Mittwoch, 28. August 2019 23:50 Uhr

Filmkritik „Late Night – Die Show ihres Lebens“: Emma Thompson als TV-Scheusal

Foto: eOne Germany

„Late Night – Die Show Ihres Lebens“ startet in dieser Woche in den deutschen Kinos. Und Emma Thompson ist grandios. Der Film erzählt von der Wandlung einer selbstgefällig und gehässig gewordenen Talk-Show-Königin Kathrine Newbury (Emma Thompson, 60, „Tatsächlich… Liebe“, „Saving Mr. Banks“) die ihre Sendung verlieren soll.

Sie soll ersetzt werden – raus mit der „alten Frau“ und ihrem Intellektuellenhumor aus England und rein mit dem jungen männlichen Gastgeber Daniel Tennant (Ike Barinholtz, „Bad Neighbors 1 +2“) dessen Witze auf Fäkalien-Level zünden. Alles in der Show soll und muss sich ändern, wenn der bereits beschlossene Hinauswurf abgewendet werden soll.

Filmkritik "Late Night - Die Show ihres Lebens": Emma Thompson als TV-Scheusal

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Sie ist wirklich nicht nett

Kathrine ist mit ihrer Show „Tonight with Katherine Newbury“ eine Spitzen-Fachkraft. Nur leider hat sie den Kontakt zur Basis, sprich ihres Autorenteams längst verloren. Hat sie alles nicht nötig. Sie nimmt niemals an den Redaktionssitzungen teil – sie kennt nicht einmal die Namen ihrer engsten Mitarbeiter und fragt nach einem Autor, der schon lange verstorben ist. So ewig gestrig ist sie, so altmodisch und blasiert.

Das Autorenteam besteht aus einer Ansammlung merkwürdiger Männer – nicht eine Frau an Bord – und genau das soll sich ändern. Wenn man dieses Setting einmal geglaubt hat, funktioniert der Film hervorragend.

Die Neue ist sehr höflich

Ein neue Frau soll frischen Wind in die Themenauswahl der TV-Show bringen. Als Quotenfrau wird Molly Patel (Mindy Kaling, 40, „Jungfrau (40), männlich, sucht…“) vom Assistenten, sprich Kathrines Prügelknabe, Brad (der wunderbare Denis O´Hare, 57, „True Blood“) eingestellt. Molly hat von Late-Night-Produktionen Null Ahnung, kennt und liebt die Sendung aber seit Jahren und selbstredend ist sie ein großer Fan der Gastgeberin – bis sie diese persönlich kennenlernt.

Filmkritik "Late Night - Die Show ihres Lebens": Emma Thompson als TV-Scheusal

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Die Talk-Show-Idol-Entzauberung dauert ungefähr drei Nanosekunden, dann entgleiten der gutmütigen Molly die Gesichtszüge. (Anm.: Die Schauspielerin und Comedian Mindy Kaling hat das Drehbuch zu „Late Night“ verfasst!) Molly geht von Tag 1 ihrer Probezeit durch die Hölle. Ihre Kollegen sind alles andere als kollegial und die Chefin ist unausstehlich, ein Giftpilz in aller Schönheit.

Kurz gesagt: Herrliche Szenen im Büro mit brillant aufgelegten Schauspielern und besonders schöne auf der Damentoilette (keine Angst, kein Fäkalhumor).

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Das Autorenteam wandelt sich und Kathrine eher langsam

Nach Außen ist Kathrine weiterhin die perfekte Unterhalterin, aber innerhalb der Redaktion wird sie immer fieser. Es brodelt heftig hinter der Fassade. Aber anstatt bei sich selbst anzufangen, lässt die Chefin ihre Wut in hochmütigen und fiesen Angriffen an ihren Angestellten aus. Der Druck lähmt alle. Alle, außer Molly. Sie ist irgendwie der Hofnarr und spricht Dinge an, die sich die anderen, die festangestellten Autoren sich niemals getraut hätten. Und – klar, damit kommt Bewegung in die Sache und letztendlich auch die Lösung.

Filmkritik "Late Night - Die Show ihres Lebens": Emma Thompson als TV-Scheusal

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„Late Night – Die Show Ihres Lebens“ hatte bereits im Januar 2019 auf dem Sundance Film Festival Weltpremiere, lief dann als Abschlussfilm auf dem Münchener Filmfestival und kommt jetzt endlich ins Kino.

Fazit: Wer Emma Thompson liebt, muss da hin. Sie ist wie immer einfach umwerfend, schlagfertig und scharfzüngig! Die Dialoge sind frech bis unverschämt und sind sehr amüsant. Ein absolutes Muss für Emma-Thompson-Fans. (Kinotante Katrin)

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