30.12.2020 21:00 Uhr

Ken Duken spielt Hans Albers: „Ein Idol, das nicht zum Vorbild taugt“

Lange Zeit war die Liebe des „blonden Hans“, Hans Albers, zu der jüdischen Frau und seiner Managerin Hansi Burg unbekannt. Hans Albers, Schauspieler, Sänger, Idol der Deutschen und Liebling der Nazis konnte in unzähligen Filmen auftreten, blieb aber auf kritischer Distanz zum Hitler-Regime.

© NDR/Zeitsprung Pictures/Michael Ihle

Wie hat dieser Drahtseilakt funktioniert? Welche Opfer wurden gebracht und von wem? Das 90-minütige Dokudrama erzählt die Geschichte von Hans Albers aus der Perspektive von Hansi Burg und gewinnt somit einen neuen Blick auf das Idol, auf den Menschen Hans Albers. Begriffe wie Frauenschwarm oder Draufgänger bekommen eine andere Bedeutung, die den blonden Hans weniger glamourös erscheinen lassen.

Ken Duken spielt den „blonden Hans“ und Picco von Groote Hansi Burg. Regie führte Carsten Gutschmidt, das Drehbuch schrieb Dirk Eisfeld (Vorlage von Nina Koshofer), nach einer Idee von Schauspieler Claude-Oliver Rudolph.

Ken Duken spielt Hans Albers: "Ein Idol, das nicht zum Vorbild taugt"

© NDR/Zeitsprung Pictures/Michael Ihle

Das sagt Duken über seine Rolle

Hans Albers ist einer der berühmtesten deutschen UFA-Schauspieler. Ken Duken einer der international erfolgreichsten deutschen Film- und Fernsehstars. „Mich hat natürlich die Figur gereizt. Ich liebe es, komplexe Charaktere zu spielen, die sich dem Zuschauer nur langsam und auch nur auf eine widersprüchliche Weise erschließen“, erzählte der 41-jährige Schauspieler im ARD-Interview. „All diese Brüche, diese Widersprüche fand ich in der Figur des Hans Albers.“

Duken verriet außerdem, wie es war nach aufwändigen Produktionen wie „The Professionals“ oder „Die purpurnen Flüsse“ so ein Dokudrama zu spielen: „‚Die Liebe des Hans Albers‘ ist als Kammerspiel konzipiert. Das hat die Arbeit ungemein intensiv gemacht, es hat aber auch geholfen, eben diese Intensität ins Spiel und damit in den Film zu übertragen. Ich habe sehr lange gebraucht, um mir die Figur des Hans Albers zu erschließen, habe viele seiner Filme gesehen, einiges an Literatur über ihn gelesen.“

Ken Duken spielt Hans Albers: "Ein Idol, das nicht zum Vorbild taugt"

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Diskrepanz zwischen dem öffentlichen und privaten Albers

„Was faszinierend und – für mich als Schauspieler – Ehrfurcht einflößend war, war die unglaubliche Diskrepanz, die sich für mich abzeichnete zwischen dem Bild, das Hans Albers von sich in der Öffentlichkeit aufgebaut hatte, und dem ‚echten‘ Hans Albers. Auf der einen Seite der mutige, charmante, selbstlose Held – aber im richtigen Leben ein Mensch, der immer auch sehr genau auf seinen Vorteil bedacht war, dem es egal war, wie es anderen dabei ging. Das galt auch bzw. besonders für Frauen.“

Und weiter sagte Duken: „Hans Albers war ein Frauenheld, er war chronisch untreu, er war alkoholkrank. Ein Idol, das bei genauer Betrachtung nicht zum Vorbild taugt. Die Biografien über ihn zeichnen da ein sehr genaues und wenig schmeichelhaftes Bild. Für mich als Schauspieler eine neuartige Herausforderung: eine Figur zu spielen mit all ihren mittlerweile bekannten, dunklen Seiten – die gleichzeitig immer an dem Bild gemessen werden wird, das in der öffentlichen Erinnerung von ihr abgespeichert ist. Das wird sicher nicht jedem Albers-Fan gefallen. Wer korrigiert schon gerne die Bilder seiner Idole…“

Ken Duken spielt Hans Albers: "Ein Idol, das nicht zum Vorbild taugt"

© NDR/Zeitsprung Pictures/Michael Ihle

Immer auf den eigenen Vorteil bedacht?

Und welche Meinung hat Ken Duken heute über Hans Albers?

“ (Die) hat sich durch diese Arbeit natürlich stark gewandelt. Sein Verhalten war stellenweise schon von einer unentschuldbaren Rücksichtslosigkeit. Sein Umgang mit Frauen mag dem damaligen Zeitgeist entsprochen haben, aber das entschuldigt nichts von dem, was er anderen Frauen an Erniedrigung und Leid zugefügt hat. Auf der anderen Seite stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie ich mich verhalten würde, wenn sich in Deutschland das politische Klima wieder – oder weiter – ändern würde. Wenn nationalistische oder rechtsradikale Kräfte wieder nach der Macht greifen würden und dann unsere Freiheitsrechte aushöhlen und einschränken würden. Wenn Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus weiter um sich greifen würden. Durchmogeln und irgendwie das Beste für sich rausholen, so wie es Hans Albers getan hat, wäre für mich hoffentlich keine Option. Ich will später noch in den Spiegel schauen können.“

Sendetermin: Mittwoch, 6. Januar 2021, um 21:45 Uhr im Ersten. Online first: ab dem 6. Januar 2021, 8:00 Uhr.

Galerie

Das war Hans Albers

Hans Albers (geboren am 22. September 1891 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler und Sänger, der als „blonder Hans“ zum Volksidol wurde.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde er zur Trennung von seiner Lebensgefährtin, Schauspielerin Hansi Burg (1898 – 1975), gedrängt. Albers gab nach, trennte sich offiziell von ihr, lebte aber weiter mit ihr am Starnberger See, in einer Villa mit einem 27.000 m² großen Grundstück.

Albers brach im Alter von 68 Jahren während einer Theateraufführung zusammen und starb drei Monate später am 24. Juli 1960.