Montag, 20. August 2018 22:35 Uhr

Filmkritik „BlacKkKlansman“ von Spike Lee: Eine rabenschwarze Komödie

Mit einem Trick verschafft sich ein schwarzer Polizist Zugang zum berüchtigten Ku-Klux-Klan – basierend auf wahren Begebenheiten erzählt Spike Lee mit „BlacKkKlansman“ eine außergewöhnliche Geschichte mit Starbesetzung.

Filmkritik "BlacKkKlansman" von Spike Lee: Eine rabenschwarze Komödie

Spike Lee und Adam Driver am Set. Foto: David Lee / Focus Features

Wenn dies keine wahre Geschichte wäre, dann würde man sie nicht glauben: Ein schwarzer Polizist entdeckt in einer Zeitung die Anzeige des Ku-Klux-Klans – und ruft kurzentschlossen die dort angegebene Nummer an. Er hätte gern ein paar Informationen zu ihrer Arbeit, sagt er, lässt ein paar rassistische Floskeln ab und verabschiedet sich mit „God bless white America“. Doch damit nicht genug: Der KKK ist so beeindruckt von diesem Mann, dass er ihn im Laufe der nächsten Wochen zu seinem Mitglied macht. Das klingt absurd, ist Ron Stallworth aber tatsächlich passiert. Der afroamerikanische Cop infiltrierte Ende der 70er Jahre den KKK – nun hat Spike Lee das mit der rasanten Satire „BlacKkKlansman“ verfilmt.

Sohn von Denzel Washington in der Hauptrolle

In der Hauptrolle überzeugt dabei John Washington (34). Der Sohn von Hollywoodstar Denzel Washington verkörpert diesen jungen Polizisten, der bei der Polizei in Colorado Springs anfängt. Zuerst wird er dazu abgestellt, für die anderen Cops Fallakten heraussuchen, doch dann wird er undercover auf die Black-Panther-Bewegung in der Stadt angesetzt und lernt dabei die smarte Aktivistin Patrice kennen.

Es ist eine schwierige Aufgabe für Stallworth, der sich als Polizist beweisen und zugleich seine Identität als schwarzer Mann finden will – rassistische Anfeindungen seiner Kollegen deuten an, wie kompliziert die gesellschaftliche Situation damals war. Dann aber kommt die Schlüsselszene des Films: Stallworth ruft beim Ku-Klux-Klan an, verstellt die Stimme und poltert wie ein weißer Rassist. Seine Kollegen sind entsetzt, der Angerufene, ein Anführer des KKK, aber ist begeistert. Er will diesen kämpferischen Mann treffen und schnell zum Mitglied machen.

Ein riskantes Doppelspiel

Das scheint natürlich so absurd wie unmöglich, gelingt aber dank eines Kniffs und der Hilfe eines Kollegen: Flip Zimmerman, gespielt von Adam Driver („Star Wars“), lässt sich auf das Doppelspiel ein. Am Telefon überlässt er Stallworth das polemische Reden, er selbst aber trifft die KKK-Mitglieder und hält die Fassade des weißen Rassisten aufrecht – obwohl er selbst Jude ist und ebenfalls ins Nachdenken über die eigene Identität kommt.

Filmkritik "BlacKkKlansman" von Spike Lee: Eine rabenschwarze Komödie

John Washington. Foto: Universal Pictures

Regisseur Spike Lee (61) ist bekannt für seine Filme wie „Malcolm X“, in denen er wiederholt auf Missstände in der US-amerikanischen Gesellschaft und vor allem die Situation der Afro-Amerikaner hinwies. Selten zuvor gelang es ihm aber auf so unterhaltsame Weise von diesem schwierigen Thema zu erzählen: Der Humor ist böse, die Musik stimmungsvoll eingesetzt, das 70er-Jahre-Setting cool eingefangen. Vor allem aber ist sein Ron Stallworth ein enorm enigmatischer Polizist, der durch seine hohlen Phrasen die Rassisten und deren Denkweise bloßstellt.

Nicht bissig genug

Sicherlich hätte Lee das alles etwas subtiler und noch bissiger erzählen können. Allein die KKK-Anhänger werden eindimensional gezeichnet und als Trottel dargestellt. Insgesamt aber verwischen so die Grenzen zwischen Drama und Satire, zwischen Realität und Überzeichnung. Wenn etwa Alec Baldwin als wetternder Rassist auftritt, ist das zunächst komisch, bis einem das Lachen im Hals stecken bleibt: Zu sehr erinnert er in seiner Gestik und dem Vokabular an den derzeitigen Präsidenten Donald Trump.

Filmkritik "BlacKkKlansman" von Spike Lee: Eine rabenschwarze Komödie

Foto: Universal Pictures

Überhaupt zieht Lee Parallelen zur aktuellen Lage in den USA. Als es etwa um die politischen Ambitionen des KKK geht, heißt es im Film „Die Leute werden doch nie so dumm sein, die ins Weiße Haus zu wählen“. Außerdem blendet Regisseur Lee ganz zum Schluss noch Bilder der rechtsextremen Demonstrationen vom August 2017 in Charlottesville ein und kombiniert sie mit den – harsch kritisierten – Stellungnahmen Trumps.

Durch diese Darstellung gelingt Lee eine Mischung aus unterhaltsamer Satire und klarem politischen Statement, wie man es im heutigen Kino voller massentauglich angelegter Blockbuster nur selten sieht. Beim Filmfest Cannes wurde „BlacKkKlansman“ im Mai jedenfalls schon mit dem Großen Preis der Jury geehrt, der zweitwichtigsten Auszeichnung des Festivals. Auch deswegen gilt Lee mit seinem Werk bereits als einer der ersten ernst zunehmenden Anwärter auf einen Oscar 2019. (Aliki Nassoufis, dpa)

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Foto: Universal Pictures

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