Montag, 25. März 2019 23:17 Uhr

Filmkritik „Beach Bum“: Matthew McConaughey in ganz schräger Rolle

Ein wankender, ein schwankender, ein großartiger Matthew McConaughey als Lebenskünstler auf den Straßen Floridas. Unter der Regie von Harmony Korine sind auch Snoop Dogg und Jonah Hill mit dabei.

Filmkritik "Beach Bum": Matthew McConaughey in ganz schräger Rolle

Foto: Constantin Film Verleih GmbH / NEON / VICE Studios

Zum Ende dieser ziemlich schrägen, von einem anarchistischen Geist durchwehten Komödie, da fallen brennende Dollarnoten wie Regen vom Himmel. Die Hauptfigur Moondog, das ist da längst klar, sie schert sich nicht um konventionelle, um kapitalistische, um die von durchschnittlicheren Menschen hoch gehaltenen Werte. Moondog, ein gescheiterter Schriftsteller und Poet, dieser Moondog lebt nur für den Moment, ausschließlich nach seinen ganz eigenen Vorstellungen.

Verkörpert von Oscarpreisträger Matthew McConaughey schickt ihn Regisseur Harmony Korine auf einen exzessiven Trip durch die Florida Keys und Miami, bei dem kein Auge trocken, kein Kopf nüchtern bleibt. Flankiert wird die Hauptfigur von ähnlich bunten, durch Schauspieler wie Martin Lawrence, Zac Efron, Snoop Dogg und Jonah Hill verkörperte Nebenfiguren.

Ständig high

Moondogs komplettes Leben ist eine einzige Entgrenzung. Er schwankt mehr, er tänzelt mehr, als dass er geht. Ständig ist Moondog high – kaum, dass ihn mal eine Szene ohne Drogen in der Hand zeigt, ob mit Bierdose, Joint oder Zigarette. Außer beim Sex oder beim Tanz mit Frauen scheint Moondog sich immer an etwas Berauschendem festhalten zu müssen. Moondog ist eine Zumutung, Moondog wird verehrt, sein überspannter Kleidungsstil fängt bei neongrellen Hawaiihemden nicht an und hört bei wallenden Frauenkleidern nicht auf.

Filmkritik "Beach Bum": Matthew McConaughey in ganz schräger Rolle

Foto: Constantin Film Verleih GmbH / NEON / VICE Studios

In einer herrlich überdrehten, einer wunderbar sinnentleerten Sequenz zerstört Moondog zusammen mit Obdachlosen das komplette Interieur seines Hauses. Um danach auf die Frage nach dem Warum zu antworten: „aus Langeweile“.

Richtig zur Räson gebracht wird dieser sympathische Irre auch durch den tragischen Tod seiner Ex-Frau nicht. In ihrem Testament jedoch hatte diese zuvor erklärt, Moondog habe nur Anrecht auf das üppige Erbe, wenn er endlich sein, seit Jahren angekündigtes Buch vollende.

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Foto: Constantin Film Verleih GmbH / NEON / VICE Studios

Parallelen zu ähnlichen Kinohits

Zuweilen muss man an ähnlich gestimmte, an andere Komödien amerikanischer Herkunft denken, an Werke wie „The Big Lebowski„, „Ananas Express“ oder die kultigen Kifferfilme mit Cheech und Chong („Viel Rauch um Nichts“, 1978). „Beach Bum“ ist zudem ähnlich exaltiert, ähnlich farbenfroh und ähnlich verrückt wie Harmony Korines „Spring Breakers“ aus dem Jahr 2012 (mit James Franco und Selena Gomez). Korine, der einst als junger Kerl mit dem Drehbuch zum Teenie-Kultfilm „Kids“ (Regie: Larry Clark) erstmals richtig auf sich aufmerksam machen konnte, versteht sich auf die filmische Darstellung von Exzessen, das zeigt er nun auch mit seinem „Beach Bum“.

Filmkritik "Beach Bum": Matthew McConaughey in ganz schräger Rolle

Foto: Constantin Film Verleih GmbH / NEON / VICE Studios

Seinem Moondog aber wünscht man etwas mehr an charakterlicher Entwicklung; das tragische Potenzial dieser stets von Menschen umringten und doch völlig einsamen Figur weiß Korine, der auch das Skript schrieb, nur ansatzweise auszuschöpfen.

Kurz nur verweist der Film auf einen möglichen Ursprung seines Verhaltens: Moondog habe, so berichtet es seine Ex-Frau, noch als Achtjähriger Windeln getragen.

Moondog polarisiert

McConaugheys Moondog ist ein faszinierender Lebenskünstler, ein subversiver Straßen-Poet und Freigeist. Moondog ist ein Asozialer, ein Nihilist, ein Tunichtgut, der nicht nur sich selbst, sondern etwa auch die eigene Tochter auf sträfliche Weise vernachlässigt. Mit dieser Ambivalenz hat man im Kinosessel von Beginn des Films an zu tun. Mal möchte man diesen Moondog ins Herz schließen, ihn gar zur nächsten Party einladen, mal wendet man sich angewidert ab, wenn er die Schwächen anderer (etwa von gebrechlichen Alten) schamlos auszunutzen weiß. Manch ein Filmbesucher wird sich an dieser bizarren Figur stoßen.

Filmkritik "Beach Bum": Matthew McConaughey in ganz schräger Rolle

Foto: Constantin Film Verleih GmbH / NEON / VICE Studios

Zudem gleichen viele Szenen einander; bei all der Redundanz kann denn auch von einer veritablen, einer gar packenden Geschichte kaum die Rede sein. Hat man sich allerdings einmal eingelassen auf die besondere Grundstimmung, auf die Atmosphäre des Films, dann kann von „Beach Bum“ durchaus eine gleichsam kathartische Wirkung ausgehen. (Matthias von Viereck, dpa)

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