17.05.2020 18:31 Uhr

TV-Kritik Tatort „Gefangen“: Ein Fall in der Psychiatrie

© WDR/Thomas Kost

Der neue Kölner „Tatort“ bringt bei Kommissar Ballauf ein überwunden geglaubtes Trauma wieder an die Oberfläche. Während er mit seinen Dämonen kämpft, muss er mit seinem Kollegen Schenk den Mord an einem Psychiater aufklären.

Der renommierte Chefarzt einer psychiatrischen Klinik wird in seinem Haus erschossen. Einbruchsspuren gibt es nicht – Prof. Klaus Krüger kannte offensichtlich seinen Mörder. Die Kölner „Tatort“-Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in der Folge „Gefangen“ heute um 20.15 Uhr im Ersten in einer Psychiatrie.

TV-Kritik Tatort "Gefangen": Ein Fall in der Psychiatrie

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Vor allem die Patientin Julia Frey (Frida-Lovisa Hamann) erregt sofort die Aufmerksamkeit der Polizisten: Beim ersten Besuch der Ermittler in der Klinik droht sie in einer dramatischen Szene, sich mit einer Rasierklinge umzubringen, wenn nicht sofort Prof. Krüger kommt. Zu ihm scheint sie irgendeinen besonderen Bezug zu haben, denn kurz vor seinem Tod hatte Krüger an seinen Schwager, den Rechtsanwalt Florian Weiss (Andreas Döhler), eine SMS verschickt: „Wegen Julia. Komm vorbei, ich kann nicht mehr.“

Julia ist der Meinung, dass sie zu Unrecht in der Psychiatrie eingesperrt wird. Doch laut Gutachten leidet sie unter Wahnvorstellungen und fühlte sich unter anderem von Krüger verfolgt.

Schuldgefühle holen Ballauf ein

Ballauf aber glaubt, dass an Julias Behauptung etwas dran sein könnte. Er fühlt eine Verbundenheit mit der jungen Frau – die ihn zu verstehen scheint, als sie zu ihm sagt: „Wir sind beide in einem Gefängnis. Ich in dieser Klinik, und Sie ihn Ihrem Kopf.“

Denn Ballauf wird in dieser Folge von einem Ereignis eingeholt, das ihn mehr belastet, als er bisher wahr haben wollte: Vor einiger Zeit – in der „Tatort“-Folge „Kaputt“ vom Juni 2019 – hatte er im Einsatz eine Kollegin erschossen. Jetzt plagen ihn Schuldgefühle. Manchmal sieht er die tote Polizistin Melanie Sommer (Anna Brüggemann) sogar vor sich.

TV-Kritik Tatort "Gefangen": Ein Fall in der Psychiatrie

© WDR/Thomas Kost

Doch reden will Ballauf über sein Trauma nicht – weder mit der Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler), noch mit seinem Kollegen Schenk, der immer wieder versucht an ihn heranzukommen. „Du kannst das nicht ewig mit dir rumtragen“, meint Schenk. Und: „Du musst diese Sache jetzt endlich mal abhaken.“ Ballauf wehrt barsch ab. „Sag mir nicht, was ich tun soll und was nicht. Lass uns einfach unsere Arbeit machen.“ Bei der Arbeit steht Ballauf aber völlig neben sich, bis er beim Schießtraining schließlich zusammenbricht.

Rätsel um Pfleger

Unterdessen wird das Rätsel um den gewaltsamen Tod von Prof. Krüger immer größer. Welche Rolle spielt Pfleger Dennis Oberender (Thomas Schubert), der in der Klinik nachts heimlich schlafende Patientinnen filmt? Und was ist mit Julias Schwester Christine Weiss (Franziska Junge), die sich seit dem Tod der Eltern um Julia kümmert und auch ihren kleinen Sohn in Pflege genommen hat?

TV-Kritik Tatort "Gefangen": Ein Fall in der Psychiatrie

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Regisseurin Isa Prahl hat nach dem Drehbuch von Christoph Wortmann – auch bekannt aus der Rolle des Frank Dressler in der ARD-Serie „Lindenstraße“ – einen „Tatort“ mit interessanten psychologischen Wendungen inszeniert. Die Auflösung ist überraschend, es bleibt spannend bis zum Schluss.(Petra Albers, dpa)

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