05.10.2020 17:22 Uhr

Meret Becker verabschiedet sich von sicherer Einnahmequelle

Mit ihrem Ausstieg beim Berliner „Tatort" verabschiedet sich Schauspielerin Meret Becker von einer sicheren Geldquelle.

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Bis 2022 ist Meret Becker noch mit ihrem Kollegen Mark Waschke in dem TV-Krimi „Tatort“ zu sehen, dann steigt sie aus. „Ich weiß, aus finanzieller Sicht ist es eigentlich dusselig aufzuhören, aber das hat für mich keine Priorität. Ich bin eher ein Nomade, der dann auch mal weiterzieht.“

Meret Becker verabschiedet sich von sicherer Einnahmequelle

© rbb/Stefan Erhard

Die hier wird ihre Nachfolgerin

„Es gibt ja Schauspieler, die würden sich für eine Hauptrolle im ‚Tatort‘ alle Beine ausreißen. Ich gehöre nicht dazu“, sagt die Berlinerin (51) der Zeitung „Augsburger Allgemeine“. Sie sei allerdings „zutiefst dankbar“ für die Rolle der Kommissarin Nina Rubin. „Die Arbeit macht meistens einen Riesenspaß, aber die Dreharbeiten blockieren einen auch ordentlich zweimal im Jahr.“

Bis 2022 sind Nina Rubin und Robert Karow also noch als Team zu sehen, dann steigt Becker aus. Ihre Nachfolgerin wird Corinna Harfouch. Bis dahin ist noch etwas Zeit für Karow und Rubin. Sie sind keine Freunde, aber können ganz gut miteinander. Im neuen Fall erfährt man: Das Erste, was sich Karow nach dem Mauerfall im Westen kaufen wollte, war eine Stretchhose.

Meret Becker verabschiedet sich von sicherer Einnahmequelle

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Darum gehts

Das beherrschende Thema des „Tatort“ vom 4. Oktober war nämlich die Wendezeit. Der eine ist „Keller-West“, der andere „Keller-Ost“. Der eine ist Wendegewinner, der andere Wendeverlierer. Im neuen Berliner „Tatort“ geht es um die deutsche Geschichte, um alte und um neue Nazis, um Stasi-Funktionäre in der Familie. Und um zwei alte Brüder.

Eines Tages liegt der West-Berliner Bruder (Rolf Becker) erschossen auf einer Dachterrasse, um den Hals ein Schild, auf dem steht: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen.“ Das klingt nach Zweitem Weltkrieg. Klaus Kellers Familienunternehmen steckte im Bau eines Holocaust-Dokumentationszentrums in Israel, Versöhnung lag ihm am Herzen. Waren es also Neonazis? Spielte Judenfeindlichkeit eine Rolle?

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War Opa ein Nazi?

Fast wäre es ein Fall für den politischen Staatsschutz, aber eben nur fast. So machen sich Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) am Sonntagabend in ihrem zwölften Fall auf Verbrecherjagd. Zur Erinnerung: Kommissarin Rubin ist ein Wessi und jüdisch, ihr Kollege Karow ein Ossi mit Hang zur Arroganz und Direktheit: „Ah, persönlich betroffen?“, sagt er zu ihr am Tatort.

Schon bald stoßen sie auf die Verwerfungen in der Verwandtschaft: Beide Brüder hatten Jahrzehnte keinen Kontakt. Die Vergangenheit ragt ins Heute hinein. Es stellt sich die Schlüsselfrage vieler deutscher Familien: War Opa ein Nazi? Was wollte Klaus Keller auf der Feier zu seinem 90. Geburtstag beichten? Kann die Kellnerin im Stammlokal der Familie bei der Aufklärung helfen? Nach und nach rollt sich die Familiengeschichte auf, das Geheimnis der Brüder kommt zu Tage.

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Kein „Tatort“ für Nebenbei

Der Krimi mit dem Titel „Ein paar Worte nach Mitternacht“ ist interessant besetzt. Jörg Schüttauf, früher selbst „Tatort“-Kommissar in Frankfurt, spielt einen „völkischen“ Politiker mit Druckerei-Betrieb, Stefan Kurt den Unternehmersohn, der in einer Villa mit Pool lebt. Kleine Randnotiz: Der ermordete Seniorchef im Film, Rolf Becker, ist übrigens der Vater von Meret Becker.

Es ist kein „Tatort“ zum Nebenbeigucken. Bei der verwickelten Auflösung muss man aufpassen. Und sie ist etwas theatralisch. Insgesamt ist es aber ein sehenswerter Sonntagskrimi, für die Regisseurin Lena Knauss ein Debüt im ARD-Flaggschiff. Sie reizte die Historie als Familiengeschichte: „Im Vordergrund steht für mich das menschliche Drama, über drei Generationen hinweg. Mich hat interessiert, welche Verstrickungen da im Verborgenen gehalten werden.“

© dpa-infocom, dpa:201005-99-825705/3 – (Caroline Bock, dpa) © dpa-infocom, dpa:200929-99-749660/2 – KT