20.10.2020 23:26 Uhr

„Sommerhaus“: Warum Lisha und Lou sich Kritik an RTL verkneifen müssen

Youtuberin Lisha mausert sich im "Sommerhaus der Stars" immer mehr zu einer Art Désirée Nick. Klar, da wird zusammengeschnitten was zusammengehört, um daraus bestes Entertainment zu zimmern. Doch auch Fans finden, Lisha werde falsch dargestellt. Die gibt RTL aber an der Misere keine Schuld. Diese hinreichend naive Sichtweise überrascht dann doch...

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Lisa und Lou sind das wohl seltsamste Paar in der RTL-Zwangs-Wohngemeinschaft „Sommerhaus der Stars„, einer Adaption der internationalen Show „Power Couple“. Während es bei dem Schmusekätzchen Lou an ihrer Seite nur für ein „Ja, da hast du recht Silly“ reicht, läuft Madame in jeder Folge fluchend zur Höchstform auf. Wenngleich ihr Beleidigungsvokabular auch recht übersichtlich ist.

Lisha steht somit Krawallschachtel und Wutperformerin Desiree Nick in nix nach, die im Frühjahr mit ihrem Mobbing-Tsunami bei „Promis unter Palmen“ erbärmliche Fernsehgeschichte schrieb.

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„Halt deine Fresse, sag ich dir!“

Manche nennen Lisha und Lou fälschlicherweise „Medienprofis“, dabei sind die beiden lediglich bei YouTube mit Clips zu Fitness, Lifestyle, Beauty und Fashion bekannt geworden. „Das Sommerhaus der Stars“ ist ihr bislang größtes Gastspiel im linearen TV und plötzlich mussten die beiden „Medienprofis“ lernen sich zu rechtfertigen. Denn „Mobbing“ nennt Wut-Tuberin Lisha das nicht was sie mit ihren respektlosen Brüllorgien in Richtung Eva Eva Benetatou auskotzt. Sie nennt ihren unterirdischen Gossenjargon auf YouTube „gegenseitige Antipathie“.

Diese Eva-Antipathie äußert sich so: „Du wurdest gef***t und stehen gelassen und das ist dein größtes Problem!“ oder „Verlogenes Dreckstück“ oder sowas wie  „Du hast mir gar nichts zu sagen! Halt deine Fresse, sag ich dir!“

Kritik an sich selber lässt sie natürlich im Sommerhaus abprallen. Die Frau, die nie lacht, hat grundsätzlich das letzte Wort und dabei bedient sie sich einer Gossensprache, die ihren offensichtlich beschränkten Horizont offenlegt.

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Aus dem Zusammenhang gerissen?

Nun ist ja von ehemalige Teilnehmern des „Sommerhaus der Stars“ im Nachhinein immer wieder zu hören gewesen, dass viele Szenen zusammengeschnitten seien und alles ja „gaaanz anders“ gewesen sei. Und so äußerten sich Lisha und Lou halt auch auf eine entsprechende Frage bei Insta. Aber: Man werde natürlich nichts gegen RTL unternehmen.

„RTL kann nichts dafür“, glaubt die Youtuberin allen Ernstes. „Es gibt Produktionsfirmen, die diese Formate drehen und dann fertig an RTL verkaufen. Zum Beispiel ist der Dschungel von einer anderen Produktion als das Sommerhaus. Wäre das alles RTL, wären wir nie wieder ins TV gegangen“. Aha.

Fakt ist doch das hier: Lisha muss sich tiefergehende Kritik an der Hand, die sie füttert, auch tunlichst verkneifen. Denn so wie es aussieht hat sie wohl einen Vertrag für’s walisische Dschungelcamp 2020 in der Tasche (wir berichteten). Das Beispiel Michael Wendler zeigt, dass Europas größter TV-Privatsender nicht lange fackelt wenn man ihm ans Bein pinkelt.

Die Verantwortung trägt der ausstrahlende Sender

Die Berliner Brüllschwester liegt in ihrer Einschätzung aber auch in anderer Hinsicht falsch: RTL bezahlt die ganze Chose und ist Auftraggeber für die Produktionsfirma. In diesem Fall die in Köln ansässige Firma Seapoint. Die Nachbearbeitung und der Schnitt des „Sommerhauses“ wird in die Hände einer weiteren kleineren Firma gegeben: In diesem Falle die „Kombinat Postproduktion“. Das umfangreiche Rohmaterial wird dort in eine sendefertige Fassung überführt. Und dafür gab es 2019 sogar den „Deutschen Fernsehpreis“.

Gerade bei einem Quotenhit wie „Das Sommerhaus der Stars“ lässt sich RTL ganz sicher aber nicht das Recht auf Auskunft, Mitsprache und redaktioneller Mitwirkung entgehen. In der Regel ist der Produktion immer auch mindestens ein Redakteur des Senders zugeordnet. Denn wenn die Formate keine Quoten bringen, sind sie „für’n Arsch“, um mal in Lishas Welt zu bleiben.

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Geheime Verträge

Jede Show wird daher von den Verantwortlichen der TV-Sender aus verschiedenen (auch inhaltlichen und juristischen) Gründen abgenommen und ganz sicher lacht sich nachher nicht nur das Fernsehvolk sondern auch die RTL-Chefetage krank über  das zusammengeschnittene „Sommerhaus“ und deren depperten Stars. Nur sagt das natürlich keiner offen.

„Die wissen doch vorher auf was sie sich einlassen“, so ein mit der Materie vertrauter Insider zu klatsch-tratsch.de über die Kritik der Kandidaten. „Denn die Bewohner müssen eine Menge Rechte abtreten und viele Pflichten eingehen. Und dafür werden sie im Gegenzug fürstlich honoriert. Im Grunde genommen kann Lisha doch dankbar sein für die Zusammenschnitte. Das halbe Land redet über sie. Mit der Show erreicht sie zwischen 2,5 und 3 Millionen Zuschauer wöchentlich – TVNow nicht mitgerechnet. Diese Reichweite hätte sie mit ihrem Youtube-Tralala und ein paar 100.000 Followern kaum geschafft.“

Insofern liebe Lisha, kann RTL im Grunde genommen sehr viel dafür dass Du so rüberkommst wie Du rüberkommen sollst. Maul halten, weiter machen und beim Dschungelcamp ordentlich Kohle absahnen, bevor die ganze Chose wieder von vorne losgheht. (PV)