Filmkritik „Curveball“: BND-Verstrickung in absurder Politsatire

Filmkritik "Curveball": BND-Verstrickung in absurder Politsatire
Filmkritik "Curveball": BND-Verstrickung in absurder Politsatire

© Sten Mende

06.09.2021 18:30 Uhr

Hätte Deutschland den Irakkrieg verhindern können? Diese Frage stellt man sich nach dem Film „Curveball“, der eine wahre Begebenheit des deutschen Geheimdienstes nacherzählt. Ein Film, der nachwirkt.

Ein Geheimdienst fällt auf die falsche Geschichte eines Informanten rein und gibt sie als Coup aus. Schon bald ist klar, alles war erlogen.

Doch einem anderen Land könnte genau diese Lügenstory helfen, endlich einen Krieg gegen ein Feindes-Land anzuzetteln. Also hält das andere Land daran fest und macht sie öffentlich. Klingt nach einem guten Drehbuch für einen Spionage-Thriller? Ist aber so ähnlich im Vorfeld des Irak-Krieges 2003 tatsächlich passiert.

Dar Salim als Rafid Alwan in einer Szene des Films «Curveball - Wir machen die Wahrheit».

Sten Mende/Filmwelt/dpa

„Curveball“ – nach wahren Begebenheiten

Die deutsche Politsatire „Curveball – Wir machen die Wahrheit“ zeichnet wahre Begebenheiten rund um diesen Fall nach. Im Mittelpunkt des Films, der sich ausdrücklich nicht als Dokumentation versteht, steht dabei die Rolle des Bundesnachrichtendienstes, der der falschen Story auf den Leim gegangen war. Der Film ist dreimal für den Deutschen Filmpreis nominiert – bester Spielfilm, bestes Drehbuch, beste männliche Nebenrolle.

Die Geschichte des Films dreht sich um den BND-Agenten und Biowaffenexperten Wolf (Sebastian Blomberg). Der war drei Jahre im Irak und hatte dort erfolglos nach Beweisen für Biowaffen gesucht. Wenige Jahre später behauptet plötzlich der in Zirndorf bei Nürnberg gestrandete Flüchtling Rafid Alwan (Dar Salim), dass er als Chemie-Ingenieur in Saddam Husseins geheimem Biowaffen-Labor gearbeitet und dort einen Anthrax-Unfall beobachtet hat. Der deutsche Geheimdienst und Wolfs Vorgesetzter Schatz (Thorsten Merten) wittern eine Sensation und werden dabei nachlässig im Umgang mit ihrer Quelle, die den Decknamen „Curveball“ bekommt. Das rächt sich schon bald fürchterlich.

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© Sten Mende

Politdrama mit nicht zu überbietender Absurdität

Der Film von Johannes Naber ist eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation. Schnipsel echter Reden damaliger Politiker (Präsidenten, Kanzler, Außenminister) mischen sich mit dem Privatleben von Wolf. Der Film ist so ernsthaft wie fesselnd und erlaubt sich hier und da ein paar kleine Lacher.

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© Sten Mende

Fesselnd ist er dabei weniger aufgrund von Action oder vielen Wendungen. Vielmehr ist das Politdrama in seiner Absurdität und seinen Auswirkungen kaum zu glauben und die bedächtig erzählte Agenten-Spionage-Story gipfelt eben in einem Krieg mit unzähligen Toten – an dem die Deutschen demzufolge scheinbar auch einen Anteil hatten. „Curveball“ wirkt allein deshalb nach. „Eine wahre Geschichte. Leider“

„Curveball – Wir machen die Wahrheit“, Deutschland, 2020, FSK o.A., 108 Minuten, von Johannes Naber, mit Sebastian Blomberg, Dar Salim, Virginia Kull, Michael Wittenborn und Thorsten Merten.