05.09.2020 19:19 Uhr

TV-Kritik „Eine Almhütte für zwei“: Tom Beck großartig als geistig Behinderter

Können zwei behinderte Menschen, die selbst auf Hilfe angewiesen sind, ein Kind großziehen? Eine Komödie im Ersten regt zum Nachdenken und Lachen an. Die schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend.

© ARD Degeto/Marc Reimann

„Stramme Wadln soll’s ham“ – so spricht der Bergbauer Leonhard (Tom Beck) zur Jungfrau Maria, die milde lächelnd als kleine Statue im Eckschrank steht.

TV-Kritik "Eine Almhütte für zwei": Tom Beck großartig als geistig Behinderter

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Zurückgeblieben – aber nicht deppert!

Gemeint ist seine zukünftige Braut, die er jedoch ebenso wenig in Aussicht hat wie einen Fernseher oder eine Spülmaschine. Leonhard lebt nur mit ein paar Kühen auf seiner Alm, die er samt einer Quelle geerbt hat. Das kostbare Nass entpuppt sich als einzigartiges Heilwasser und ruft allerlei Geschäftemacher auf den Plan. Leonhard ist das bewusst. Denn er ist zwar geistig auf dem Stand eines großen Kindes geblieben – aber deppert ist er nicht.

Gleiches gilt für Beate (Anna Drexler) aus Köln, die mit ihren Eltern (Annette Frier, Martin Brambach) ganz in der Nähe ihre Ferien verbringt. Der etwas tumbe Mann und die rheinische Frohnatur lernen sich kennen und lieben – und der Nachwuchs kündigt sich schneller an als gedacht. Es ist einiges im Gange in der Komödie „Eine Almhütte für zwei“, die am heutigen Samstag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

TV-Kritik "Eine Almhütte für zwei": Tom Beck großartig als geistig Behinderter

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Darum geht’s in „Eine Almhütte für zwei“

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob diese beiden besonderen Menschen nicht nur ein gemeinsames Leben, sondern obendrein die Erziehung eines Kindes allein und verantwortungsvoll meistern können. Leonhard bringt es auf den Punkt:

„Ich darf kein Kind haben, weil ich behindert bin?“

Im Film wird dafür meist das Wort „beeinträchtigt“ verwendet, das nicht so hart klingt. Oder wie sagt Beate: „Wir sind nicht blöd, wir werden nur dafür gehalten“. Anna Drexler (30, „Wie gut ist deine Beziehung?“) war während der Dreharbeiten im oberbayerischen Karwendelgebirge im Frühjahr 2019 selbst schwanger. Sie spielt ihre Figur aber nicht nur deshalb durchweg ganz wunderbar.

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Feinfühlig und klischeefrei

Gleiches gilt für Tom Beck (42, „Einstein“), der in dieser Rolle – samt ordentlichem Dialekt – mit zurückhaltendem, natürlichen Spiel eine echte Überraschung darstellt. Er sagt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: „Leonhard ist in seiner Kindheit nicht gefördert worden und so ein bisschen geistig verkümmert. Er ist wohl behindert in der Form, selbstbestimmt zu leben und dabei auf Unterstützung angewiesen. Und die bekommen er und seine Beate zum Glück auch.“

Der Regisseur Benedikt Röskau (58, „Frau Pfarrer & Herr Priester“) hat auch das Buch zu seinem feinfühligen und weitgehend klischeefreien Film geschrieben; die Idee dazu hatte die 2019 gestorbene Drehbuchautorin Sylvia Leuker.

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Nach einer wahren Geschichte

Die beiden sympathischen Hauptfiguren gibt es tatsächlich, und der treffendere Arbeitstitel „Leonhards Traum“ wäre besser beibehalten worden. Denn der Film handelt vom Recht zweier simpel, aber unschuldig anmutenden Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben. Zwar kommt das alles stellenweise etwas zu märchenhaft und heimatfilmlistig daher, auch manche Dialoge wirken zu gesetzt. Aber im Kern ist es ein durchweg gelungener Film, mit einer ausgewogenen und leicht wirkenden Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, der sowohl zum Nachdenken als auch zum Lachen anregt. (Klaus Braeuer, dpa)

© dpa-infocom, dpa:200902-99-402229/2

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