Mittwoch, 18. September 2019 23:03 Uhr

„Ad Astra“ mit Brad Pitt: Wie mucksmäuschenstill im All gestorben wird

Foto: Twentieth Century Fox

Es wird herbstlich und düster: Brad Pitt spielt in „Ad Astra – Zu den Sternen“ einen Astronauten, der bis zum Neptun fliegen muss, um seinen Vater endlich loslassen zu können. Am Donnerstag startet das Sci-Fi-Spektakel in den hiesigen Kinos. Kinotante Katrin war schon da.

Mit Roy McBride (Brad Pitt, derzeit gerade grandios aufgelegt in „Once upon a time in Hollywood“ zu sehen) stimmt was nicht. Ein Typ in den 50ern mit Topjob Ingenieur in der höheren Atmosphäre, der unter seinen Fähigkeiten bleibt, irgendwie gebremst, ständig mit sich selbst hadernd. Der Zuschauer weiß alles mögliche über McBrides Innenleben, weil er sich dauernd ein Sende-Klebchen an den Hals patscht, dass alle Biodaten überwacht und bewertet und der Psycho-Hygenie dient. Dabei sieht der Beau bedeutungsschwanger in den Spiegel oder in die Ferne. Alle seine Gedanken und Gefühle werden erfasst und aufgezeichnet und die sieht sich wer weiß wer alles an. U.a. Generäle der USA, die Roy um ein Treffen bitten.

Roys Vater Clifford (Tommy Lee Jones, „Auf der Flucht“, „Jane Got A Gun“) ist ein Held der Nation, nur ist der Ärmste seit 20 Jahren in der Unendlichkeit des Weltalls verschollen. Es gibt vage Hinweise, dass der Astronauten-Veteran noch lebt und sein Sohn soll den Lockvogel spielen. Das sagen die Herren in Uniform natürlich nicht so, aber genau so ist es gemeint.

Das letzte mega-streng-geheime Projekt hieß „Project Lima“ und war auf dem Neptun (jupp, richtig gelesen und nein, wir sind heute nicht bei Star Trek und Konsorten). Und so ganz in der Nähe zur Erde liegt der Planet nicht gerade. Roy soll also Daddy finden und bitte, wenn schon unterwegs, auch gleich klären, was die Auslöser der fiesen elektromagnetischen Stürme sind, welche dem Planeten Erde ernsthaft zu schaffen machen.

"Ad Astra" mit Brad Pitt: Wie mucksmäuschenstill im All gestorben wird

Foto: Twentieth Century Fox

Eine sehr heikle Mission

Roy ist der Typ Mensch, der Fischblut in seinen Adern hat und selbst bei größter Belastung einen Puls von 80 nicht überschreitet. So ein Mr. Supercool kann nicht nur im Weltall ganz nützlich sein. In „Ad Astra“ bekommt Roy einen alten Kollegen seines Vaters als Reisegefährten an die Seite gestellt, Tom Pruitt (Donald Sutherland, „Klute“, „Die Tribute von Panem“).

Der Mond ist quasi ein Außenbahnhof ins Weltall, bis dahin lässt sich die Reise wie in einem Vorortzug an, aber natürlich wird es immer unangenehmer. Der alte Mann muss zurück bleiben und so lässt Roy Stück für Stück alles los und kappt sein ohnehin nicht so toll gelaufenes Leben auf der Erde. Die Landung auf der Basisstation Mars ist feinstes Science-Fiction-Adrenalin. Aber Roy muss weiter – weiter zu den Sternen zum Neptun.

"Ad Astra" mit Brad Pitt: Wie mucksmäuschenstill im All gestorben wird

Liv Tyler & Brad Pitt. Foto: Twentieth Century Fox

Eine gähnende Leere

Im Zentrum des Films steht die Abwesenheit eines Vaters und die entsetzliche Leere, die bleibt. Da die paar Astronauten, die in „Ad Astra“ auftauchen, nur technisches Schnickschnack austauschen, greift Regisseur James Gray in die Kiste der gesprochenen Gedanken.

Der geneigte Zuschauer hört über 2 Stunden lang Roys Gedankenstrom per Voice Over – hier war wohl der Wunsch sehr stark, einem Terrence-Malick-Film („Der schmale Grat“, „Tree of Life“ mit Brad Pitt als sehr strengen Vater, „Knight of Cups“, „Song to Song“) nachzueifern. Aber ach, es ist so menschlich wie banal, was Roy so umtreibt und bedauert.

Es gibt für jeden Weltschmerz die passende Binsenweisheit. Die absolute Frechheit ist, die Ehefrau erstens Eve zu nennen und  zweitens auf eine Statistenrolle ohne ein einziges Wort zu begrenzen und diese mit Liv Tyler zu besetzen. „Ad Astra – Zu den Sternen“ will nicht nur Sci-Fi sein, sondern auch philosophisches Filmessay, aufgeblasen auf XXL-Weltraumweite.

"Ad Astra" mit Brad Pitt: Wie mucksmäuschenstill im All gestorben wird

Foto: Twentieth Century Fox

Brad-Pitt-Fans-werden ihn lieben

„Ad Astra – Zu den Sternen“ feierte im August bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere.

Fazit: Ein unbedingtes Muss für Brad-Pitt-Fans – sehr viele und lange Großaufnahmen, aber interessant ist, was sich im Sonnenschutz des Helmes immer mal wieder so spiegelt. Merke: Abwesende Väter sorgen für Leere, Weltschmerz und Bindungsunfähigkeit. Die stärksten Eindruck hinterlassen die Bilder, die zeigen wie mucksmäuschenstill im All gestorben wird.

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