Sonntag, 12. Januar 2020 20:00 Uhr

TV-Kritik Tatort: „Kein Mitleid, keine Gnade“ – und eine Mauer des Schweigens

© WDR/Thomas Kost

Ob in der Schule, im Beruf oder im Privatleben – Mobbing kann jeden treffen. Der neue Kölner „Tatort“ zeigt erschreckend realistisch, wie die Opfer plötzlich unverschuldet in eine schier endlose Spirale von Demütigungen geraten.

Zu Beginn folgt die Kamera einer langen Blutspur – bis zu einer nackten Leiche. Bei dem Toten handelt es sich um den 17-jährigen Jan Sattler. Als die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) seine Mitschüler befragen wollen, stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens. „Kein Mitleid, keine Gnade“ heißt die „Tatort“-Folge, die das Erste am heutigen Sonntag zeigt (12. Januar/20.15 Uhr).

TV-Kritik Tatort: "Kein Mitleid, keine Gnade" - und eine Mauer des Schweigens

© WDR/Thomas Kost

Darum geht’s

Das Gedenkfoto des Opfers, das am Schwarzen Brett des Gymnasiums hängt, hat jemand mit obszönen Kritzeleien „verziert“. Bald ist klar: Jan wurde gemobbt. Besonders aktiv scheinen dabei die Mitglieder seiner Bio-Projektgruppe gewesen zu sein. Emma (Nadine Wilcke), Lennart (Moritz Jahn) und Robin (Justus Johanssen) halten fest zusammen und kennen offenbar „kein Mitleid, keine Gnade“ – weder mit Jan noch mit dessen Freund Paul (Thomas Prenn). Er und Jan waren ein Paar.

Aber als Schwule werden sie von ihren Mitschülern nicht akzeptiert und sind Zielscheibe von Spott und Verachtung.

Dass es für Mobbing-Opfer „kein Mitleid, keine Gnade“ gibt, muss auch Freddy Schenk erfahren. Als er Emma befragen will, fängt diese an zu schreien und behauptet, der Kommissar habe sie „angefasst“. Wenig später ist ein Video dazu im Netz, das sich über die sozialen Medien rasant verbreitet. Plötzlich steht Freddy öffentlich am Pranger, bekommt Probleme mit Ehefrau und Kollegen – und hat keine Ahnung, wie er diese Spirale stoppen kann.

„Mensch Freddy, du musst was tun. Von sowas bleibt immer etwas hängen“, mahnt Assistent Jütte (Roland Riebeling) und macht ihm einen Termin beim Personalrat. Und Ballauf fragt frustriert: „Warum sind die Menschen gemein? Warum gibt es hier keinen Teamgeist mehr?“

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Erschreckend realistisch

Währenddessen entwickelt die Beziehung zwischen Emma, Lennart und Robin eine zunehmende Eigendynamik. Denn das Verhältnis zwischen den Dreien ist nicht so klar, wie es zunächst scheint. Und dann gibt es da noch die Sanitäter Farid (Karim Günes) und Meike (Anke Retzlaff), die an der Schule Erste-Hilfe-Kurse geben und Jan näher zu kennen scheinen.

Drehbuchautor Johannes Rotter und Regisseur Felix Herzogenrath zeigen in diesem „Tatort“ auf erschreckend realistische Weise, dass Mobbing und „Hatespeech“ (Hassrede) jeden treffen können – und wie schwer es ist, sich als Betroffener dagegen zu wehren.

TV-Kritik Tatort: "Kein Mitleid, keine Gnade" - und eine Mauer des Schweigens

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„In dieser Geschichte findet der Mord im Schutz der Dunkelheit statt. Doch das meiste, was sich ihre Figuren antun, geschieht im Schutz der Öffentlichkeit“, wird der Autor Rotter in der Pressemappe zur Folge zitiert. Und so ist dieser „Tatort“ nicht nur ein Krimi, sondern auch Gesellschaftsdrama, das vor einer bedrohlichen Entwicklung warnt, die nur schwer in den Griff zu bekommen ist.

Dementsprechend nüchtern fällt nach Auflösung des Falls das Fazit der Kommissare aus. „Diese Welt ist nicht für uns gemacht. Wir sind für sie gemacht“, sagt Ballauf. „Reinpassen muss man“, fügt Schenk an. (Petra Albers, dpa)

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