Filmkritik „Cash Truck“: Guy Ritchie lässt Jason Statham wieder ballern

Filmkritik "Cash Truck": Guy Ritchie lässt Jason Statham wieder ballern
Filmkritik "Cash Truck": Guy Ritchie lässt Jason Statham wieder ballern

© Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./Studiocanal GmbH

26.07.2021 20:00 Uhr

Filmemacher Guy Ritchie verhalf Jason Statham in den 1990er Jahren dazu, jener Action-Held zu werden, den heute alle kennen. Nun findet das britische Duo für einen eigenen, neuen Film wieder zusammen. „Cash Truck“ ist blutig, dröhnend - und puristisch.

Männer Mitte 50, die eine gemeinsame Vergangenheit teilen, erinnern sich gerne mal an diese Zeit zurück. „Weißt du noch damals?“ heißt es dann.

„Als wir es so richtig haben krachen lassen?“ Es ist nicht genau überliefert, was Regisseur Guy Ritchie (52) mit seinem alten Bekannten, dem Schauspieler Jason Statham (53), besprach, als er ihn von seinem neuen Film „Cash Truck“ zu überzeugen versuchte. Was man aber sicher sagen kann: Die beiden Mittfünfziger entschieden, es noch mal krachen zu lassen. Und zwar so richtig.

Filmkritik "Cash Truck": Guy Ritchie lässt Jason Statham wieder ballern

© Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./Studiocanal GmbH

Schörkellos und ohne Humor

„Cash Truck“ ist einer jener Filme geworden, die den großen Kino-Saal brauchen, auch in der Corona-Pandemie. Deswegen ruhen nun einige Hoffnungen auf ihm. Die Action ist hart, geradlinig und schnell, der Soundtrack wuchtig. Und für Ritchie und Statham ist er in gewisser Weise eine Rückkehr in vorpandemische Zeiten. 1998 hatten die beiden Briten den gemeinsamen Durchbruch mit der ruppigen Gangsterkomödie „Bube, Dame, König, grAS“ geschafft und danach immer wieder zusammengearbeitet. 2005 aber trennten sich die beruflichen Wege.

Verschnörkelte, schwarzhumorige Elemente, wie man sie von früheren Zusammenarbeiten der beiden kennt, sucht man in dem neuen Werk allerdings vergebens. Statham, der sich mittlerweile einen Ruf als harter und bisweilen etwas eindimensionaler Action-Haudrauf („The Expendables“) erarbeitet hat, gibt auch hier einen wortkargen, verschlossenen Einzelgänger. Er heuert bei einer Geldtransporter-Firma an, die jede Woche Hunderte von Millionen Dollar durch Los Angeles fährt.

Jason Statham wie immer megacool

Gleich bei einem seiner ersten Einsätze eskaliert die Lage und der Transporter wird von Gangstern überfallen. Während sein Kollege vor Panik schlottern, bleib „H“, wie Stathams Figur einfach genannt wird, kühl wie eine Polarnacht. Gezielt und präzise löscht er im Alleingang die Räuber-Bande aus – was ihn in der Firma zu einer geradezu mystischen Figur werden lässt. Beim Eignungstest hatte er im Schießen nur knapp bestanden. „H“ hat offensichtlich ein paar Geheimnisse.

Guy Ritchie arbeitet mit Zeitsprüngen, um die Geschichte von „H“ zu entrollen. Schnell zeigt sich: „Cash Truck“ ist nicht nur ein Thriller, sondern auch ein Rache-Film und ein wenig Heist-Movie, da es um ziemlich ausbaldowerte Pläne geht, wie man die schweren Transporter überfallen kann. So viel sei verraten: „H“ selbst geht es eher nicht ums Geld. Er hat eine persönliche, offene Rechnung.

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© Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./Studiocanal GmbH

Männlichkeitsbilder

Die Vorlage stammt aus Frankreich und ist schon mehr als 15 Jahre alt („Cash Truck – Der Tod fährt mit“, 2004). Ritchie macht sie zu seinem Film, indem er dem Ganzen seine recht typische, ausgesprochen maskuline Inszenierung überstülpt. Im Subtext geht es auch immer wieder um Männlichkeitsbilder, um Väter, um Soldaten. Frauen tauchen fast keine auf. Auch den britischen Einfluss bemerkt man. Der Film spielt zwar in L.A. – die Metropole erscheint aber so vernebelt wie eine englische Hafenstadt.

Es mag Menschen geben, die sich von der Rückkehr des Duos Ritchie/Statham mehr Innovation erhofft haben. Andere werden froh sein, dass im Kino endlich mal wieder eine logische, konsequente Geschichte erzählt wird, bei der es trotzdem ordentlich scheppert. „Cash Truck“ ist kein dumpf zusammengeschusterter Action-Blockbuster.

Filmkritik "Cash Truck":  Guy Ritchie lässt Jason Statham wieder ballern
Regisseur Guy Ritchie und Jason Statham am Set

© Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./Studiocanal GmbH

Anruf genügte

Übrigens gibt es tatsächlich ein paar Hinweise darauf, wie Ritchie und Statham wieder zusammengefunden haben. Im begleitenden Presse-Material lässt sich der Regisseur mit den Worten zitieren, er habe seinen Star „einfach angerufen und ihm nur einen kurzen Abriss der Geschichte gegeben“. „Wir haben uns beide keine großen Gedanken darüber gemacht. Uns gefiel die Grundidee und wir waren zu dem Zeitpunkt beide gerade frei.“ So einfach kann es sein mit Mitte 50.