Samstag, 7. März 2020 20:56 Uhr

Elisabeth Moss in „Der Unsichtbare“: Unser Interview

Universal Pictures

Elisabeth Moss wurde mit ihrer preisgekrönten Rolle in “The Handmaid’s Tale” nicht nur zum weltweiten Star, durch die Arbeit an der Serie hat sie gelernt, dass ihre Stimme zählt und sie sich als Feministin für die Welt einsetzen kann. In ihrem neuen Film “Der Unsichtbare” schlüpft sie in die Rolle der Cecilia Kass, die von ihrem Freund Adrian Hodge (Oliver Jackson-Cohen) misshandelt wird. Die Beziehung eskaliert und Cecilia befindet sich plötzlich in einer Situation, in der sie sich mit etwas Unerklärlichem auseinandersetzen muss…

Wie Moss es schaffte, durch ihre Arbeit ihre Perspektive als Frau zu verändern und wieso das Horror-Genre ein großes Comeback feiert, erklärt Elisabeth Moss im exklusiven Interview.

Elisabeth Moss in "Der Unsichtbare": Unser Interview

Universal Pictures

Dank Blumhouse Production kehrt die goldene Ära des Horrors zurück. Wieso lieben wir es so sehr, uns Horror-Filme anzuschauen?
Ich glaube es ist eine Möglichkeit, unseren Ängsten in einer sicheren Umgebung zu begegnen. Wenn wir einen Film sehen, Achterbahn fahren oder in ein Spukhaus gehen, wissen wir, dass wir es überleben und darüber hinwegkommen werden. Wenn wir dann merken, dass wir es überlebt haben, überkommt uns ein befriedigendes Gefühl der Vollendung. Also, das ist es, was ich daran so liebe.

Sie wurden von den Trainern der „Matrix„-Filme trainiert. Was war das für eine Erfahrung?
Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich schlecht in Sachen Fitness (lacht). Aber ich habe mehr als sonst getan, was bedeutet, dass ich nicht nur trainiert habe (grinst). Ich wollte stark sein und meinen Willen aufbauen. Ich stellte mir ein Laufband in die Wohnung und trainierte jede freie Minute.

Hatten Sie einen speziellen Diät-Plan?
Nein (lacht), hätte ich aber wahrscheinlich besser haben sollen.

Wie hat Ihre Arbeit in „Mad Man“, „The Handmaid’s Tale“ und jetzt „Der Unsichtbare“ Ihre Perspektive als Frau verändert?
Ich habe gelernt, dass mir die Leute zuhören und es etwas ausmacht, was ich sage. Am Anfang meiner Karriere war das nicht so. Ich sehe mich als einen ganz normalen Menschen, dessen Meinung genauso wichtig ist, wie bei jedem anderen auch. Doch die Tatsache, dass meine Stimme jetzt einen Unterschied bewirken kann, hat meine persönliche Perspektive verändert.

Wir kennen Sie aus Ihren zahlreichen dunklen Rollen. Ihr Lebenslauf ist gewaltig und für viele einschüchternd. Was kommt als Nächstes für Sie?
Vielleicht sollte ich eine Rolle spielen, die genau das Gegenteil von dem ist, für das mich die Leute kennen. Das würde sicherlich viele schocken (lacht). Als Schauspielerin finde ich Drama-Rollen toll und werde diese herausfordernden Charaktere, sowie ihre dunklen Geschichten, immer lieben. Ich bin ein großer Fan von „Barry“ und natürlich von „Fleabag“. Als Produzentin will ich neben Drama auch unterschiedliche andere Genres erforschen, die vielleicht einen ganz anderen Ton haben. Aber eins nach dem anderen. Erst mal steht die vierte Staffel von „THMT“ an.

Elisabeth Moss in "Der Unsichtbare": Unser Interview

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Wieso haben Sie sich für „Der Unsichtbare“ entschieden?
Als ich zum ersten Mal davon hörte, hieß es noch, dass der Film „Der Unsichtbare“ heißt und ich als Frau die Hauptrolle übernehmen soll. Wie das funktionieren sollte, hatte ich am Anfang nicht ganz verstanden (lacht). Dann als ich das Drehbuch las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Außerdem war es etwas ganz anderes, als alles, was ich je gesehen habe. Ich fand die Rolle von Cecilia Kass sehr herausfordernd und ich wollte schon immer einen Horror-Film drehen – einen echten Horror-Film, in dem ich die Hauptrolle spiele.

Wie wichtig ist es, bei solchen Filmen eine lockere Einstellung am Set zu behalten?
(Lacht) Es ist sogar sehr wichtig. Wenn alles um mich herum still ist, wird mir schnell langweilig und ich schlafe ein. Wir versuchen Spaß am Set zu haben und trotzdem produktiv zu sein. Die Crew kann es nicht ausstehen, wenn jemand alles so ernst nimmt. Sie arbeiten sehr viele Stunden am Tag und vor allem sehr hart. Das letzte, was sie wollen, ist, dass jemand am Set auftaucht, der sich selbst unglaublich ernst nimmt und von allen verlangt, ruhig zu sein. Wir haben uns untereinander Witze erzählt, allein schon deshalb, um die Stimmung, die der Film mit sich bringt, aufzuhellen. Manchmal war es so extrem, dass ich und der Regisseur vor Lachen nicht nebeneinander stehen konnten.

Elisabeth Moss in "Der Unsichtbare": Unser Interview

Universal Pictures

Obwohl es ein Horror-Film ist, thematisiert er eine Story, die aus dem Leben gegriffen ist: Stalking und Häusliche Gewalt. Glauben Sie, dass das Horror-Genre deswegen ein so großes Comeback feiert?
Als ich elf oder zwölf Jahre alt war und mir zum ersten Mal Horror-Filme anschaute, Poltergeist oder der Exorzist, war ich dazu vielleicht ein bisschen zu jung (lacht). Sie waren furchteinflößend, hatten aber gleichzeitig eine so ausdrucksstarke Geschichte, die ich natürlich in diesem Alter noch nicht richtig verstand. Doch schon damals wusste ich, dass diese Filme anders waren als normale Filme, irgendwie wichtiger. Und ich glaube, Jordan Peele und Blumhouse Production haben einen großen Einfluss darauf, diese wieder zurückzubringen. Ein Horror-Film, über den du hinterher noch lange sprichst, weil er auf der Realität basiert. Intelligente Filme für intelligente Leute, genau das ist es, was wir brauchen. Aus dem Leben gegriffene Geschichten, über die wir alle diskutieren.

Können Sie sich mit Cecilia identifizieren?
Sicher! Ich – und wahrscheinlich so gut wie alle Frauen – haben schon die Erfahrung damit gemacht, dass uns nicht zugehört, unsere Stimme als unwichtig empfunden wurde. Es wird oft so empfunden, als ob wir überreagieren würden, zu emotional oder gar verrückt sind und uns deshalb kein Glaube geschenkt wird. Aber in vielen Fällen kann das sehr gefährlich sein. Keiner weiß, wie es in einem anderen Menschen aussieht und wie sehr er vielleicht Hilfe benötigt. Deshalb möchte ich es jedem einzelnen nahelegen, auf die stillen Hilferufe zu reagieren. Lieber einmal zu viel als gar nicht. Denn wenn man es einfach ignoriert, könnte es ein böses Ende nehmen.

Elisabeth Moss in "Der Unsichtbare": Unser Interview

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Cecilia hat das Gefühl, den Verstand zu verlieren und dass die Leute ihr nicht glauben…
Das schlimmste, was man einem Menschen in so einer Situation antun kann, ist, ihm nicht zu glauben. Damit fühlt er sich komplett machtlos. Diese Stille und Isolation ist zerstörerisch und extrem gefährlich.

Was können wir dagegen tun?
Leute, hört einander zu und glaubt demjenigen, wenn er sagt, dass etwas passiert ist, er verletzt wurde oder sich unwohl fühlt. Gott sei Dank haben wir Menschen in den letzten paar Jahren gelernt, mehr darüber zu sprechen, aber wir müssen weitermachen und dürfen nicht aufhören. Solche Themen sollten und dürfen kein Tabu mehr sein. Wir müssen den Menschen zuhören, wenn sie nach Hilfe rufen.

Es gibt keinen Superhelden, sondern einen Bösewicht, der unsichtbar ist. Wie gruselig fanden Sie das?
Allein den Gedanken, mit etwas Unsichtbarem zu tun zu haben, finde ich ziemlich gruselig. Man weiß nie, was passiert und vor allen Dingen, wann es passiert. Diese Kraft ist mächtig und sehr beängstigend….

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