Eckkneipen-Duell: Daniel Brühl als Filmstar in „Nebenan“

Eckkneipendrama: Daniel Brühl als Filmstar in "Nebenan"
Eckkneipendrama: Daniel Brühl als Filmstar in "Nebenan"

© Amusement Park Film GmbH / Warner Bros. Ent. GmbH / Reiner Bajo

04.03.2021 22:30 Uhr

„Nebenan“ ist das spannende Regiedebüt des Ausnahmeschauspielers Daniel Brühl, der auch die Hauptrolle spielt und die Idee zu dieser schwarzen Komödie hatte, die gerade auf der virtuellen "Berlinale" Premiere hatte.

Bestsellerautor Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“, „Tyll“) schrieb das Drehbuch, in dem es um die Urängste der Menschen, aber auch um brandaktuelle soziale und politische Themen geht: Gentrifizierung und soziale Ungerechtigkeit, Leistungsdruck und Versagensängste.

Das Eckkneipen-Kammerspiel aus dem Berliner Prenzlauer Berg als Genre. Daniel Brühl und Peter Kurth („In den Gängen“, „Babylon Berlin“) liefern sich ein zynisch-intelligentes Wortduell in einer Berliner Eckkneipe. Weitere Rollen spielen Rike Eckermann („Das Ende der Geduld“), Aenne Schwarz („Alles ist gut“) und Gode Benedix („Sommerfest“).

Eckkneipendrama: Daniel Brühl als Filmstar in "Nebenan"

© Amusement Park Film GmbH / Warner Bros. Ent. GmbH / Reiner Bajo

Darum geht’s in „Nebenan“

Daniel ist ein Filmstar. Er hat Erfolg, Geld und eine traumhafte Wohnung in Berlin. Dort lebt er mit seiner Frau, zwei kleinen Söhnen und dem Kindermädchen. Auch der Durchbruch in Hollywood scheint nicht mehr fern: Daniel soll in London für einen großen amerikanischen Superheldenfilm vorsprechen. Auf dem Weg zum Flughafen macht er in seiner Stammkneipe halt.

Dort ist es vormittags ruhig, dort stören keine Fans, dort will er noch einmal seine Rolle lernen. Doch an der Theke sitzt ein fremder Mann: Bruno verwickelt Daniel in einen Small Talk. Er kennt nicht nur alle Filme des Schauspielers, er kennt sich auch erschreckend gut in Daniels Privatleben aus. Schließlich kann er auch in die Fenster des eitlen Filmstars schauen und sieht das, was Daniel nicht sieht, wenn er auf Dreh ist… Mit jeder Minute dieses seltsamen Gesprächs wächst Daniels Verwunderung – und Angst.

So kam Daniel Brühl auf die Idee

„Ursprünglich kam mir die Idee in einem Viertel von Barcelona, in dem ich auch heute noch regelmäßig wohne. Da saß ich in einem Restaurant und wurde ganz durchdringend von einem Bauarbeiter angeschaut“, so in einer Mitteilung des Verleihers. „Ich wusste genau, was der denkt: Was ist das für ein Schnösel, der da mit seinem Rollköfferchen sitzt und laut mit den Kellnern über Fußball spricht, um allen zu beweisen, dass er Spanisch kann!“

In seiner Fantasie malte sich Daniel Brühl aus, dass der Mann ein Gerüstbauer ist, der bei seiner Arbeit jeden Tag in fremde Wohnungen schaut und dabei viele Einblicke in das Leben anderer Menschen erhält. „Diese Grundkonstellation fand ich spannend“, so Daniel Brühl weiter. „Zwei Männer mit unterschiedlichem Hintergrund in einem Restaurant. Da ist der Clash der gesellschaftlichen Schichten vorprogrammiert.“

Eckkneipendrama: Daniel Brühl als Filmstar in "Nebenan"

© Amusement Park Film GmbH / Warner Bros. Ent. GmbH / Reiner Bajo

Während Brühl, der Star aus Blockbustern wie „Inglourious Basterds“, „Rush – Alles für den Sieg“ oder „The First Avenger: Civil War“, seiner Wohnung in Barcelona die Treue hielt, zog er in Berlin mehrmals um.

Dazu verriet er:„Im Stadtteil Prenzlauer Berg fand ich mich in einer Hinterhofsituation wieder und dachte mir, dass das eine noch viel bessere Grundidee für einen Film ist. Im Haus gab es Menschen, die schon immer in diesem Viertel gelebt hatten, und Zugezogene wie mich, denen man vorwerfen könnte, dass sie den Prozess der Gentrifizierung verkörpern.“

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Das Monster Gentrifizierung

Gentrifizierung geht auf das englische Wort „gentry“ für „niederer Adel“ zurück. Es bezeichnet den sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Viertel: Wenn Wohnungen renoviert werden und die Mieten steigen, rücken oft zahlungskräftige Eigentümer an die Stelle der bisherigen Mieter, die wiederum in günstigere Stadtteile oder Randbezirke ziehen müssen. Damit einher geht auch ein Wandel in der Geschäftswelt und Gastronomie, die sich auf die Bedürfnisse der besserverdienenden neuen Kunden einstellen.

„In Städten wie Paris oder London ist der Prozess schon viel weiter fortgeschritten als in Berlin, da gibt es ganz uniforme Viertel, in denen nur noch Menschen leben, die es sich leisten können“, erzählte der 42-jährige Star, der seit 20 Jahren auch im Prenzl’berg wohnt. „In meinem Berliner Stadtteil gibt es noch die Alteingesessenen, die dort schon in DDR-Zeiten gelebt haben, aber auch viele Zugezogene wie mich.“

In dieser Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Berlins erkannte Daniel Brühl einen enormen Mehrwert für seine Filmidee: „Plötzlich habe ich keine Sekunde mehr daran gedacht, die Geschichte in Barcelona spielen zu lassen, sondern fand das Konzept tausendmal stimmiger in Berlin.“ Recht hat er.

Irgendwann in diesem Jahr kommt „Nebenan“ in die deutschen Kinos. So es die Pandemie und die Bundesregierung will.