Entführungsfall Reemtsma: „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ kommt ins Kino

"Wir sind dann wohl die Angehörigen"
"Wir sind dann wohl die Angehörigen"

Pandora Film

Paul VerhobenPaul Verhoben | 28.08.2022, 20:15 Uhr

Zwei Täter überwältigten Jan Philipp Reemtsma im März 1996 auf dessen Grundstück und verschleppten ihn. Bis zu seiner Freilassung hielten sich die Medien an eine vereinbarte Nachrichtensperre, so dass die Öffentlichkeit nichts von dem spektakulären Fall erfuhr.

Hans-Christian Schmids Verfilmung von Johann Scheerers autobiografischem Buch „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ erzählt die Geschichte der Entführung von Jan Philipp Reemtsma aus der Sicht des damals 13-jährigen Sohnes Johann.

Johann Scheerer ist der Sohn von Ann-Kathrin Scheerer und Jan Philipp Reemtsma. Der heute 40-Jährige ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Musiker und Musikproduzent aus Hamburg. 2016 produzierte er mit Britenstar Pete Doherty dessen Soloalbum „Hamburg Demonstrations“.

Basierend auf dem Drehbuch, das auch er gemeinsam mit Michael Gutmann („Crazy“, „Krabat“) verfasst hat, inszeniert Hans-Christian Schmid („23 – Nichts ist so wie es scheint“, „Crazy“) mit „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ die Geschichte einer Familie im nervenaufreibenden Ausnahmezustand.

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Das sagt Johann Scheerer

Scheerer schreibt dazu auf Instagram: „Ich glaube, es ist einfach zu verstehen, dass sich dieser Moment für mich unwirklich anfühlt. Erst habe ich einen Teil meines Lebens in Buchform gebracht und nun wurde dieses Buch verfilmt und ich kann mir ansehen, wie jemand an meiner statt einen Teil meines Lebens auf der Leinwand lebt.“

„Es ist so heilsam wie surreal. So aufregend wie verstörend. Und natürlich macht es mir auch ein bisschen Angst.
Tatsächlich hätte das Film-Projekt, zu dem ich mich erst durchringen konnte, als ich mit Hans-Christian Schmid denjenigen gefunden hatte, dem ich es anvertrauen konnte , nicht besser umgesetzt werden können.Der Film zeugt von einer emotionalen Genauigkeit und Wahrhaftigkeit, die mich nachhaltig beeindruckt.“

Der Entführungsfall Reemtsma

Am 25. März 1996 wurde Reemtsma Opfer einer brutalen Entführung, an der vier Männer beteiligt waren. Gegen Zahlung von 30 Millionen DM Lösegeld ließen sie ihn einen Monat später wieder frei. Seine Verschleppung und Gefangenschaft schildert er in seinem Buch „Im Keller“ von 1997.

Von Reemtsma beauftragte Ermittler halfen danach entscheidend dabei, den mehrfach verurteilten Gewaltverbrecher Thomas Drach, den Drahtzieher der schlagzeilenträchtigen Entführung, 1998 in Argentinien ausfindig zu machen und ihn schließlich der deutschen Strafjustiz zuzuführen.

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Darum geht’s in „Wir sind dann wohl die Angehörigen“

Am 25. März 1996 wird Jan Philipp Reemtsma entführt. Sein Sohn Johann (Claude Heinrich) und seine Frau Ann Kathrin (Adina Vetter) erleben mit, wie sich ihr Zuhause über Nacht in eine Einsatzzentrale verwandelt. Zwei Betreuer der Polizei (Yorck Dippe, Enno Trebs), der Anwalt der Familie (Justus von Dohnányi) und ein enger Freund (Hans Löw) bilden eine Schicksalsgemeinschaft, verbunden nur durch das gemeinsame Ziel, Johanns Vater möglichst schnell und unversehrt nach Hause zu holen.



Über vier Wochen wird Johann Zeuge, wie zäh das Ringen mit den Entführern ist, und die quälende Ungewissheit allen im Haus zu schaffen macht. Wie hält man die Sorge, die Angst und die Langeweile aus? Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber gleichzeitig zum Warten gezwungen wird?

Kinostart ist am 6. Oktober.

Am 29. September 2022 wird der mit Spannung erwartete Film auf dem Filmfest Hamburg seine Weltpremiere feiern.