Montag, 22. Oktober 2018 23:08 Uhr

Filmkritik „Hunter Killer“: Gerard Butler rettet die Welt – diesmal unter Wasser

Was passiert, wenn man altmodisches Storytelling und Klischees mit modernem Actionkino paart? Die Antwort liefert „Hunter Killer“. Der U-Boot-Thriller beschwört die Zeiten des Kalten Krieges herauf und versprüht eine Männlichkeit, die es so wohl nur noch auf See gibt.

Filmkritik "Hunter Killer": Gerard Butler rettet die Welt - diesmal unter Wasser

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

„Hunter Killer“ – so heißen im Englischen Jagd-U-Boote, die zur Aufklärung wie zum Kampf eingesetzt werden. Und so lautet auch der Titel des neuesten U-Boot-Thrillers aus Hollywood. Moment. Ein neuer U-Boot-Film, im Jahr 2018? Das klingt nicht nur nach einem Anachronismus, das ist auch einer – und das gleich auf mehreren Ebenen.

Darum geht’s

Zur Geschichte: Das Jagd-U-Boot USS Arkansas sucht im Arktischen Ozean nach verschollenen Kameraden, unter Führung des unkonventionellen Kapitäns Joe Glass (Gerard Butler). Die Fahrt führt die Crew in die Gewässer direkt vor einem russischen Marine-Kommandoposten. Gleichzeitig wird ein Navy-Seal-Team unter Leitung des harten Hundes Bill Beaman (Toby Stephens) aus der Luft abgesetzt, um die Lage an Land zu erkunden. Bald ist klar: Es geht um einen Putsch. Der russische Verteidigungsminister provoziert eine militärische Konfrontation mit den USA, um Volk und Militär hinter sich zu bringen. Es droht der Dritte Weltkrieg.

Nur die U-Boot-Besatzung und die Navy Seals können den Weltfrieden retten; und möglicherweise der russische U-Boot-Kapitän Andropow (knarzig-wortkarg gespielt vom 2017 gestorbenen Schweden Michael Nyqvist), den die USS Arkansas aus dem Eismeer gerettet hat. Gary Oldman als unsympathisch-kriegstreiberischer oberster US-Militär und Caroline Goodall als US-Präsidentin (und Hillary-Clinton-Double) vervollständigen den gut besetzten Cast.

Alles schon mal dagewesen

Doch das war es auch schon mit den guten Nachrichten. U-Boot-Jagden im Eismeer, eine russisch-amerikanische Konfrontation, die Bedrohung des Weltfriedens – all das gab es nämlich schon, und zwar mehr als einmal. Während der 121 Minuten Filmlänge hat man ständig ein Déjà-vu. Gab es da 1990 nicht den Tom-Clancy-Klassiker „Jagd auf Roter Oktober“ mit Sean Connery? Oder 1995 „Crimson Tide“ mit Denzel Washington und Gene Hackman?

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Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Es ist sicherlich nicht verboten, Genrefilme zu drehen und sich an Bewährtem zu versuchen – sonst gäbe es längst keine James-Bond-Reihe mehr oder Mafia-Epen oder Western. Dabei ist aber das Wie entscheidend. Findet man einen neuen Dreh, eine neue Optik, eine neue Art des Umgangs mit dem Altbekannten? Findet man einen Weg – gerade im Actionkino – diesen geballten männlichen Ernst ironisch zu brechen, so wie Sylvester Stallone mit seinen „Expendables“? All das haben die Macher von „Hunter Killer“ nicht im Ansatz versucht.

Die üblichen Feindbilder

Keine Frage, der Film ist optisch auf der Höhe der Zeit. Es gibt ordentlich viel Knallerei und schnelle Schnitte sowie ein paar schöne Kamerafahrten über verschneite Hänge und graues Meer.

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Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Aber sonst: Die Charaktere sind eindimensional. Harte Männer sind harte Männer mit den dazugehörigen Sprüchen, keine Spur von 007-Ironie à la Daniel Craig. Dazu jede Menge (Film)Klischees: Der einsame Seewolf Joe Glass wird bei der Hirschjagd in den schottischen Highlands von der Navy aufgespürt – und er lässt nachdenklich den Bogen (!) sinken, weil dem kapitalen Bock eine Ricke und ein Kitz folgen. Botschaft: Auch harte Männer haben eine weiche Seite.

Frauen spielen sowieso nur die zweite oder eher dritte Geige. Die Feindbilder sind so klar verteilt wie in den seligen Zeiten des Kalten Krieges. Es gibt keine Zweifel und keinen doppelten Boden. Und die Fahrten durch das enge U-Boot, in dem die Männer nicht nur arbeiten, sondern leben und leiden, hat man in Wolfgang Petersens „Das Boot“ auch schon klaustrophobischer gesehen.

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Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Fans des Genrekinos mögen „Hunter Killer“ als zeitlos bezeichnen, denn der Film könnte auch in den 70er, 80er oder 90er Jahren spielen. Man könnte das aber auch einfach nur altmodisch nennen. (Patrick T. Neumann, dpa)

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