Montag, 12. November 2018 23:20 Uhr

Filmkritik „Assassination Nation“: Wenn Hacker-Opfer sich wehren

Als ein Hacker die intimsten Daten einer US-amerikanischen High School veröffentlicht, sieht sich nicht bloß eine Mädelsclique aufs Äußerste entblößt – plötzlich herrscht Ausnahmezustand, den nur die Stärksten überleben.

Filmkritik "Assassination Nation": Wenn Hacker-Opfer sich wehren

Foto: Universum Film

Alles beginnt mit Warnungen, die sich in großen Buchstaben über die Leinwand erstrecken. Sie machen darauf aufmerksam, dass der Film „Assassination Nation“ in den kommenden 108 Minuten einiges an skandalträchtigen Themen auffahren wird.

Vornehmlich geht es um Sex und Gewalt, aber auch um (Cyber-)Mobbing, um Stalking und Tratsch – also im Grunde um alles, wovor Teenager in ihrer Pubertät Angst haben, was sie ausgrenzen und zum Außenseiter machen könnte. Regisseur und Drehbuchautor Sam Levinson dreht hier den Spieß um. Denn nach und nach werden aus den zurückhaltenden Mauerblümchen selbstbewusste Kämpferinnen; ganz gleich ob im Internet oder im wahren Leben.

Ein tödliches Chaos

Facebook, Instagram und Snapchat bestimmen den Alltag von Lily (Odessa Young) und ihren Freundinnen Sarah (Suki Waterhouse), Em (Abra) und Bex (Hari Nef). Sie verabreden sich über Chats und schicken sich lange Sprachnachrichten. Auch wenn sie in ihrer Freizeit miteinander Zeit verbringen, ist ihr Smartphone ihr stetiger Begleiter, dem sie bisweilen mehr anvertrauen als einander. Genau das wird den jungen Frauen eines Tages zum Verhängnis, als ein anonymer Hacker nicht nur ihre Daten, sondern die ihrer kompletten High School veröffentlicht. Viele pikante Details gelangen an die Oberfläche und schon bald sehen sich die ersten gezwungen, auf ihre ganz eigene Art und Weise darauf zu reagieren: Ein tödliches Chaos bricht aus…

Filmkritik "Assassination Nation": Wenn Hacker-Opfer sich wehren

Foto: Universum Film

Je größer der Platz, den soziale Netzwerke in unserem Leben einnehmen, desto häufiger spielen sie auch in der Popkultur eine Rolle. Allein in diesem Jahr erschienen mit „Searching“ und „Unknown User: Dark Web“ zwei Filme in den Kinos, deren Handlung sich ausschließlich auf einem Desktop abspielt. Ganz so experimentell geht Levinson für „Assassination Nation“ zwar nicht vor, doch auch in seinem Film sind Chatfenster und Social Networks allgegenwärtig.

User und Hater treffen aufeinander

Levinson geht aber noch einen Schritt weiter: Er veranschaulicht, was passieren würde, wenn die normalerweise im Internet verhandelten Probleme plötzlich in ihrer Radikalität auf die Realität treffen würden. So trifft das heimlich beim Sex gefilmte Mädchen auf offener Straße auf die Leute, die sie sonst via YouTube-Kommentar beleidigen würden. Der digitale Krieg zwischen Usern und Hatern verlagert sich auf die offene Straße, bis bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.

Filmkritik "Assassination Nation": Wenn Hacker-Opfer sich wehren

Foto: Universum Film

Starke Hauptdarstellerinnen

In „Assassination Nation“ eskaliert es. Und zwar nicht gerade auf subtile Weise. Wenn eines Abends am Esstisch darüber diskutiert wird, ob Männer Nacktfotos ihrer eigenen Kinder auf dem Smartphone haben dürfen, dann sind derartige Wortgefechte, in denen jeder Teilnehmer eine andere Meinung repräsentiert, so konstruiert, dass binnen weniger Minuten die Argumente einer mehrstündigen Diskussion abgefeuert werden.

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Foto: Universum Film

Doch wie es die zu Beginn eingeblendeten Warnungen andeuten, ist „Assassination Nation“ keine feingeistige Auseinandersetzung mit einem echten (drohenden) Problem, sondern eher eine sehr stylisch aussehende und klingende Versuchsanordnung der Marke „Was wäre, wenn…?“.

Regisseur Levinson spielt mithilfe seiner vier starken Hauptdarstellerinnen einfach ein fiktives Szenario durch, indem er so viele zeitgeistige Probleme wie möglich streift. So etwas wie eine Erkenntnis bleibt am Ende aus, der Spaß beim Zuschauen ist allerdings nicht zu verachten. (Antje Wessels, dpa)

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