Sonntag, 22. März 2020 19:27 Uhr

TV-Kritik Tatort „Niemals ohne mich“: Eine Tote und jede Menge Verdächtige

© WDR/Martin Valentin Menke

Der Kölner „Tatort“ ist für seine Sozialkritik bekannt. Die aktuelle Folge stellt Familienschicksale in den Mittelpunkt. Es geht um zerstrittene Eltern – und die Folgen für die Kinder.

Wenn Eltern sich trennen und dann auch noch um den Unterhalt streiten, sind die Kinder die Verlierer. Der nächste „Tatort“ aus Köln mit dem Titel „Niemals ohne mich“ rückt am heutigen Sonntag im Ersten (20.15 Uhr) dieses Thema eindrücklich in den Mittelpunkt. Bei ihren Ermittlungen zu einem Mordfall bekommen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) erschütternde Einblicke in die Schicksale zerrütteter Familien.

TV-Kritik Tatort "Niemals ohne mich"

© WDR/Martin Valentin Menke

Die Jugendamt-Mitarbeiterin Monika Fellner (Melanie Straub) wird tot unter einer Brücke gefunden, sie wurde erschlagen. „Der Täter hat mehrfach zugeschlagen, auch noch, als sie schon auf dem Boden lag“, stellt Gerichtsmediziner Joseph Roth (Joe Bausch) noch am Tatort fest. „Da war jemand richtig wütend.“

Schnell zeigt sich, dass Fellner sich mit ihrer strengen Arbeitsauffassung gleich mehrere Feinde gemacht hatte. In ihrer Abteilung war sie dafür zuständig, Geld von säumigen Unterhaltszahlern einzutreiben – und anders als ihre Kollegen ließ sie dabei keine Milde walten.

Die Tote war stur und verbissen

So scheute sie zum Beispiel nicht davor zurück, den Bauarbeiter Stefan Krömer (Gerdy Zint) auf einer Baustelle aufzusuchen, um ihre Forderungen zu stellen – woraufhin Krömer sie bedrohte. Auch ein anderer Vater wurde kürzlich aggressiv: Rainer Hildebrandt (Peter Schneider), der verzweifelt um das Sorgerecht für seine Kinder kämpft, rastete in Fellners Büro aus. „Sie zerstören Leben, ist Ihnen das eigentlich klar?“, schrie er Fellner an – die die Szene zur Beweissicherung ungerührt mit ihrem Handy filmte.

TV-Kritik Tatort "Niemals ohne mich"

© WDR/Martin Valentin Menke

In Fellners Wohnung finden Ballauf und Schenk stapelweise Fotos, Videos und Akten, die sie offenbar als Druckmittel gegen die nicht zahlungsfähigen oder -willigen Väter und Mütter einsetzte. Auch ihre Kollegin Ingrid Kugelmeier (Anna Böger) und ihr Vorgesetzter Markus Breitenbach (Christian Erdmann) sahen Fellners Vorgehen kritisch und beschreiben die Tote als stur und verbissen.

Jede Menge Verdächtige

Es gibt also jede Menge Verdächtige. Deren Familiengeschichten machen diesen „Tatort“ zu einem Sozialdrama. Die Konflikte zwischen den Eltern zeigen, dass oft keine Seite wirklich recht oder unrecht hat. Leidtragende sind aber am Ende die Kinder. Obwohl die jungen Darsteller meist nur Kurzauftritte haben, spielen sie in dieser Folge eigentlich die Hauptrollen. Ihre Gesichter spiegeln die innere Zerrissenheit der Kinder so intensiv, dass deren Schmerz bei den Zuschauern geradezu spürbar wird.

TV-Kritik Tatort "Niemals ohne mich"

© WDR/Martin Valentin Menke

Gesellschaftskritik ist eines der Markenzeichen des Kölner „Tatort“-Krimis. Die Dialoge in „Niemals ohne mich“ greifen aktuelle Diskussionen zu Themen wie Sorgerecht, Hartz IV und Kindergeld auf. Auch die beiden Kommissare – der Einzelgänger Ballauf und der Familienvater Schenk – haben dazu unterschiedliche Ansichten und rasseln kräftig aneinander.

Insgesamt ein gelungener „Tatort“, der nachdenklich macht. (Petra Albers, dpa)

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