Zwei ungleiche Schwestern: ZDF-Serie „Kanzlei Berger“

Caro (Eva-Maria Reichert, l) und Niki (Nele Kiper, r) Berger in einer Szene aus «Kanzlei Berger».
Caro (Eva-Maria Reichert, l) und Niki (Nele Kiper, r) Berger in einer Szene aus «Kanzlei Berger».

Hannes Magerstaedt/ZDF/dpa

08.02.2021 14:30 Uhr

Zwei Schwestern führen neben einer Anwaltskanzlei ein recht turbulentes Familienleben - Stoff für ein neues Vorabend-Format.

Krimireihen und Anwaltsserien gibt es reichlich im deutschen Fernsehen. Jetzt startet eine neue Serie, die gleich beides verbinden will: „Kanzlei Berger“ ist erstmals an diesem Mittwoch um 19.25 Uhr im ZDF zu sehen.

Die erste Folge trägt den Titel „Der Kollaps“: Das cholerische Familienoberhaupt Karl-Heinz Berger (Robert Giggenbach) erleidet einen Herzinfarkt. Nun muss seine Tochter Caro (Eva-Maria Reichert) als Anwältin den Laden allein schmeißen. Sie holt aber ihre jüngere Schwester Niki (Nele Kiper) dazu – obwohl Niki gerade auf recht naive Weise ihre Anwaltslizenz verloren hat.

Die beiden sind schon immer Konkurrentinnen und völlig unterschiedlich: Caro ist eher sozial engagiert und lebt mit dem Betreiber einer Bar (in der sie gelegentlich auch als Sängerin auftritt) und dessen kleiner Tochter zusammen. Niki spielt gerne Detektivin und scheut eine feste Bindung, bändelt jedoch mit dem verheirateten Arzt an, der ihren kranken Vater behandelt. Zudem scheint sie mit ihrem Handy und einem Kaffeebecher fest verwachsen zu sein, da sie beides unentwegt mit sich herumträgt.

Ähnlich klischeehaft sind leider auch die teilweise arg konstruierten Rechtsfälle geraten, bei denen es überwiegend um Verleumdungen, Vertuschungen und Verwechslungen geht. Die meisten Schauspieler agieren mit mehr oder minder vielsagenden Blicken und lassen ihre Texte wie aufgesagt klingen. Das allerdings erscheint bei so dürftigen Dialogen wie „Hat hier jemand ein Beatmungsgerät? Ihre Schönheit ist atemberaubend“ fast schon wieder verständlich.

Die große Ausnahme ist Sissi Perlinger als Familienmama Angelika, die empathisch und glaubhaft die Verwandlung der bislang aufopferungsvollen Ehefrau hin zu einer selbstständigen Immobilienmaklerin zu verkörpern versteht. Kleine Glanzlichter in Gastrollen setzen zudem Petra Berndt und Monika Baumgartner.

Insgesamt drei Regisseure und fünf Autoren haben an den zwölf Folgen gebastelt. Sie setzen auf eine eher flapsige Sprache, die mit reichlich oft verwendeten Wörtern wie „cool“, „echt“ und „mega“ gespickt ist. Die dauerklimpernde Musik erweist sich hier als weniger störend. Regelrecht erholsam sind zumindest die schönen Aufnahmen vom Drehort, der hübschen Stadt Landsberg am Lech und ihrer Umgebung.

Vielleicht sollten angeblich moderne und lebensnahe TV-Serien insgesamt doch etwas anders aussehen. Obendrein erinnert das Ganze an die ARD-Reihe „Dennstein & Schwarz“ mit Martina Ebm und Maria Happel. Sie spielte in der ebenfalls schönen Steiermark und wurde nach drei Folgen sang- und klanglos eingestellt.

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