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Mittwoch, 22. Mai 2019 23:10 Uhr

Filmkritik „John Wick: Kapitel 3“ – Viel Lärm um fast nichts

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Der Countdown läuft für den Auftragskiller John Wick (Keanu Reeves, 54, „Minnesota“, „Destination Wedding“). Der 3. Teil der Actionballade um den großen Schweiger setzt genau dort ein, wo Teil 2 endete.

Filmkritik "John Wick: Kapitel 3" - Viel Lärm um fast nichts

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

John Wick hat genau eine Stunde Zeit Vorkehrungen zu treffen, bis Jagd von anderen Killern auf ihn gemacht wird. Ein hübsches Sümmchen, das minütlich auch noch steigt, wie an der Börsentafel der Kriminellenvereinigung „High Table“ mit Kreide fein säuberlich notiert wird. „High Table“ – die „Hohe Kammer“ kennt da kein Pardon. Das Kopfgeld, das auf John Wick ausgesetzt ist, ist rechtens, denn die Killermaschine Wick hat etwas sehr Unanständiges getan: er hat quasi auf heiligem Hotel-Boden gemordet. Das Continental Hotel ist eine Oase für alle, die mal ausruhen müssen im Killerbusiness – ein sicherer Ort, an dem die Null-Gewalt-Toleranz das Gesetz Nr. 1 ist (und weitere gibt es auch gar nicht).

Der Hotelmanager Winston (Ian McShane, 76, „Hellboy – Call Of Darkness“) ist verpflichtet, Mister Wick auszustoßen. Nach der großzügig bewilligten Stunde ist John Wick ein Outlaw, der zum Abschuss freigegeben ist.

Für vogelfrei erklärt

Jeder Killer, der sein Taschengeld aufbessern möchte, versucht in „John Wick: Kapitel 3“ das Kopfgeld zu kassieren. Eigentlich leichte Beute, wenn man bedenkt, dass ihm auch niemand helfen darf. Kein Platz zum Verstecken, kein Zugang zu Finanzen und jeder, der ihm doch wohl gesonnen ist, wird das bereuen und dafür büßen. Autsch! Und damit sich auch alle so unmenschlich wie möglich verhalten, sendet der „High Table“ „Die Schiedsrichterin“ (Asia Kate Dillon, 34, „Orange Is The New Black“). „Die Schiedsrichterin“ ist mit Abstand die kälteste Person mit schneidender Logik und unerbittlich und kompromisslos setzt sie die Anweisungen des „High Table“ um. Einer, den es am härtesten trifft, ist Bowery King (Laurence Fishburne, 57, „Matrix“, „Apocalypse Now“).

Filmkritik "John Wick: Kapitel 3" - Viel Lärm um fast nichts

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Zurück an die Orte der Kindheit

Gefühlt die Hälfte des Action-Krachers ist um, als der Anti-Held sich aus New York City herausgeballert hat. Nach einem sehr ungemütlichen Besuch zwischen den Regalen der zuvor sehr schönen Stadtbibliothek geht es weiter im Epos um den Mann, der ein unendliches Kraftreservoir zu haben scheint. Eine Armada von gesichtslosen Angreifern greift im Sekundentakt an.

Viele Grunz- und Schlaglaute – aber keinen Dialog. Den gibt es erst wieder, wenn Schauspieler mit von der Partie sind. Ein Highlight ist ohne Frage der Auftritt von Oscar-Preisträgerin Anjelica Huston (67, „Die Ehre der Prizzis“) als „The Director“. Sie hat John Wick geprägt, wie wohl niemand anderes und sie gibt ihm die Richtung zur Buße vor – der einzige Weg, um Gnade und die Wiederaufnahme in die Organisation des „High Table“ zu erlangen.

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Ab in die Wüste

Dann heißt es für den Mann im schwarzen Anzug erst einmal, sich in den Staub zu werfen. Er wird in die Wüste geschickt und Begleitung gibt es auch: Auftritt nächste Top-Schauspielerin. Sofia (Oscar-Preisträgerin Halle Berry, 52, „Monsters Ball“) hilft dem Griesgram John Wick sehr widerwillig. Doch sie und ihre tollen Hunde bringen den Held an den nächsten Abenteuerplatz, bis John Wick ganz unten landet, demütig, in Büßerhaltung an einem Ort, wo seine Kunst zu Töten nichts mehr zählt.

Filmkritik "John Wick: Kapitel 3" - Viel Lärm um fast nichts

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Im Continental Hotel begann der Schlamassel und hier wird er auch enden. Mehr muss zu diesem gewaltigen Fitnessprogramm für fast alle Beteiligten gar nicht mitgeteilt werden. Wie viele Tote es gibt? Unzählige. Auf witzige Sprüche darf man nicht hoffen, schön, wenn es dann doch mal passiert. John Wick ist ein sehr zwielichtiger Typ, dem man Gott sei Dank nur im Kino über den Weg läuft.

Fazit: Viel Lärm um fast nichts. „John Wick: Kapitel 3“ ist ein sehr lauter und sehr laaaanger Film (2 h 12 Min.) – mit sehr wenig Handlung und sehr viel Action. (Kinotante Katrin)

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