Vom Glück ins Unglück – das Drama „Plötzlich so still“

«Plözlich so still»: Eva (Friederike Becht) und die kleine Sarah staunen über die ersten Schneeflocken.
«Plözlich so still»: Eva (Friederike Becht) und die kleine Sarah staunen über die ersten Schneeflocken.

Georges Pauly/ZDF/dpa

05.03.2021 11:33 Uhr

Ein Kind wird geboren, die Eltern sind überglücklich - doch dann stirbt die Kleine ganz plötzlich. Was daraufhin geschieht, das erzählt ein ZDF-Film.

So sieht Glück aus: Die Geburt eines ersehnten Kindes erfüllt die jungen Eltern in einem Hamburger Eigenheim mit Stolz und Freude.

Erst geht alles gut, der Vater kann beruhigt auf Dienstreise gehen, dann geschieht es eines Morgens: Die kleine Tochter atmet nicht mehr. Mit diesem traurigen Geschehen nimmt das Drama „Plötzlich so still“ an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF seinen Lauf.

Als Eva (Friederike Becht) an einem Morgen kurz vor Weihnachten aufwacht, ist ihr Baby auffallend ruhig: Sarah atmet nicht mehr. Verzweifelt massiert die erfahrene Kinderkrankenschwester das kleine Herz – doch es hat aufgehört zu schlagen. Eva trägt das tote Baby durch die Wohnung und legt es schließlich in einen Karton im Keller.

Ihr Mann, der Polizeipsychologe Ludger (Hanno Koffler), macht eine zehnwöchige Fortbildung beim FBI in den USA – sie ist also ganz allein. Unter Schock geht sie einkaufen; im Parkhaus hört sie ein Baby weinen und tröstet es. Seine Mutter Stefanie (Nadja Bobyleva) hat es nur für einen Moment im Auto allein gelassen – und aus einem Impuls heraus nimmt Eva die kleine Nina einfach mit nach Hause. Einen Tag später kehrt Ludger zurück – das Familienglück scheint wieder perfekt.

Regisseur Lars-Gunnar Lotz (38, „Tage des letzten Schnees“) hat eine tieftraurige und schonungslose Geschichte inszeniert, die den Zuschauer gleichsam ratlos und fassungslos zurücklassen dürfte. Zu sehen ist, wie verzweifelt junge Eltern sein müssen, um sich nicht der Realität stellen zu können oder zu wollen. Die Mama kann es offensichtlich nicht, der Papa will es nicht, obgleich er angesichts des veränderten Kindes etwas zu ahnen scheint. Immer größer wird diese Vermutung, als er es dienstlich mit dem Fall der entführten Nina zu tun bekommt – und die schreckliche Wahrheit dann Stück für Stück zutage tritt.

Die Handlung mag einige konstruierte Züge aufweisen – so sind zum Beispiel die Videokameras im Parkhaus defekt, und es gibt nur ein einziges Foto von Sarah, das Eva verschwinden lässt. Doch die wesentlichen Themen des Filmes kommen auch im wahren Leben tatsächlich vor – zum einen der „plötzliche Kindstod“, für den niemand etwas kann; zum anderen die sogenannte „Übersprungshandlung“ der Mutter, die eine absolute Grenzerfahrung durchmacht, deren Konsequenzen nicht nur moralisch kaum zu erklären sind.

Die sich liebenden und gegenseitig vertrauenden Eltern werden von Friederike Becht (34, „Du sollst nicht lügen“) und Hanno Koffler (40, „Das Geheimnis des Totenwaldes“) mit überwältigender Einfühlsamkeit und Intimität gespielt. Beide Figuren bekommen in diesem beklemmenden Drama viel Raum mit reichlich Platz für sensible Zwischentöne.