
Ich würde tatsächlich erstmal die Sendung abwarten, um auch das Gesamtkonzept zu sehen, damit vielleicht alle verstehen, was wir da genau gemacht haben.

Luke Mockridge ist der Sohn des Kabarettisten und Schauspielers Bill Mockridge („Lindenstraße“) und schon seit 2015 auf Sat.1 mit seiner Spätshow „Luke! Die Woche und ich“ zu Hause. Von diesem Freitag an wird diese Sendung durch seine „Greatnightshow“ ersetzt.

Interview: Britta Schultejans, dpa

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