Lebensfreude und Wehmut – Cleo Kretschmer wird 70

Die Schauspielerin Cleo Kretschmer und ihr Entdecker, der Regisseur Klaus Lemke (1979).
Die Schauspielerin Cleo Kretschmer und ihr Entdecker, der Regisseur Klaus Lemke (1979).

picture alliance / dpa

11.02.2021 08:51 Uhr

Es waren wilde Münchner Kino-Zeiten, in denen Cleo Kretschmer zum Star wurde. Der Regisseur Klaus Lemke holte die Niederbayerin damals vor die Kamera. Gemeinsam feierten sie große Erfolge. Nun wird die Schauspielerin 70.

Cleo Kretschmer ist ein Star aus der Münchner Kino-Szene der 70er- und 80er-Jahre. Muse und Entdeckung von Kult-Regisseur Klaus Lemke. Neun Filme drehte das Duo zwischen 1973 und 1981, ein weiterer folgte 1995.

Im Alter von 47 Jahren erlitt Kretschmer eine Hirnblutung. Nach der Krankheit kämpfte sie sich mühsam in das Leben zurück. Aus der Filmbranche hat sie sich jedoch weitgehend zurückgezogen – nicht ganz freiwillig, wie sie der Deutschen Presse-Agentur kurz vor ihrem 70. Geburtstag sagt. Ihren heutigen Ehrentag (11. Februar) will sie allein verbringen.

Seit mehr als 20 Jahren wohnt Kretschmer im beschaulichen Dorfen im oberbayerischen Landkreis Erding. Dort hatte sie nach ihrer Krankheit ihr zweites Leben begonnen, wie sie sagt. Insofern begehe sie eigentlich ihren 23. Geburtstag. Traditionell nutzt sie den Geburtstag, um zurückzudenken und zu überlegen, was gut oder schlecht gelaufen sei. „Ich feiere immer am ersten Tag im neuen Lebensjahr. Da treffe ich meine beiden Dorfener Freundinnen im Café und wir ratschen.“ In diesem Jahr müsse das Corona-bedingt ausfallen. Aber sie hofft, ihre Freundinnen bei einem Coffee to go sehen zu können.

Kretschmer ist am Telefon fröhlich und bester Laune. „Das Leben macht mir unheimlich Spaß.“ Ihr Rückblick auf ihre Karriere beim Film fällt ebenfalls positiv aus – und auch ein bisschen wehmütig. „Es war eine total schöne Zeit.“ Aufgewachsen ist sie zunächst in Niederbayern, in Wegscheid bei Passau, und dann in München. Dort arbeitete sie als Sekretärin und Barfrau. Als Lemke sie entdeckte, so sagt er, habe er gewusst: „Das ist sie. Dann habe ich sofort Filme mit ihr gedreht, ohne dass ich anfangs überhaupt verstanden habe, worüber sie redet.“ So stark sei ihr Dialekt gewesen. Sein Team habe pausenlos gelacht.

Lemke ist noch immer begeistert: Cleo sei „aus einer Märchenwelt gekommen, in der an Flüssen noch Feen“ lebten. Sie habe auf dem Einödhof in Niederbayern davon geträumt, dass sie etwas werden könnte. „Das hat sie in München einfach realisiert.“ Sie seien beide von dem großen Erfolg selbst überrascht gewesen. Anfangs hätten sie kaum Geld für Zigaretten gehabt, seien dann „das Paar überhaupt“ gewesen und hätten wie Prinzen gelebt. Allerdings sei nach einigen Filmen die Luft raus gewesen.

Nach der Zeit mit Lemke stand Kretschmer unter anderem für den „Tatort“ und den Kinofilm „Eine ganz heiße Nummer“ vor der Kamera. Jedoch gelte sie seit ihrer Erkrankung für Produktionsfirmen als Versicherungsrisiko. Deswegen sei sie kaum noch für größere Rollen besetzt worden. Nebenrollen fielen ihr wegen der Wartezeiten zwischen den Aufnahmen schwer. „Wenn man nach zehn Stunden endlich dran kommt, hat man überhaupt keine Energie und Strahlkraft mehr.“ Kretschmer würde gerne wieder drehen, am liebsten mit Lemke, sagt sie. „Aber, auch wenn es traurig ist, die Karriere habe ich zu Grabe getragen.“

Ihre erste Filmrolle hatte Kretschmer 1973 im fünften Teil des „Schulmädchenreport“. In den darauffolgenden Jahren spielte sie in gut einem Dutzend Film- und TV-Komödien („Amore“, „Arabische Nächte“) mit, häufig an der Seite von Wolfgang Fierek. Cleo, die eigentlich Ingeborg Maria heißt, gehörte zur Münchner Schickeria. Eine Schauspielschule hat sie nie besucht.

Seit einigen Jahren versucht sie sich als Autorin einen Namen zu machen. Gerade arbeitet sie an ihrem neuesten Werk. Mehrere Bücher hat sie bereits veröffentlicht. Eines 2016 aus der Sicht ihrer Lieblingskatze ZiZiPeh. Die sei leider im vergangenen Jahr gestorben. „Sie lebte 17 Jahre bei mir. Das ist sehr traurig.“ Weil sie keinen eigenen Garten hat, hat sie die Katze bei einer Freundin unter deren Aprikosenbaum beerdigt. „Ein schöneres Grab könnte es auch für Prinzessin Diana nicht geben. ZiZiPeh war auch eine Prinzessin.“

Ansonsten gehe sie gerne in die Natur, füttere Vögel und Enten und kümmere sich nun um zwei Nachbarskatzen, die gerne zu ihr zu Besuch kämen. Eine eigene neue Katze will sie sich nicht mehr zulegen. Mit der Corona-Krise komme sie gut zurecht, schließlich lebe sie auch sonst eher zurückgezogen. Aber sobald die Gastronomie wieder öffnen darf, geht sie in ihr Lieblingscafé: „Wie immer nach dem Einkaufen auf einen doppelten Espresso und einen Ratsch.“

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