01.06.2020 18:41 Uhr

TV-Kritik Tatort „Der letzte Schrey“: Ein Fall für Nora Tschirner & Christian Ulmen

© MDR/Steffen Junghans

Es geht um Strickwaren und um einen Fleischklopfer als Tatwaffe: Ein verworrener Entführungsfall kostet die Weimarer Ermittler dieses Mal ihren freien Tag. Dabei ist in dem „Tatort“ längst nicht alles so, wie das Team Dorn und Lessing zu wissen glaubt.

Eigentlich will das Ermittlerduo Dorn und Lessing einfach nur einen freien Tag genießen. Doch nicht nur das Au-Pair-Mädchen, das sie für ihren gemeinsamen Nachwuchs organisiert haben, lässt sie im Stich, auch die Arbeit ruft. Marlies Schrey, „die Strick-Designerin Thüringens“, wurde mit einem Fleischhammer erschlagen, ihr Ehemann wurde entführt. Und irgendwie ist der Sohnemann der Weimarer „Strickeria“ ein verdächtig komischer Kauz.

TV-Kritik Tatort "Der letzte Schrey": Ein Fall für Nora Tschirner & Christian Ulmen

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Auf diesem Grundgerüst beruht der neue „Tatort“ aus Weimar. „Der letzte Schrey“ am heutigen Pfingstmontag (20.15 Uhr) ist zwar nicht ganz so an Wortwitzen reich, wie man es sonst von den Fällen des Ermittlerpaars (Nora Tschirner und Christian Ulmen) gewohnt ist.

Aber der Reigen an skurrilen Charakteren wird auch mit dem zehnten Fall aus Weimar gut ergänzt.

TV-Kritik Tatort "Der letzte Schrey": Ein Fall für Nora Tschirner & Christian Ulmen

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Ein schräges Entführerduo

Dorn und Lessing halten sich an ihr Erfolgsrezept und folgen der alten Schulhof-Manier, wonach sich neckt, was sich liebt. Neben den liebevoll tumb gespielten Gehilfen Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) und den mit Übelkeit verschiedener Art kämpfenden Vorgesetzten Stich (Thorsten Merten) gesellt sich dieses Mal ein sozial wie mental gefordertes Entführerduo. „Vielleicht haben wir es einmal nicht mit extrem smarten Superschurken zu tun“, merkt Dorn noch zu Beginn der Ermittlungen hoffnungsvoll an. Schnell gelöst ist der Fall trotzdem nicht. Vorher gibt es in der Episode (Regie führte Mira Thiel, Drehbuch von Murmel Clausen) noch einige Wendungen und Leichen mehr.

Selbst bei den Nebenfiguren findet sich Kurioses: Ausgerechnet ein Blindenverband wird Zeuge eines Mordes, liefert dann aber eine Aussage ab, zu der die wenigsten Sehenden wohl fähig wären. Derweil werden einem Versicherungsvertreter mit prall gefülltem Geldkoffer schnell mal Verdauungsschwierigkeiten herbeigeschrieben.

Showdown in Bayern

Der Weimarer „Tatort“ ist aber nicht nur ein Kuriositätenkabinett für seltsame Gestalten, er funktioniert auch wieder als Schaukasten für Thüringen. Da erklärt Dorn etwa ihrem Partner, dass die Thüringer gerne mal in Orte fahren, die nach weiblichen Vornamen klingen – Orla, Gera, Nohra – während der Showdown aber in München stattfindet.

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Dabei handelt es sich allerdings um einen Ortsteil bei Bad Berka im Weimarer Land, die den gleichen Namen wie die bayerische Landeshauptstadt trägt. Dort liegt eine ehemalige Lungenheilanstalt. Die verlassenen Gebäude sind ein beliebtes Motiv von Fotografen. Jetzt hielten sie auch mal als „Tatort“-Schauplatz her.

Noch eine gute Nachricht für Fans der Reihe: Die elfte Episode ist bereits im Kasten. Die Dreharbeiten zu „Der feine Geist“ wurden einer Sprecherin zufolge knapp vor Ausbruch der Corona-Epidemie abgeschlossen. (Marie Frech, dpa)