Dienstag, 5. November 2019 23:47 Uhr

Filmkritik „Lara“: Sensibler Film über verpasste Chancen

Copyright: STUDIOCANAL / Frederic Batier

Kinder lieben ihre Mütter und sind ihnen für alles dankbar – so stellt man sich das gerne vor. Doch die Realität sieht oft anders aus, auch weil zwischenmenschliche Beziehungen sehr kompliziert sein können, so wie in dem wunderbaren Mutter-Sohn-Drama „Lara“.

Was hat man als Eltern nicht alles für Träume, wenn die Kinder noch klein sind. Erfolgreich und beliebt sollen die Kleinen später mal sein, Karriere machen und vielleicht sogar berühmt werden. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt, dass die Kinder ihren eigenen Weg gehen wollen. Das kann schmerzhaft sein, so wie im Film „Lara“. Jan-Ole Gerster hat ein kluges, anrührendes Drama inszeniert über die schwierige Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn, wunderbar gespielt von Corinna Harfouch und Tom Schilling. Es geht um verlorene Träume, verpasste Chancen, Einsamkeit und die Erkenntnis, dass es für manche Dinge auch zu spät sein kann.

Filmkritik "Lara": Sensibler Film über verpasste Chancen

Copyright: STUDIOCANAL / Frederic Batier

Nach seinem hochgelobten und mehrfach ausgezeichneten Kinodebüt „Oh Boy“, ebenfalls mit Tom Schilling, beweist Gerster damit nun einmal mehr sein Talent, vielschichtige Charaktere auf die Leinwand zu bringen – dieses Mal zu wunderschönen Kompositionen von Arash Safaian, gespielt von der Pianistin Alice Sara Ott.

Darum geht’s

Lara (Harfouch) feiert ihren 60. Geburtstag – allein. Ihre Beziehung ist zerbrochen und ihr Sohn Viktor (Schilling) meldet sich nicht. Dabei gibt der junge Pianist ausgerechnet an diesem Abend das bislang wichtigste Klavierkonzert seiner Karriere. Lara ist nicht eingeladen. Kurzerhand kauft sie alle Restkarten und verschenkt sie an andere Leute, die sie an diesem Tag trifft. Stolz schwärmt sie von Viktors Erfolg und träumt von einem wunderschönen Konzertabend, an dem sie tränenreich die Dankesreden ihres Sohnes für all ihre Liebe und Fürsorge entgegennimmt. Doch alles kommt anders und eine Katastrophe bahnt sich an.

Harfouch spielt diese Lara mit Hingabe. Fast möchte man sie in den Arm nehmen, diese verhärmte Frau, die doch nur ein bisschen Liebe und Anerkennung will. Und die tapfer ihre tiefe Enttäuschung zu verbergen sucht. Gerster lässt sich Zeit, die Figuren und ihre Beziehungen untereinander zu entwickeln. Erst ganz allmählich wird klar, dass die Dinge nicht so einfach sind und der Eindruck einer sympathischen und verschrobenen Frau nur oberflächlich ist. In Wahrheit ist alles viel komplizierter und Laras Liebe nicht selbstlos, sondern ziemlich manipulativ. Eine Tatsache, die sie hartnäckig verdrängt, auch um den schönen Schein zu wahren.

Tom Schilling ist großartig

Schilling ist ein ebenbürtiger Spielpartner für Harfouch. Sein Viktor wirkt erst unnahbar, doch allmählich wird klar, dass er all seine Kraft braucht, um nicht zusammenzubrechen. Ein sensibler und zutiefst verletzlicher junger Mann, der leidet.

Filmkritik "Lara": Sensibler Film über verpasste Chancen

STUDIOCANAL / Frederic Batier

Drehbuchautor Blaz Kutin interessierte die Frage, wie die Menschen mit ihren Problemen, Enttäuschungen und Illusionen umgehen. „Sie machen uns zu dem, was wir sind – meistens gefangen im eigenen Leben und fast nie vollständig glücklich“, schreibt er dazu. „Aber selbst, wenn wir so unglücklich sind, dass wir wissen, wir müssen etwas ändern, kommen wir kaum weiter als bis zu dieser Erkenntnis.“

Genauso geht es Lara. Sie weiß, dass etwas schiefläuft. Aber deshalb etwas ändern? Schwierig, denn ihre Erkenntnis kommt erst spät. Das Drama eines falsch gelebten Lebens. (Cordula Dieckmann, dpa)

Filmkritik "Lara": Sensibler Film über verpasste Chancen

Foto: Studiocanal/Sebastian Gabsch

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