23.10.2020 18:39 Uhr

Drag-Königin Nina Queer in „Zeit der Monster“

Das renommierte Filmfest in Hof hat mit "Zeit der Monster" einen unglaublich schrägen Film am Start, in dem es mehr als nur um einen Krieg zwischen zwei Drag Queens geht. In der Hauptrolle: Nina Queer, Berlins Frauspielerin Nr. 1.

Tor Iben

Für Amanda von Hohenstüt (Wolfgang Reeb) scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Seit vielen Jahren betreibt die Drag Queen das „Why not?“ eine Szene Bar im Saarland. Eines Tages erscheint Justine de Brest (Nina Queer), eine ehemalige Zuhälterin, in der Stadt. Zwischen ihr und Amanda von Hohenstüt beginnt ein erbitterter Konkurrenzkampf. Immer tiefer wird Amanda auch in die politischen Wirren unserer Zeit hineingezogen…

In den Hauptrollen: Nina Queer, Wolfgang Reeb und Sascha Weingarten. Der Kinostart ist eigentlich für Dezember geplant.

Auf Grund der aktuellen Corona-Lage verkauft das „Hof International Film Festival“ Online-Tickets. Hier kann man den Film vorab sehen.

Drag-Königin Nina Queer in "Zeit für Monster"

Tor Iben

Regisseur Tor Iben über seinen Film

Der Film „Zeit der Monster“ ist ein politisches Musical und eine Hommage an die Kaschemme, eine Hommage an den “Revue Film“, an den schlechten Geschmack und vor allem auch ans „Uncoole“ – Unhippe, nicht nur in ästhetischer Hinsicht!

Der Film nimmt uns mit in eine fast untergegangene Welt der „Szene Bars“ – prekäre Orte, prekäre „Gestalten“, prekäre Beziehungen. Für einige Zeit waren solche Bars soziale und moralische Freiräume und Labore sozialer Begegnungen unterschiedlichster Menschen. Eine solche Funktion hat Amandas Szene Bar, das „Why not?“ auch in unserem Film, es ist eine Zeitreise, die uns in keine bestimmte Zeit mitnimmt, sondern in diese „Auszeit“, in der die Bar sich selber befindet. Und die ein kleiner, privater Meltingpot vergangener Jahrzehnte und vergangener Popkultur ist.

Eine neue Generation von Drag Queens

Die Betreiberin Amanda ahnt zu Beginn der Geschichte nicht so wirklich, wie sich die Welt verändert hat und dass eine Politisierung dieser Räume und dieser „Subkultur“ statt gefunden hat. Als Regisseur war es mir hier wichtig eine Position der, wenn man so will, politischen Mitte einzunehmen, die mehr beobachtet und geschehen lässt, als eine Meinung dazu herzustellen, geschweige denn eine politisch „richtige“ Meinung zu vertreten. Es kommt zu einer Konfrontation der Figur mit dem sozialen, politischen „Jetzt“ und der Film spielt durch- und spiegelt- was dabei herauskommen könnte.

„Regisseur Tor Iben ist ein Meister seines Fachs.
Er gab mir die Chance eine ernstzunehmende Schauspielerin zu werden und ich scheine ihn voll und ganz überzeugt zu haben.“ Nina Queer

In den beiden Figuren ging es mir darum zwei Generationen von Drag Queens zu porträtieren: einmal Amanda als old school Drag Queen,die Playbacks auf alte Schlager singt und Justine als zeitgemäße drag, die ihre eigenen punkigen Songs singt.

Drag-Königin Nina Queer in "Zeit für Monster"

Tor Iben

Stimmung einer längst vergangenen Travestie-Ära

Ästhetisch haben wir nicht nur in Kostümen, Musik und Interieurs versucht eine Art Vergangenheit der 1970er – 1990er Jahre einzufangen, sondern uns auch im Kamera-Framing, in der Art der Erzählung und auch in den Inszenierungen, an filmische Stile der 1970er bis 1990er Jahre angenähert. So dass auf verschiedenen Ebenen ein Retro- Look entsteht.

Trotz all dieser Verlinkungen in die Vergangenheit erzählt der Film doch eine sehr zeitgemäße Geschichte. Er erzählt wie schnell bürgerliche Existenzen heute verloren gehen können, vom Shutdown und von der Radikalisierung zum Wutbürger, vom alt geworden sein, von der Vereinnahmung und der politischen Überschreibung von Kunst und Kultur in ein rechtes oder linkes Verständnis und von der Frage, ob und wann die Zeit gekommen ist, den Platz zu räumen… (Tor Iben)

Drag-Königin Nina Queer in "Zeit für Monster"

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