12.07.2020 20:24 Uhr

Albrecht Schuch, der Psychopath aus „Berlin Alexanderplatz“

Schauspieler Albecht Schuch musste erst u?berzeugt werden, die fordernde Rolle des Soziopathen Reinhold in "Berlin Alexanderplatz" zu u?bernehmen.

imago images / POP-EYE

Er hatte Bedanken, sich von der Rolle nicht mehr lösen zu können, erinnert sich Regisseur Burhan Qurbani. „Es hat eine Weile gedauert, bis wir gemeinsam eine Strategie gefunden haben, mit der sich Albrecht sicher fühlte. Aber dann hat er sofort zugesagt. Im Buch stottert Reinhold, das ist jedoch wenig filmisch. Deshalb haben wir uns für diese krasse Körperlichkeit entschieden: der verdrehte Rücken, die seltsame Haltung. Das war für Albrecht wie ein Kostüm; eine Rüstung, die er an- und wieder ablegen konnte – und mit ihr auch die Figur.“

Albrecht Schuch, der Psychopath aus "Berlin Alexanderplatz"

© 2019 Sommerhaus/eOne Germany,Wolfgang Ennenbach

„Eine Liebesgeschichte“

„Vor allem die langen Gespräche und die immense Vorarbeit, die wir beide zusammen geleistet haben, hat dazu geführt, dass die Arbeit entgegen meiner anfänglichen Bedenken ganz befreit ist und sehr viel Spaß macht“, sagte Albrecht Schuch während der Dreharbeiten. „Ich kannte den Roman und glücklicherweise auch die Fassbinder-Verfilmung vorher nicht, nur Ausschnitte daraus. So komme ich gar nicht in die Bredouille, mich davon lösen zu müssen, sondern kann ganz frei mit allen – mit Burhan, mit den Schauspielern und der Maskenbildnerin – meine eigene Interpretation finden.“

Über die fatale Beziehung von Reinhold und Francis/Franz sagt Albrecht Schuch: „Das ist auch eine Liebesgeschichte – selbst wenn man das bei diesem bösartigen Charakter, der Reinhold nun mal ist, wahrscheinlich gar nicht hören will. Aber es hat auch mit Liebe zu tun, mit Koabhängigkeit, damit, einander zu brauchen und einander gegenseitig das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden.

„Die Bewunderung, die Reinhold für Francis empfindet, kann ich, als Albrecht, gut nachfühlen, weil Welket Bungué ein ganz toller Mensch ist. Wir sind uns erstaunlich nahe, obwohl wir völlig unterschiedliche Schauspieler sind. Und das ist spannend, weil wir permanent voneinander nehmen, aber auch geben – im arbeitstechnischen wie im persönlichen Sinne.“

Kinostar ist nach mehreren coronabedingten Verschiebungen m 16. Juli.

Albrecht Schuch, der Psychopath aus "Berlin Alexanderplatz"

© 2019 eOne Germany

Darum geht’s in „Berlin, Alexanderplatz“

Dies ist die Geschichte von Francis (Welket Bungué). Auf der Flucht von Afrika nach Europa kentert er und rettet sich mit letzter Kraft an einen Strand der Mittelmeerküste. Dort schwört er dem lieben Gott, dass er von nun an ein guter, ein anständiger Mensch sein will. Bald führt Francis‘ Weg nach Berlin und jetzt ist es an ihm, seinen Schwur auch einzuhalten.

Albrecht Schuch, der Psychopath aus "Berlin Alexanderplatz"

© 2019 eOne Germany

Doch die Lebensumstände als staatenloser Flüchtling machen es ihm nicht einfach. Das Schicksal wird ihn auf eine harte Probe stellen. Dann trifft er auf den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold (Albrecht Schuch) und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft.

Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen, immer wieder widersteht er. Schließlich wird Francis von Reinhold verraten und verliert bei einem Unfall seinen linken Arm. Francis wird von Mieze (Jella Haase) aufgenommen und aus seiner Verzweiflung gerettet. Die beiden verlieben sich und werden ein Paar. Seine Geschichte könnte sich nun eigentlich gut ausgehen. Doch Francis kann der Anziehung von Reinhold nicht widerstehen… (PV)

Albrecht Schuch, der Psychopath aus "Berlin Alexanderplatz"

© 2019 Sommerhaus/eOne Germany,Wolfgang Ennenbach

Albrecht Schuch: Seine bekanntesten Filme

2010: Neue Vahr Süd
2012: Die Vermessung der Welt
2016: Paula
2018/2020: Bad Banks (Fernsehserie, 2 Staffeln á 6 Folgen)
2019: Systemsprenger

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