Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

© IMAGO / Eibner Europa

27.03.2021 19:30 Uhr

Es ist offiziell: Moderations-Legende Thomas Gottschalk wird den Poptitan Dieter Bohlen in den kommenden Live-Shows von „Deutschland sucht den Superstar" ersetzen. Ob der TV-Liebling Bohlen gebühren vertreten kann? In der Vergangenheit schien es als würde der 70-Jährige nicht viel von seinem Vorgänger halten.

Thomas Gottschalk (70)  ist aus dem deutschen Fernsehen kaum mehr wegzudenken. Mit seiner Frisur hat er was von Mozart. Gottschalk – ein Klassiker halt. Nun krönt die Plaudertasche seine Karriere mir einem Sitz hinter DSDS-Jurypult.

Neben ihm Mike Singer (21), der geboren wurde, als der ZDF-Versuch mit „Kinder-Wetten.dass…?“ nach über drei Jahren wieder beendet wurde. Und Maite Kelly, die 1979 auf die Welt kam. Da moderierte Gottschalk noch den Deutsche Vorentscheidung zum ESC.

Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Er hat Dieter Bohlens (67) Platz eingenommen, denn der Modern-Talking-Star konnte aus plötzlichen „gesundheitlichen“ Gründen nicht mehr an den einzigen zwei Live-Shows des Casting-Formats teilnehmen. Ob der 70-Jährige ein guter Nachfolger ist und was steckt wirklich hinter dem erfolgreichen Moderator mit dem ausgefallen Kleidungsstil?

Gottschalk wollte Lehrer werden

Seit etlichen Jahren prägt er die deutsche TV-Geschichte. Mit der Übernahme der Show „Wetten, dass…?“ 1987 wurde er zum Superstar und eroberte die Herzen der Zuschauer. Dass der 70-Jährige eigentlich eine Karriere als Lehrer anstrebte, haben die meisten schon vergessen. Den Jüngeren ist es womöglich egal.

Gemeinsam mit seinen zwei Geschwistern Christoph und Raphaela wuchs Gottschalk im oberfränkischen Kulmbach in Bayern auf. Nach seinem Abitur 1971 jobbte Thomas unter anderem als DJ in einer Disco in seinem Heimatort, Nachhilfelehrer und als Kinder- und Jugendbetreuer. Kurz danach entschied sich der Moderator für ein Studium in Germanistik und Geschichte auf Lehramt. Sein Ziel: Lehrer! Was für ein Spaß!

Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

© IMAGO / Future Image

Thomas begann als Radiomoderator

Seinen Traum vom Lehrer schlug sich der Blondschopf schnell wieder aus dem Kopf. Ebenfalls 1971 fing er stattdessen an für die Servicewelle von Radio München beim Bayerischen Rundfunk als Moderator zu arbeiten. Danach wechselte er zum deutschen Hörfunkprogramm von Radio Luxemburg.

Mit seiner Hörfunksendung tägliche Radioshow „Pop nach acht“ auf Bayern 3 wurde er 1976 schlagartig überregional bekannt. Man wurde im Fernsehen auf ihn aufmerksam.

Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

© TVNOW / Stefan Gregorowius

Zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen war Thomas 1976 in der kultigen Musik-Show „Szene“ (später „Pop Stop“). Der Eurovision Song Contest im Jahr 1979 und 1980 brachte ihm weitere Moderations-Job ein. Dort stand er mit Carolin Reiber (für die Jüngeren: die Carmen Nebel der Bronzezeit) vor der Kamera.

Richtig berühmt wurde der 70-Jährige aber erst mit seiner eigenen ZDF-Fernsehsendung „Na sowas!“. Damit verdiente sich Gottschalk 1986 die damals noch heiß begehrte Goldene Kamera.

22 Jahre „Wetten, dass…?“

Kurz nach seinem Gewinn der Goldenen Kamera wurde Gottschalk der alleinige Moderator der TV-Show „Wetten, dass…?“ und übernahm somit den Job vom Erfinder der Wettshow, Frank Elstner. Weltstars wie Justin Bieber, Karl Lagerfeld, Cher, Mel Gibson, Arnold Schwarzenegger, Tina Turner und Hugh Grant und viele weitere Berühmtheiten waren zu Gast bei Thomas. Ihre Aufgabe: Werbung für ihre Platten, Filme oder Bücher machen.

Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

© IMAGO / United Archives International

Deswegen waren die Weltstars auch billig zu haben und verschwanden  immer wieder schnell von der Couch – angeblich weil sie noch in der Nacht zur Arbeit mussten. Eine der wohl größten Lügen in der Geschichte der Show – neben dem berüchtigten Buntstift-Betrug von 1988.

„Wetten, dass…?“ mauserte sich zu einer der beliebtesten Live-Shows im deutschen Fernsehen. Quoten von über 20 Millionen waren mal normal. Es war die größte TV-Show Europas, bis am 4. Dezember 2010 ein verhängnisvoller Unfall passierte. Sportskanone und Akrobat Samuel Koch verunglückte bei einem Sprung auf Stelzen über ein fahrendes Auto. Fast ein Jahr hatte er hinter den Kulissen für diesen wohl spektakulärsten Stunt der Show geprobt… Seitdem sitzt er im Rollstuhl.

Allen Beteiligten war lange klar, um was für eine gefährliche Aktion es sich handelte!

Für Thomas Gottschalk war dieser furchtbare Unfall live vor über 10 Millionen Zuschauern ein Grund, die Show nach 22 Jahren aufzugeben. Das Ende einer Ära. Sein Nachfolger wurde Markus Lanz, doch der moderierte nur bis Ende 2014. Dann wurde die Kult-Sendung aufgrund von schlechter Quoten abgesetzt. Und wohl auch wegen Lanz. Das Publikum liebte ihn nicht zurück.

Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

IMAGO / Eventpress

Sticheleien gegen Bohlen

Nach seinem Aus bei der Wettshow blieb der Lockenkopf dem deutschen Fernsehen selbstverständlich weiterhin treu. Nachdem er seine eigene Late-Night-Show (1992-1995) und 2012 ARD-Talkshow „Gottschalk Live“ bekam und letztere wegen Konzeptlosigkeit recht schnell wieder eingestellt wurde, versuchte er sich 2012 als Juror in der RTL-Sendung „Das Supertalent“. Dort prallten erstmals mit Bohlen und Gottschalk zwei Mega-Egos aufeinander. Gottschalk zog den Kürzeren.

Die wunderbare Feindschaft zwischen Thomas Gottschalk & Dieter Bohlen

Thomas Gottschalks langer Weg auf den DSDS-Thron

© IMAGO / STAR-MEDIA

Der 1,92m-Riese ist seitdem immer mal wieder in verschiedenen TV-Formaten zu sehen. Mit seinem neuen Job bei „DSDS“ könnte der Konflikt zwischen Thomas und dem Pop Titan neu entfacht werden.

Im Dezember 2019 stichelt der Blondschopf in einem Interview gegen Bohlen. „Im Alter ist das Aussehen eine Frage der Beleuchtung! Hilfsmittel wie Botox gebe es nicht, sonst ende ich wie Bohlen“, waren Gottschalks Worte und das obwohl die beiden in vielen „Wetten, dass…?“-Shows wie richtig gute Freunde wirkten. Doch dieser Kommentar hat gesessen. Heute klingt Gottschalk aber wesentlich versöhnlicher. Seinen Platz in der Casting-Jury verteidigt er so: „Ein Titan lässt den anderen nicht hängen.“ Ist das so?

(TSK)