Knossi: Super Premiere der Late-Night-Show „Täglich frisch geröstet“!

Knossi: Tolle Live-Premiere von "Täglich frisch geröstet"!
Knossi: Tolle Live-Premiere von "Täglich frisch geröstet"!

Foto: TV NOW/ Julia Feldhagen

27.01.2021 15:00 Uhr

Twitch-König Jens "Knossi“ Knossalla gab am Dienstagabend seinen Live-Einstand mit seiner Late-Night-Show „Täglich frisch geröstet“. Wir fanden es gut.

Schon vor einem Jahrzehnt sagte Jens „Knossi“ Knossalla, er wolle Stefan Raab beerben. Jetzt ist der 34-Jährige diesem Ziel ein großes Stück nähergekommen. Die Endlos-Labertasche ging mit etwas Verspätung kurz nach halb elf live bei RTL und der Einstand war flott. Trotz der Verspätung wollte der Sender das nachfolgende „Nachtjournal“ nicht noch weiter als 0.15 Uhr verschieben und so fiel dem bei der Knossi-Live-Premiere ein Filmbeitrag zum Opfer.

Studiogäste waren Evelyn Burdecki sowie Insektenblogger Adrian Kozakiewicz.

Soviel schon mal vorweg: Natürlich war dem Dampfplauderer eine leichte Nervosität anzumerken, aber das ist doch überhaupt kein Problem. Danke an RTL für den Mut, endlich wieder ein Late-Night-Format ins Programm zum hieven und Knossi ist genau der richtige Mann dafür.

1,03 Millionen Zuschauer waren dabei, das entsprach einem Marktanteil von 8,7 Prozent beim Gesamtpublikum. Kein schlechter Start.

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30 Punkte von Kai Pflaume

Zur Vorgeschichte: Die Late-Night-Show war zunächst als Sendung mit wechselnden Hosts gestartet, Streamer und „Pokerturnier-Hopper“ Knossi schnitt am besten ab. Gegenspieler Kai Pflaume (53) bewertete seinen jungen Kollegen mit 30 von 30 möglichen Punkten. Mehr ging nicht. Auch viele Zuschauer waren überzeugt: „Gebt Knossi eine eigene Show!

Die typisch deutsche, weil sehr beschränkte Gesinnung, alles niederzumachen, ohne dem Künstler Raum zu geben, machte sich Dienstagabend schon unmittelbar nach Showbeginn im kleinen Twitter-Kosmos breit. Die einen sahen Knossi schon nach 10 Minuten als einen Abklatsch von Stefan Raab und TV Total? Ja und? Wieso soll man ein erfolgreiches Format nicht neu starten? Wer sagt, dass der Show-Rahmen nicht auch heute noch funktioniert?

Die anderen warfen ihm seine Vergangenheit vor: Schließlich spielte und filmte Knossi in Internet-Casinos. Das machte ihn reich und berühmt. Ja und?

Knossi: Tolle Live-Premiere von "Täglich frisch geröstet"!

Foto: TVNOW / Willi Weber

Knossalla ist im TV völlig unverbraucht

Branchenkenner war ja nicht entgangen, wie müde Raab die letzten Jahre seine Show vor dem Ende 2015 gemacht hat. Mit Knossi sind wir endlich wieder da, wo Raab Ende der Neunziger mal angefangen hat mit TV Total: Neugier, Ehrgeiz, immer auch ordentlich subversiv. Frischer Wind. Und ja, Knossalla redet und redet – ja aber doch auch auf eine durchaus sympathische Art. Natürlich ist er nicht der Knossalla, der er bei Youtube und Twitch ist. Muss er das? Schauen die dort überhaupt lineares Fernsehen? Also bitte.

Knossalla hat doch das, was andere nicht oder nicht mehr haben. Die naive Selbstironie. Den Spaß, der nicht gespielt wirkt. Leute wie Heufer-Umlauf achten viel zu sehr auf die Wirkung ihrse Auftretens oder/und ihrer produzierten Einspieler. Aktionen oder Challenges wirken da schon lange nicht mehr spontan, sondern wie bis zum Ende durchkalkuliert , gescriptet und gespielt. Authentizität: Fehlanzeige! Daraus macht ProSieben inzwischen ganze Show-Abende. Schlimm das alles.

Knossi: Tolle Live-Premiere von "Täglich frisch geröstet"!

Foto: TVNOW / Steffen Z. Wolff

Entertainment pur

Und da ist noch Markus Lanz. Lanz ist zwar das Quoten-Schwergewicht auf dieser spätabendlichen Programmschiene, aber das enge Personalkarussell, bei dem sich aller zwei Monate dieselben Leute die Klinke in die Hand geben, ist nix für eine jüngere Zielgruppe. Und da ist es auch nicht schlimm, wenn man mal eine Zeit lang nicht eingehalten hat. Sie kommen bei Lanz alle wieder. Gefühlte 10 Mal im Jahr.

Und Oliver Pocher? „Mit gefährlich ehrlich“ gab es dieses Late-Night-Experiment bei RTL. Aber Pocher ist halt auch in die Jahre gekommen, die jugendliche, ungestüme Neugier längst abhanden gekommen. Er hat seine Bestimmung gefunden: als Satire-Richter über Influencer. Eine Super-Nische.

Bei all den Genannten geht es – so scheint es jedenfalls – nur noch um die Schlagzeilen und die daraus folgende Quote.

Knossi geht auf das zurück, worum es eigentlich mal ging. Pures Entertainment. Ohne nach links und rechts zu schielen, was darf ich noch sagen, was darf ich noch machen. Das hat auch Stefan Raab ausgezeichnet.

Gebt Knossi einfach mehr Zeit

Gebt dem Format Zeit! Gebt dem Mann Zeit! Knossi hat keinerlei Bühnenerfahrung und er machte das deswegen schon unfassbar souverän.

Alle vor ihm haben mal angefangen, von Gottschalk bis Raab und Joko und Klaas. Was haben sie Thomas Koschwitz in den Neunzigern fertiggemacht, als der Gottschalk mit seiner Late Night Show vertrat und beerbte. Bis die guten Quoten kamen.

Wie soll man neue Gesichter ins Fernsehen kriegen, wenn man ihnen keine Chance gibt?

Und noch was an die – gottlob wenigen – voreiligen Spießer und Moralapostel der schreibenden Zunft, die sich darüber echauffieren, dass Knosalla „ein vermeintlich lebendes Insekt vor laufender Kamera“ vertilgt: Wie erbärmlich ärmlich seid ihr eigentlich mit Eurer Zeigefinger-Mentalität? Das ist Comedy!

Knossi: Tolle Live-Premiere von "Täglich frisch geröstet"!

TVNow

Mutig und spannend

Kann man nicht einfach entertaint werden? Einfach so. Muss denn jede Äußerung oder jede Aktion eine Botschaft haben? Dann schaltet doch rüber zu Böhmermann. Müssen wir hier in diesem Lande immer gleich von Anfang jedes gutgemeinte Experiment zerreißen und zerreden? Dann schaut Euch das doch nicht an und haltet einfach das Maul!

Und was ist bitte schlimm daran, dass manches in der Show wie in den 90ern wirkt? Daraus macht Luke Mockridge seit Jahren ganze ausverkaufte Liveshows in riesigen Hallen und SAT.1-Fernsehabende!

Man darf gespannt sein, wie sich „Täglich frisch geröstet“ als krasser Gegenentwurf zum „ZDF Magazin Royale“ oder „Late Night Berlin“ in den kommenden Wochen entwickeln wird, meint der Kritiker vom Branchendienst dwdl.de. „Auf ein im Fernsehen weitgehend unverbrauchtes Gesicht als Host zu setzen, ist jedenfalls mutig, und im Vergleich zu den ersten Folgen, in denen Ralf Moeller oder Jorge Gonzalez auf verlorenem Posten ein schlechtes Stand-Up aufsagten, wirkt die jetzige Show geradezu wie ein Quantensprung.“

Wir drücken die Daumen. Knossi! Danke, dass es dich gibt. (PV)