Dienstag, 7. Mai 2019 23:16 Uhr

Filmkritik „Das Ende der Wahrheit“: Paraderolle für Ronald Zehrfeld

Seit 60 Jahren gibt es den Bundesnachrichtendienst. Regisseur Philipp Leinemann („Wir waren Könige“) macht die ambivalente Geheimdienstwelt in seinem neuen Thriller zum Thema – und verschafft Ronald Zehrfeld einen weiteren großen Auftritt.

Filmkritik "Das Ende der Wahrheit": Paraderolle für Ronald Zehrfeld

Foto: Prokino Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Ein oberbayerischer See liegt in frühes, sehr blaues Morgenlicht getaucht. Ruhig zieht eine Frau darin ihre Bahnen. Und am Ufer steht ein Wolf. Mehr braucht Philipp Leinemanns neuer Film „Das Ende der Wahrheit“ nicht, um anzudeuten, was kommen wird: Raus aus dem Idyll und rein in einen Thriller. Der führt in die sonnengegerbte Welt von Steinwüsten und Terrormilizen und auch ins fahle Behördengrau deutscher Geheimdienste. Ronald Zehrfeld gibt als desillusionierter BND-Agent Martin Behrens darin einmal mehr und mit Bravour seine Paraderolle: den Polizisten von massiger Körperstatur und mit nuanciertem Innenleben.

Darum geht’s

Als mit allen Wassern gewaschener Geheimdienstler spricht er fließend Farsi und hat in den Krisengebieten Zentralasiens unter Cover gearbeitet. Härte und Skrupellosigkeit sind ihm bei seinen Aufträgen und im Umgang mit Informanten nicht fremd.

Doch als nach einem amerikanischen Drohnenangriff in der (fiktiven) Region Zahiristan dann mitten in München ein blutiges Attentat als Vergeltungsschlag erfolgt, wird auch Behrens bitter getroffen: Seine Freundin (Antje Traue), die gerade noch so friedlich im See schwamm, ist unter den Opfern. Die Journalistin arbeitete an einer Geschichte über internationalen Waffenhandel.

Doch Behrens Versuche, Licht in das Dunkel dieser Waffengeschäfte und die Umtriebe einer obskuren Firma namens „Global Logistics“ zu bringen, zeigen vor allem eins: Auch die Geheimdienste, darunter sein Vorgesetzter, BND-Stabschef Joachim Rauhweiler (großartig kaltschnäuzig: Axel Prahl), scheinen ihre Finger im schmutzigen Spiel zu haben. Und kein Interesse an jemandem, der in ihren eigenen Reihen Staub aufwirbelt.

Filmkritik "Das Ende der Wahrheit": Paraderolle für Ronald Zehrfeld

Foto: Prokino Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Stattdessen wird Behrens‘ kurzerhand ein Berliner BND-Mitarbeiter vor die Nase gesetzt. Mit peitschender Arroganz treibt Patrick Lemke (Alexander Fehling) Behrens an den Rand der Selbstkontrolle. Solange bis es knallt, und Behrens – jetzt ganz einsamer Wolf – erstmal auf eine eigene Faus und mit eigener Faust weiterrecherchiert.

Großartige Bilder fernab vom klassischen Spionagethriller

Weiche Seiten zeigt er dann, wenn er ab und an seine bei der Mutter lebende Teenager-Tochter besucht und ihr zum Einschlafen Gedichte vorliest. Eines davon klingt wie sein Lebensmotto: „Traust du dich hinaus? Oder hinein? Und traust du dich, was könnte dein Gewinn wohl sein?“

Filmkritik "Das Ende der Wahrheit": Paraderolle für Ronald Zehrfeld

Foto: Prokino Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Solche zarten Szenen unterscheiden den Film bei all seinem Tempo ebenso von einem klassischen Spionagethriller wie die stillen Bilder, die die latente Bedrohung – siehe oberbayerischer See – oder das Grauen in ungewohnten Totalen einfangen.

So ist etwa der Schock nach dem Münchner Anschlag in einer grandiosen nächtlichen Luftaufnahme konserviert. Wie gelähmt liegt die Großstadt da, und nur die Warnlichter der herbeirasenden Rettungsfahrzeuge flackern wie ein blauer Puls.

Filmkritik "Das Ende der Wahrheit": Paraderolle für Ronald Zehrfeld

Foto: Prokino Filmverleih GmbH / Walker + Worm Film / Bernd Schuller

Dem tut auch keinen Abbruch, dass manche Action-Szenen – etwa der brutale Überfall auf einen Autokorso in der Wüste – im Vergleich zu teuer produzierten US-Varianten doch etwas handgemacht wirken. Unterm Strich: Ein komplexer Thriller. Ein spannendes und rares Thema. Eine tolle Besetzung. Sehenswert.

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