20.06.2020 17:15 Uhr

Colosseum: Eines der ältesten deutschen Kinos öffnet nicht wieder

Das Berliner Traditionskino «Colosseum» wird seine Pforten wohl nie wieder öffnen. Das liegt vor allem an den Hygiene-Auflagen - aber nicht nur.

imago images / Future Image

Es gehört zu den ältesten Lichtspielhäusern Deutschlands: Wenn im Juli in Berlin wieder die Kinos öffnen, bleibt das Colosseum in der Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg geschlossen.

Das Kino stellt den Betrieb ein, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Sebastian Laboga mitteilte. Wegen der Hygiene-Auflagen zum Schutz vor Corona-Infektionen sei ein rentabler Betrieb auf absehbare Zeit nicht mehr möglich. Um die Kosten einzuspielen, müssten durchschnittlich 70 Prozent der Plätze belegt sein. Dies sei nicht zu erreichen, wenn Besucher 1,50 Meter Abstand voneinander halten sollen.

Colosseum: Eines der ältesten deutschen Kinos öffnet nicht wieder

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Nicht nur die Corona-Krise setzt dem Kinobetrieb ein Ende. Der Hauseigentümer habe den Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt und wolle auch an einen anderen Kinobetreiber nicht vermieten, teilte Laboga mit. Eine Investorenlösung für die Betriebsgesellschaft komme daher nicht in Frage. Die rund 45 Beschäftigten seien freigestellt.

Die meisten Berliner Kinos öffnen am 2. Juli nach gut drei Monaten Corona-Pause wieder.

Bewegende Geschichte

Teile des riesigen Gebäudes wurde 1894 als Wagenhalle der Berliner Straßenbahn benutzt. Anfangs wurden hier zunächst die Pferde, nach der Umstellung auf elektrischen Betrieb auch Busse untergebracht. Der Umbau zum Kino erfolgte Anfang der 1920er Jahre. Im September 1924 eröffnete das erste Filmtheater an diesem Ort. Es hatte 1000 Plätze für Besucher, welche hier neben Stummfilm-Vorstellungen auch Varietéveranstaltungen mit Orchesterbegleitung erleben konnten.

Anfang der 90er Jahre habe Filmproduzent Artur Brauner (1918-2019) das Gebäude von der Treuhand gekauft und zum Multiplex-Kino umbauen lassen. Seit einer grundlegenden Sanierung in den Jahren 1996–97 wurde das Kino somit mit einem Neubau kombiniert. Letzter Kinoinhaber war der Berliner Immobilienkaufmann Sammy Brauner, Sohn von Produzentenlegende Artur Brauner.

Das Kino steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

© dpa-infocom, dpa:200620-99-498684/2, KT