Video: Nelson Müller schildert hier unfassbare Beispiele von Rassismus

Video: Nelson Müller schildert hier unfassbare Beispiele von Rassismus

© Radio Bremen/Frank Pusch

20.02.2021 09:50 Uhr

Nelson Müller ist langjähriger Sternekoch, erfolgreicher Unternehmer und nicht zuletzt ein gefeierter Soulsänger: Am Freitagabend war Nelson Müller zu Gast bei Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“.

Nelson Müller ist langjähriger Sternekoch, erfolgreicher Unternehmer und nicht zuletzt ein gefeierter Soulsänger: Am Freitagabend war er zu Gast bei Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“.

Nelson Müller kam als Kind nach Deutschland

Auf die Frage von Gastgeberin Judith Rakers, was sein Ansporn, sein „Motor“ sei, verriet der gebürtige Ghanaer, der als Kleinkind nach Deutschland kam und in einer Pflegefamilie aufwuchs, dass er bereits früh immer wieder rassistische Erfahrungen gemacht habe. Diese hätten ihn angetrieben, vorne mitzuspielen und es ganz besonders gut zu machen.

„Ich habe schnell gemerkt, dass ich, indem ich etwas kann und dafür gesellschaftliche Anerkennung empfange, ein Machtgefüge, das mir persönlich wehtut, für mich in Ordnung bringen kann“, so Müller in der Talkshow.

Video: Nelson Müller schildert hier unfassbare Beispiele von Rassismus

© Radio Bremen/Frank Pusch

Krasse Alltagserfahrungen

Rassistische Erfahrungen seien bei Müller auch heute noch an der Tagesordnung – selbst jetzt, wo er den meisten Menschen in Deutschland bekannt ist. Einige Beispiele dafür lieferte er im anschließenden Gespräch mit Judith Rakers. „Da wird dann gefragt: ‚Warum muss mir ein Afrikaner jetzt das Kochen beibringen? Gibt’s nicht einen deutschen Koch, der uns im Fernsehen das Kochen beibringen kann?‘“ Und Müller berichtete weiter: „Ich bin gerade umgezogen und da kam der Schornsteinfeger. Ich habe ihm aufgemacht, worauf er links und rechts an mir vorbeischaute und fragte, ob jemand da ist.“

Immer noch viele Sterotypen

Als sich Müller neulich mit einem Gärtner unterhielt, sei dieser gefragt worden, ob jetzt die Schwarzen schon weiße Gärtner hätten. Und am Flughafen wollten ihn oftmals Personen am Business-Schalter in die Economy-Class schicken. Außerdem werde er auf Reisen besonders kontrolliert.
„Ich persönlich bin immer noch erschrocken darüber, wie viele Stereotypen man nach wie vor sieht, wie viel Schubladendenken es immer noch gibt“, fuhr Müller fort. Er wolle darauf aufmerksam machen, dass er dies auch in seiner privilegierten Position ständig erlebe. Da wolle er sich gar nicht ausmalen, was jemand erlebt, der eben nicht so privilegiert ist wie er.

Nelson Müller schaut nach vorn

Wie alle in der „3nach9“-Runde reagierte auch Judith Rakers schockiert auf die Erzählungen des 42jährigen und dankte ihm für seine Offenheit. „Wir reden hier so viel über Alltagsrassismus“, so Rakers, „und ich glaube, dass sich ganz viele gar nicht vorstellen können, was das bedeutet.“

Nelson Müller erklärte, er habe sich dazu entschieden, dennoch vor allem das Positive zu sehen. Mehr als früher werde auch bei uns gegen Rassismus gekämpft.

Und er schloss mit einem Anliegen: „Mein großer Wunsch wäre, dass in den Medien mehr interessante und auch schöne Sachen aus den afrikanischen Ländern gezeigt werden, die sonst nur als Problemländer in unseren Köpfen sind. Ich finde es großartig, wenn einfach mal von der Motorradgang aus Simbabwe berichtet wird oder über die Fashion-Show im Senegal.“