Montag, 15. Oktober 2018 23:52 Uhr

Filmkritik „Dogman“: Papa gegen einen kriminellen Muskelprotz

Mit dem packenden Mafiadrama „Gomorrha“ feierte Matteo Garrone bereits große Erfolge. Nun legt er mit „Dogman“ erneut ein düsteres Werk vor: über den scheinbar aussichtslosen Kampf wie bei David gegen Goliath.

Filmkritik "Dogman": Papa gegen einen kriminellen Muskelprotz

Foto: Alamode Film

Der Kampf gegen einen übermächtigen Gegner ist ein beliebtes Thema für Superheldenfilme. In der Realität aber hat man keine übernatürlichen Kräfte, die einem in so einer Situation helfen können. Genau davon erzählt auch das preisgekrönte Drama „Dogman“, in dem ein italienischer Familienvater aufbegehrt und sich mit einem kriminellen Muskelprotz anlegt. Regisseur Matteo Garrone überrascht mit einer schwarzhumorigen David-gegen-Goliath-Variante.

Darum geht’s

In einer tristen Gegend einer namenlosen Stadt hat Marcello einen kleinen Hundesalon, in dem er sich liebevoll um die Tiere kümmert. In der Nachbarschaft ist der Familienvater beliebt und kommt mit allen gut aus. Doch genau diese Gutmütigkeit – gepaart mit Naivität – wird ihm zum Verhängnis. Denn der brutale Simone drängt sich immer weiter in sein Leben und zieht ihn dabei in kriminelle Geschäfte hinein. Marcello wird so zum Mittäter, der es allen eigentlich nur recht machen möchte, dabei aber selber schnell von einer Abwärtsspirale erfasst wird. Bald läuft er Gefahr, alles zu verlieren.

Filmkritik "Dogman": Papa gegen einen kriminellen Muskelprotz

Foto: Alamode Film

Regisseur Garrone, der mit seinem packenden Mafiafilm „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ vor zehn Jahren große Erfolge feierte, ließ sich für diese Geschichte von einem realen Fall inspirieren. Auch hier finden sich wieder Bezüge zur organisierten Kriminalität, doch „Dogman“ wird vor allem als Duell zweier ungleicher Gegner inszeniert.

Marcello Fonte ist ideal

Denn der drogensüchtige und äußerst aggressive Simone ist es gewohnt, dass ihn alle fürchten und sich ihm niemand widersetzt. Gerade der schmale, schmächtige Marcello scheint keine Chance gegen ihn zu haben. Doch irgendwann merkt er, dass er nicht immer nur nachgeben kann. „Dogman“ kann dabei als Metapher für die italienische Gesellschaft insgesamt gelesen werden: das Gefühl der Machtlosigkeit, das viele Italiener wohl beim Gedanken an ihren Staat und die Politiker haben. Auch das desolate Setting in der heruntergekommenen, ärmlichen Stadt könnte durchaus für das Land an sich stehen.

Filmkritik "Dogman": Papa gegen einen kriminellen Muskelprotz

Foto: Alamode Film

Doch auch ohne diese Metaebene ist „Dogman“ ein äußerst sehenswerter Film, der trotz seiner düsteren Geschichte unterhaltsame Momente bereit hält. Das liegt zum einen an den schrägen, putzigen und eigenwilligen Hunden, die den Männern immer wieder die Show stehlen. Zum anderen aber ist Hauptdarsteller Marcello Fonte die ideale Besetzung für diese Rolle. Mit leicht gebeugtem Rücken und stets etwas unterwürfig verkörpert der 39-jährige Italiener diesen herzensguten Marcello extrem glaubwürdig – völlig zu Recht wurde er dafür beim Filmfest Cannes im Mai als bester Darsteller ausgezeichnet. (Aliki Nassoufis, dpa)

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Foto: Alamode Film

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