14.09.2020 23:11 Uhr

Filmkritik „Jean Seberg“: Kristen Stewart als verfolgte Kino-Ikone

An der Seite von Jean Paul Belmondo in Jean-Luc Godards Kultfilm "Außer Atem" wurde Jean Seberg zum Superstar. Als Ikone des französischen Filmstils der Nouvelle Vague wurde sie gefeiert

© 2019 PROKINO Filmverleih GmbH

Doch wer war diese Schauspielerin wirklich, die erst hochgelobt wurde, dann aber Ende August 1979 mit gerade mal 40 Jahren Selbstmord beging? Antworten will jetzt das biografische Drama „Jean Seberg – Against all Enemies“ mit Hollywoodstar Kristen Stewart in der Hauptrolle geben.

Bei einem Besuch in den USA 1968 will Seberg die Schwarzen im Kampf gegen Unterdrückung unterstützen. Weil sie mit der Bürgerrechtsbewegung der Black Panthers sympathisiert, gerät sie allerdings ins Visier des FBI. Sebergs Überwachung nimmt ungeahnte Ausmaße an und mündet schließlich in einer regelrechten Hetzjagd auf die junge Frau, ausgelöst durch ein perfides Gerücht.

Filmkritik "Jean Seberg": Kristen Stewart als verfolgte Kino-Ikone

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Darum geht’s in „Jean Seberg“

Der Film des Australiers Benedict Andrews („Una und Ray“) mit Kristen Stewart als rätselhafter Jean Seberg (†41) umfasst nur die Phase der FBI-Ermittlungen. Er verspricht so einiges, löst aber letztendlich vieles nicht ein. Das ist schade, geht es doch um eine hochspannende Zeit, in der der Staat Organisationen und Privatpersonen, die ihm verdächtig erschienen, mit der später äußerst umstrittenen Operation Cointelpro überwachen ließ.

Die Proteste gegen den Vietnamkrieg, der Kampf gegen Rassendiskriminierung, eine aufgeheizte, politische Stimmung und mittendrin eine junge, berühmte Schauspielerin, die mit ihrem Geld Gutes tun will. „Wir müssen eine Waffe schwenken, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie lassen sich die Haare schneiden und schon sind sie auf der Titelseite“, stellt der schwarze Aktivist Hakim Jamal (Anthony Mackie) fest.

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Der Charakter bleibt oberflächlich

Über Seberg erfährt man jedoch wenig. Was die US-Amerikanerin denkt, was sie fühlt, was sie antreibt, das wird alles eher oberflächlich abgehandelt. Stewarts („Twilight“, „3 Engel für Charlie“) unterkühltes und verschlossenes Spiel ist dabei auch nicht gerade hilfreich. Die Beweggründe von Sebergs Engagements für die Bürgerrechtler, insbesondere die Aktivisten der Bewegung Black Panther, werden nicht greifbar. Stattdessen rücken persönliche Fragen in den Vordergrund: Ihre Affäre mit Jamal, der eigentlich mit Dorothy verheiratet ist. Ihr Umgang mit ihrem Ehemann Romain Gary, der mit dem gemeinsamen Sohn Diego erst in Paris bleibt, ihr dann aber nach Hollywood nachfolgt.

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Zweite Hauptrolle für Jack O’Connell

Großen Raum bekommt der FBI-Überwachungsspezialist Jack (Jack O’Connell). Er findet die Ermittlungsmethoden seiner Kollegen merkwürdig und wird misstrauisch. Obendrein aber hat er private Probleme, verbringt er doch nach Ansicht seiner Ehefrau zu viele Nächte außer Haus.

Kleinigkeiten, in denen sich der Film immer wieder verliert.

Tolles Setting

Gute Arbeit geleistet haben hingegen auf jeden Fall Szenenbild und Kostüm. Stewart darf reihenweise hübsche Kleider vorführen, die Haare perfekt gestylt im damals angesagten Pixie-Haarschnitt. Wichtiges Accessoire: das Whiskey-Glas. Dazu perfekt eingerichtete Traumhäuser und Hotelzimmer. Das Klischee einer Hollywood-Existenz, die aber auch für politische Anliegen nützlich sein kann, wie Jamals Ehefrau Dorothy nüchtern feststellt: „Die Revolution braucht Filmstars!“. (Cordula Dieckmann, dpa)

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Stewart & Regisseur Benedict Andrews. © 2019 PROKINO Filmverleih GmbH

– Jean Seberg – Against all Enemies, USA, Großbritannien 2019, 103 Min., FSK ab 12, von Benedict Andrews, mit Kristen Stewart, Anthony Mackie und Jack O’Connell.

© dpa-infocom, dpa:200910-99-501806/3

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