Donnerstag, 20. Februar 2020 23:15 Uhr

70. Berlinale eröffnet: Gedenken für Opfer von Hanau

Nora Waldstätten (l-r) neben ihrer Kollegin Iris Berben und der Sängerin Lena Meyer-Landrut. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Die Internationalen Filmfestspiele sind eröffnet. Nach der Gewalttat in Hanau halten die Festivalgäste inne für die Opfer – Moderator Samuel Finzi erzählt aus seiner eigenen Lebensgeschichte.

Mit einer Gedenkminute für die Opfer der Gewalttat von Hanau haben in Berlin die Internationalen Filmfestspiele begonnen. Zum Auftakt der 70. Berlinale sprach sich die Festivalleitung für Toleranz, Respekt, Offenheit und Gastfreundschaft aus. „Wir sind in unseren Gedanken bei den Opfern, bei den Familien in Hanau“, sagte Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek am Donnerstagabend.

70. Berlinale eröffnet: Gedenken für Opfer von Hanau

Schweigeminute für die Opfer des Anschlages in Hanau. Foto: Michael Kappeler/dpa-Zentralbild/dpa

Kulturstaatsministerin Monika Grütters rief dazu auf, die Berlinale auch als vielstimmige Demonstration gegen Ausgrenzung und gegen Rassismus zu begreifen. „Nie wieder sollten Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe in Deutschland um ihr Leben fürchten müssen“, sagte die CDU-Politikerin und fügte hinzu: „Die Wirklichkeit sieht anders aus.“

340 Filme in zehn Tagen

Die Staatsministerin begründete dies damit, dass nicht zuletzt „neue politische Kräfte nationalsozialistische Verbrechen relativieren und mit Hetzparolen Ressentiments schüren“. Niemals dürfe es eine „wie auch immer geartete politische Zusammenarbeit mit diesen rassistischen und völkischen Kräften geben. Nirgendwo“. Dafür bekam Grütters lang anhaltenden Beifall, die Gäste erhoben sich von ihren Plätzen.

70. Berlinale eröffnet: Gedenken für Opfer von Hanau

Die neue Berlinale-Leitung zeigt sich: Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Foto: Britta Pedersen/dpa-zentralbild/dpa

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals der Welt. Rund 340 Filme werden in den nächsten Tagen gezeigt, davon gehen 18 Produktionen ins Rennen um die Silbernen Bären und den Goldenen Bären.

Der Eröffnungsabend wurde diesmal von Schauspieler Samuel Finzi moderiert. Er begrüßte die Gäste, die „Cineasten“ und „Videotheken-Vermisser“, erzählte aber auch von seiner eigenen Geschichte. Er sei in Bulgarien groß geworden – was in Deutschland allgemein als „da unten“ beschrieben werde.

Viele deutsche Stars unter den Gästen

Das Bulgarien seiner Kindheit sei ein sozialistisches Land gewesen – die Grenzen seien zu gewesen, „mit Reisen war nix“. Mit Filmen sei er dann in Gedanken auch an andere Orte der Welt gekommen. Lange lebt Finzi schon in Deutschland. Hätte ihm dieses Land kein Zuhause gegeben, „dann hätte diese Stadt heute keinen Moderator, oder?“, fragte er.

Zur Eröffnungsgala erschienen unter anderem die Schauspielerinnen Iris Berben, Jella Haase, Nina Hoss und Alexandra Maria Lara, die Sängerin Lena Meyer-Landrut, Schauspieler Daniel Brühl und Regisseure wie Fatih Akin („Gegen die Wand“) und Tom Tykwer („Babylon Berlin“).

Mit dabei waren auch US-Star Sigourney Weaver und Margaret Qualley, die Tochter von Andie MacDowell. Die beiden spielen die Hauptrollen im diesjährigen Eröffnungsfilm „My Salinger Year“ von Philippe Falardeau. Der Film erzählt von einer jungen Schriftstellerin, die als Assistentin bei einer Literaturagentin anfängt.

Während der Eröffnungsgala gab es viele politische Töne – mit einem Zwischenruf hatte jemand schon zu Beginn des Abends eine Schweigeminute gefordert. Ein Deutscher hatte bei einem mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll er seine Mutter und sich selbst getötet haben. (dpa/KT)

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