21.12.2019 20:44 Uhr

TV-Star Jonas Nay: „Goodbye Deutschland“ als Auswanderepos

© ARD Degeto/SWR/Moovie/Constantin Film/Walter Wehner

TV-Schauspieler Jonas Nay (29) hat für seine Rolle als schwäbischer Auswanderer Fidelis Waldvogel im ARD-Zweiteiler „Der Club der singenden Metzger“ (Ausstrahlung am 27. Dezember) Schwäbisch mit einer Opernsängerin gelernt. Weil er als Lübecker die Mundart nicht beherrschte, habe er die Rolle eigentlich nicht bekommen sollen.

„Aber ich habe gesagt: Gebt mir eine Chance. Ich kenne aus Hamburg eine Opernsängerin, die Schwäbisch spricht, die habe ich gefragt, ob sie mir schon fürs Casting Szenen beibringt“, berichtete Nay der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung‘.

TV-Star Jonas Nay: "Goodbye Deutschland" als Auswanderepos

© ARD Degeto/SWR/Moovie/Constantin Film/Walter Wehner

Schwäbisch habe er für den Film dann gelernt wie eine Fremdsprache: „Wie jemand, der auf Englisch singt, obwohl er’s nicht versteht. Franziska Aigner, die Casterin, ist selbst Schwäbin, das war für mich die Feuerprobe. Offenbar habe ich sie überzeugt.“

Auch während der Dreharbeiten arbeitete Nay noch immer an der Perfektionierung des schwäbischen Zungenschlags: „Ich war mit Gabriele Rossmanith, der Opernsängerin, immer per Whatsapp verbunden für den Fall, dass sich eine Szene ändert oder ich improvisieren muss. So einen Dialekt wirklich zu sprechen wäre für mich eine Lebensaufgabe.“

Auftrag für Filmmusik

Nach den Dreharbeiten habe er sogar den Auftrag bekommen, die Filmmusik für den Zweiteiler zu schreiben, berichtete Nay, der selbst in einer Band namens „Pudeldame“ spielt. „Ich hatte während der Dreharbeiten mitbekommen, dass unser Regisseur Uli Edel nicht vollends glücklich mit den Layouts war, die er so hatte. Er wollte gerne eine Musik haben, die sich mit fortschreitender Handlung immer mehr amerikanisiert – genauso wie die Charaktere.“ Sein Kompositionspartner, der Hamburger Gitarrist David Grabowski hatte eine Filmmusik für einen ZDF-Herzkino-Film gemacht, der am Yukon spielte. „Wir hatten also schon ganz viele amerikanische Elemente wie Bluegrass, Banjo und Fiddle, die ich Uli Edel während des Drehs immer wieder unkommentiert und mehr aus Spaß gezeigt habe. Irgendwann sagte er: ,Das ist wirklich super'“.

TV-Star Jonas Nay: "Goodbye Deutschland" als Auswanderepos

© ARD Degeto/SWR/Moovie/Constantin Film/Walter Wehner

Darum geht’s

Es war einmal in Amerika: „Der Club der singenden Metzger“ ist ein historisches Auswandererepos und erzählt eine bewegende und komplexe Geschichte über Aufbruch, Hoffnung und Heimweh. In den Hauptrollen sind Jonas Nay als schwäbischer Metzgermeister und Leonie Benesch als seine Frau sowie Aylin Tezel als Hamburger Zirkusartistin zu sehen, die sich im amerikanischen Westen ein besseres Leben aufbauen möchten. Starregisseur Uli Edel, der erstmals mit der vielfach ausgezeichneten Filmemacherin Doris Dörrie zusammenarbeitet, verfilmte den gleichnamigen Bestseller der US-amerikanischen Autorin Louise Erdrich.

Der berührend erzählte Fernsehfilm zeichnet das vielschichtige Panorama einer deutschen Auswanderergeneration, die nach dem Ersten Weltkrieg der Armut entfliehen möchte.

TV-Star Jonas Nay: "Goodbye Deutschland" als Auswanderepos

© ARD Degeto/SWR/Moovie//Constantin Film/Walter Wehner

Die Rolle von Jonas Nay

Fidelis Waldvogel ist ein Metzgermeister aus Schwaben, singt im heimatlichen Metzgerchor, hat im Ersten Weltkrieg als Scharfschütze gekämpft, kommt als deutscher Auswanderer mit nichts als seinen Fleischermessern und einem Koffer voller Würste nach Amerika. In Argus, North Dakota, eröffnet er voller Stolz seine eigene Metzgerei, holt seine Familie zu sich und gründet mit den anderen deutschsprachigen Bewohnern der Stadt einen Männerchor. Fidelis ist mutig, zupackend, eine treue Seele und ein „Hans im Glück“ – doch auch die dunkle Seite des Lebens holt ihn immer wieder ein.