Andra Day brilliert als Jazzstar Billie Holiday

Andra Day als Billie Holiday in «The United States vs. Billie Holiday».
Andra Day als Billie Holiday in «The United States vs. Billie Holiday».

Takashi Seida/Paramount Pictures/AP/dpa

24.04.2021 18:18 Uhr

Bei diesem Film lohnt es, durchzuhalten, auch wenn die Geschichte im Drama „The United States vs. Billie Holiday“ etwas dünn geraten ist. Denn der Auftritt von Andra Day ist absolut sehenswert.

Billie Holiday war eine Ikone des Jazz, Blues und Swing. Mit Songs wie „All of Me“, „The Man I Love“ „Them There Eyes“ begeisterte sie ihr Publikum und wurde Ende der 1930er Jahr zum Weltstar.

Doch das glitzernde Showbusiness war nur die eine Seite. Holiday war heroinsüchtig und hatte sehr viel Leid zu erfahren. Am schlimmsten waren der Rassismus und die oft brutale Gewalt bis hin zu Lynchmorden, der sie und andere Schwarze ständig ausgesetzt waren. Sie prangerte das im Song „Strange Fruit“ an.

Ein unbequemer Star, den die US-Behörden aus dem Weg räumen wollten, wie das Drama „The United States vs. Billie Holiday“ erzählt. Jetzt ist der Film in gängigen digitalen Videotheken verfügbar, zunächst zum Kauf, ab 30. April auch zum Leihen.

Die Pulitzer-Preisträgerin Suzan-Lori Parks hat das Drehbuch geschrieben. Anders als im Biopic „Lady sings the Blues“ mit Diana Ross von 1972 steht nicht Holidays Beziehung zu ihrem letzten Ehemann Louis McKay im Mittelpunkt. „The United States vs. Billie Holiday“ ist inspiriert von Johann Haris Sachbuch „Drogen – Die Geschichte eines langen Krieges“.

Im ersten Kapitel schildert der Journalist, wie Harry J. Anslinger als Leiter des Federal Bureau of Narcotics (FBN) Holiday und andere der Jazz-Szene mit Drogenvorwürfen zu Fall – und hinter Gitter – bringen wollte. Ein Feldzug, bei dem Anslinger laut Hari Holiday sogar Heroin unterschieben ließ, nur um sie kurz darauf festnehmen und als Süchtige brandmarken zu können.

Eigentlich hochspannend, doch der von Lee Daniels („Precious – Das Leben ist kostbar“) inszenierte Film macht es einem nicht leicht. Die Geschichte ist streckenweise sehr dünn geraten. Zudem nimmt sich der Film kaum Zeit, die Figuren einzuführen. Viele Charaktere wirken flach. Anslinger (Garrett Hedlund, „On the Road“) bleibt ebenso blass wie der Agent Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes, „Moonlight“), der sich im Auftrag Anslingers Billies Vertrauen erschleicht.

Doch es gibt einen sehr guten Grund, den Film dennoch zu sehen: die Hauptdarstellerin Andra Day. Die Grammy-nominierte Soul-Sängerin gibt ihr Schauspieldebüt. Sie spielt, lacht, weint, verzweifelt. Und vor allem: sie singt, rau, verführerisch, kraftvoll und dennoch anrührend verletzlich. Eine Leistung, die der 36-Jährigen bei den Golden Globes den Preis als beste Hauptdarstellerin in einem Drama einbrachte. Auch für die Oscars, die am Montag verliehen werden, ist sie nominiert.

Besonders eindruckvoll ist die Szene, in der Day „Strange Fruit“ singt. Das Lied beruht auf einem Gedicht von Abel Meeropol, in dem ein weißer Mob zwei schwarze Männer grausam lyncht. Holidays Auftritt ist ein Eklat. Die Behörden befürchten, dass die Jazzikone die Menschen zum Aufruhr anstacheln könnte und greifen hart durch.

Andra Day bewundert den Mut der Sängerin. „Sie hat immer ihr Ding gemacht und sich nie dafür entschuldigt. Schon gar nicht, wenn es darum ging, für ihre Leute zu kämpfen“, sagt sie. „Das war letztlich der Beginn der Bürgerrechtsbewegung.“