Montag, 11. März 2019 23:07 Uhr

Filmkritik „Destroyer“: Nicole Kidman auf gnadenlosem Rachefeldzug

Nicole Kidman ist in dem Rachethriller „Destroyer“ kaum zu erkennen: Als verhärmte Polizistin zeigt sich die Oscar-Preisträgerin von einer völlig anderen Seite. Karyn Kusama inszeniert ein packendes Cop-Drama.

Filmkritik "Destroyer": Nicole Kidman auf gnadenlosem Rachefeldzug

Foto: Concorde

Hollywood-„Schönheit“ Nicole Kidman ist der Inbegriff von perfekter Eleganz. In dem biografischen Drama „Grace of Monaco“ verkörperte sie die schöne Grace Kelly, in dem Blockbuster „Aquaman“ war sie unlängst mit blonder Lockenmähne als schillernde Meereskönigin Atlanna zu sehen.

Doch der australische Star kann auch anders. Kidman spielte bereits gänzlich unglamouröse Rollen in Independent-Dramen wie „Der verlorene Sohn“ oder „The Killing of a Sacred Deer„. Den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann sie 2003 für „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“: Mit großer Nase in der uneitlen Rolle der depressiven Schriftstellerin Virginia Woolf war sie kaum wiederzuerkennen.

Aschfahl und dunkle Haare

In ihrem neuen Film „Destroyer“ zeigt Kidman nun die krasseste Verwandlung in ihrer langen Schauspielkarriere. Mit aschfahler Haut, fransig-braunen Haaren und rot geäderten Augen kämpft sie sich in der Rolle der Polizistin Erin Bell durch die düstere Gangsterwelt von Los Angeles. Sie ist psychisch und physisch am Rande ihrer Kräfte angelangt. Gleichzeitig fesselt Kidman das Publikum mit einer derartigen Wucht, dass man dieser kaputten Kriminalbeamtin alles abnimmt.

Die Geschichte des Verbrecher-Thrillers von US-Regisseurin Karyn Kusama („Jennifers Body – Jungs nach ihrem Geschmack“, „Aeon Flux“), mit vielen Wendungen bis zum bitteren Ende, wird in Rückblenden erzählt: Vor 17 Jahren wurde Bell als junge FBI-Ermittlerin mit ihrem Kollegen Chris bei einem Undercover-Einsatz in eine Drogengang eingeschleust. Die Bande wird von dem gefürchteten Silas angeführt. Bei einem missglückten Bankraub wird Silas zum Mörder, Chris kommt ums Leben und lässt Bell mit Schuldgefühlen, schwanger und gebrochen zurück.

Filmkritik "Destroyer": Nicole Kidman auf gnadenlosem Rachefeldzug

Foto: Concorde

„Du kannst ein besserer Mensch werden“, schärft Bell als Polizistin ihrer jetzt 16 Jahre alten rebellischen Tochter Shelby ein. Der Mutter-Tochter-Kontakt ist völlig gestört, die abgewrackte Ermittlerin lebt nur für ihre Arbeit. Auf eigene Faust will sie sich an den Drahtziehern der Gang von damals rächen, sie wird zum „Destroyer“ (Zerstörer).

Spannend und brutal

Der Krimi lebt von actionreicher Spannung und harter Brutalität, doch dank Kidman geht „Destroyer“ weit über ein Polizeidrama hinaus. Es ist vielmehr das Porträt einer gebrochenen Frau, die vergangene Fehler in ihrem verkorksten Leben wieder gut machen will. Sie musste sich immer nur voller Neid und Angst durchboxen, lamentiert die Polizistin in dem Film. Kidman findet als Antiheldin genau die richtige Balance – mal schlägt sie knallhart zu, mal legt sie ihre verletzte Psyche offen.

Mit ihrem Auftritt als Erin Bell holte die 51-jährige Schauspielerin eine Golden-Globe-Nominierung als beste Drama-Darstellerin. Bei der Gala im Januar ging Kidman leer aus, doch schon die Nominierung war eine verdiente Anerkennung ihrer packenden Verwandlungskunst. (Barbara Munker, dpa)

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