12.09.2020 11:56 Uhr

Warum mich die meisten Reality-Shows immer mehr nerven

In diesem Sommer gibt es eine regelrechte Reality-TV-Show-Schwemme im deutschen Privatfernsehen. Dass dies nicht unbedingt zur unterhaltsamen Vielfalt beiträgt liegt auf der Hand. Immer dieselben Leute in immer mehr Shows. Da wird z.B. rausnominiert bis der Ofen aus ist.

Foto: txking/Shutterstock

Unser Leser Tim Steinberger aus Berlin hat sich ein paar Gedanken gemacht, die wir interessant finden und die Mail an dieser Stelle deshalb veröffentlichen:

In diesem Jahr fand ich „Promis unter Palmen“ auf Sat.1, aber auch „Kampf der Realitystars“ auf RTLZwei sehr unterhaltsam. Am wenigsten bisher hat mir „Promi Big Brother „gefallen.

Warum die meisten Darsteller scheitern

Bei „Promis unter Palmen“ und auch bei „Kampf der Realitystars“ findet das Ganze als Gruppe gemeinsam statt – also es gibt keine Trennung in zwei Bereiche wie bei „Promi Big Brother“. Da die Sendung jeden Abend ausgestrahlt wird, sind dort selten Konfliktpotenziale vorhanden die für den Zuschauer interessant sind.

Anders ist es bei den anderen beiden genannten Formaten. Da dort nur eine wöchentliche Ausstrahlung stattfindet ist es viel unterhaltsamer weil die Ereignisse mehrerer Tage zusammen geschnitten werden und auch die gegenseitigen Nominierungen von der Gruppe oder auch das Lösen von Aufgaben Konfliktpotenzial bietet.

Der Zuschauer möchte unterhalten werden, aber nur einige bekannte Promis haben das überhaupt verstanden. Desirée Nick oder auch Claudia Obert sowie Willi Herren – ob man sie mag oder nicht – sie verstehen es den Zuschauer zu unterhalten. Sie liefern Shows ab! Das Rezept ist simpel: Wer polarisiert kriegt Sendezeit. Wer nichts tut fliegt.

Wer für Krawall sorgt ist der Star, gewinnt aber meistens nicht.

Oft gehen viele quoten- und kamerasüchtige C- bis Z-Promis in solche Formate, um mehr Bekanntheit zu bekommen und sind für den Zuschauer zu langweilig. Diese No Names leiden zumeist an einer maßlosen Selbstüberschätzung ihrer (nicht vorhandenen) Bedeutung. Sie wollen einfach nur Ich sein, aber das reicht halt nicht. Schön sein mit Filter auf Instagram ist ungenügend für längere TV-Auftritte, denke ich.

Diese Leute, die ihren Kopf zumeist nur zum Haareschneiden haben, vergessen oder wissen nicht, dass sie das Fernsehen ja doch nur genommen hat, weil andere keinen Bock auf sowas haben.

In Realityshows wird bis zur Erschöpfung nominiert

Was mich auch nervt. Ohne Nominierungen geht nicht’s mehr. Dieses ganze Rein- und Raus- und Hin-und Her-Nominiererei geht mir auch auf die Nerven. Bei „Promi Big Brother“ hatte man auch den Eindruck, da wird von der Redaktion nochmal einiges hin und hergeschoben, damit bloß nicht die raus nominiert werden, die aus Sendersicht doch besser drin bleiben sollten. Da sollten zur Überraschung des öfteren mal plötzlich Zwei nominiert werden oder Zuschauer und Kandidatenrankings wurden genauso plötzlich vom „Großen Bruder“ miteinander vermischt usw. Feste Nominierungsregeln? Fehlanzeige. Das wäre ja langweilig.

Harmonie = Langeweile.
Konflikte oder persönliches Drama = Quote.

Aber die Rankings braucht man wohl, um die doofen Zuschauer bis zum Schluß nach Wochen bei der Stange zu halten. Ohne Sieger geht nix. Am Ende eines Films gibt’s ja auch Sieger oder Verlierer.

Wenn man an derartigen Formaten teilnimmt, muss man auf sich aufmerksam machen. Die einen machen das durch Zankereien, die anderen durch Seelenstriptease. Beides ist für den Zuschauer unterhaltsam. Es darf bloß keine Harmonie geben.
Der Sender braucht Quote, weil er dadurch Werbung platzieren und verdienen kann.

Galerie

Wenn man keine Promis findet, baut man sich selber welche

Am bislang krassesten fand ich die unterirdischen Ausraster („Schlampe“, „Du wirst plattgemacht“, „Beweg deine Fresse aus der Kamera!“ usw.) von Desirée Nick gegenüber Claudia Obert bei „Promis unter Palmen“. Letztere tat mir schon sehr leid, aber das sind halt auch die Dinge über die man morgen redet und die Nick versteht es sich zu vermarkten. Auch wenn deren Image äußerst diskussionswürdig ist. Ich glaube, privat ist sie ganz anders, aber sobald die Kamera auf sie gerichtet ist entertaint sie und macht ihren Job. Profis halt. Andere Kandidaten sind deswegen nicht zwingend dümmer, denn die denken sich wahrscheinlich:

Warum sich abrackern, wenn man auch für’s
wochenlange Herumliegen bezahlt wird?

In den letzten Jahren tauchen nur noch sehr wenige wirkliche Promis oder gar „Stars“ in solchen Trash-Formaten auf. Liegt das daran, dass viele dieser Promis nicht den Eindruck erwecken wollen, sie seien pleite, bräuchten dringend Geld und wollen sich diesen Stempel nicht auf die Stirn drücken? Andere wiederum schreckt das Niveau eines Formats wie Dschungelcamp, „Promis unter Palmen“ oder „Sommerhaus der Stars“ einfach ab.

Oft sind es einfach Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Formaten wie „Bachelor“, „Bachelorette“, „Love Island“ usw. Heute reicht es schon einmal Teilnehmer in so einer Sendung zu sein, um anschließend ins „Sommerhaus der Stars“ oder für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ eingeladen zu werden. Das ist wohl auch der Plan dahinter: Das Fernsehen gebiert dadurch eigene „TV-Persönlichkeiten“, die man dann durch diverse andere Formate schleifen kann. Diese Arbeitskräfte sind vor allem kostengünstig für die Sender – und gerne auch billig vor der Kamera. Und sie sind famegeil.

Alles eine Frage des Budgets

Meiner Meinung nach bedarf es entweder wirklich prominentere Teilnehmer oder einfach welche, die auch wirklich Charakter zeigen. Leute, die eine feste Meinung haben und diese da auch vertreten und nicht den ganzen Tag da bei „Promi Big Brother“ im Liegestuhl fläzen und Joghurt essen, um sich so durch die Show zu mogeln.

Eine Rolle kann man als Laie eh nicht spielen und wochenlang versuchen, eine Maske  aufzusetzen. Das funktioniert eben nur stundenweise, aber nicht 24/7. Wichtig ist immer die Authentizität jedes einzelnen Kandidaten, und diese auch zum Vorschein zu bringen. Aber nur Titten und Arsch zu zeigen reicht halt nicht.

Ich denke, letztendlich ist wirklich alles immer eine Frage des Geldes. Die Sender geizen oft mit den Gagen (nicht aber an exotischen Schauplätzen in der Vor-Corona-Zeit) und ich denke, für den richtigen Betrag lässt sich jeder kaufen! Dann müssen halt einfach auch öfter mal sechsstellige Beträge gezahlt werden. Das können die doch durch ihre Werbeeinnahmen wieder gegenfinanzieren. „Promi Big Brother“ strahlte sieben Tage die Woche die Sendung aus und nimmt Millionen durch die zwischengeschaltete Werbung ein. Die Sendung langweilte mich so sehr, dass ich die abends gar nicht mehr sehen wollte. Lieber ein TV-Format einmal die Woche mit einem Zusammenschnitt aus der gesamten Woche. Das reicht.

Was ist mit denen hier?

Ich habe hier mal ein paar Auswahlmöglichkeiten von Kandidatinnen und Kandidaten für zukünftige Teilnahmen in solchen Formaten, die meiner Meinung mehr Bekanntheitsgrad haben und teils auch starke Charakter sind. Und: Sie haben starke Lebensgeschichten. Leute, die in letzter Zeit zu wenig im TV zu sehen waren oder die einfach interessant für ein solches Format wären. Aber vermutlich hatten die Sender die selbst schon auf dem Zettel…

Selbstdarsteller Prinz Frederic von Anhalt
Anuschka Renzi, Schauspielerin
Tamara aus Wien 19 GNTM 2020
Jasmin On-/Off/On-Frau von Willi Herren
Britt Hagedorn, Talkshow Moderatorin
Susanne von Borsody, Schauspielerin
Eva Herman, Moderatorin und Ex-Tagesschau
Katrin Sass, Schauspielerin
Influencerin Sophia Thomalla
Veronika Fischer, DDR-Sängerin
Manfred Lehmann, Synchronstimme von Bruce Willis
Helge Schneider, Entertainer
Oliver Pocher, Comedian
Wolfgang Lippert, Moderator
Frauke Petri,Politikerin
Gabi Decker, Kabarettistin
Karsten Speck, Schauspieler
Andreas Türck, Ex-Kult-Moderator
Dagmar Frederic, Moderatorin
Angelika Mann, Sängerin
Axel Stein, Comedian
Maria Weller, Frau von Boxer Rene Weller
Boris Becker, Tennisikone
Susann Adwell, Moderatorin
Karin Düwel, Schauspielerin
Gülcan Kamps, Moderatorin
Anita Kupsch, Schauspielerin
Olli Dittrich, Comedian
Ingolf Lück, Comedien
Manon Strache, Schauspielerin

Mein Fazit

„Sommerhaus der Stars“ scheint auch in diesem Jahr wieder sehr unterhaltsam
„Promis unter Palmen“ – Claudia Obert, Desiree Nick, Ronald Schill – gute Auswahl bisher bestes Format in diesem Jahr
„Kampf der Realitystars“ – viele Prominente und unbekannte Teilnehmer aber mit starken Charakteren bisher zweitbestes Format
„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ – Wer war da nochmal der Gewinner? War unterhaltsam und immer noch besser als Promi BB.
„Like Me I’m Famous“ – bis auf Sarah Knappik und Melanie Müller mit unbekannten Teilnehmern Unterhaltungsfaktor war’s ok.
„Promi Big Brother“ am langweiligsten bisher für mich. Bessere Auswahl der Kandidaten + besseres Konzept gewünscht

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