Filmkritik: Neue Klassiker-Verfilmung über Hochstapler Felix Krull

Filmkritik: Neue Klassiker-Verfilmung über Hochstapler Felix Krull
Filmkritik: Neue Klassiker-Verfilmung über Hochstapler Felix Krull

2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel

30.08.2021 20:00 Uhr

Detlev Buck trifft auf Thomas Mann: Unterstützung bei diesem ambitionierten Unterfangen bekommt der deutsche Regisseur durch Schauspieler wie Jannis Niewöhner und Liv Lisa Fries.

Thomas Mann, das sind nicht nur die „Buddenbrooks“, das ist nicht nur „Der Zauberberg“.

Lesenswert ist auch ein etwas schmaleres, erst in den 1950ern, und damit recht kurz vor Manns Tod, veröffentlichtes Roman-Fragment: Die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ gehört zu den schönsten Schelmenromanen der Moderne, eine unterhaltende, aber durchaus auch ins Metaphysische spielende Geschichte.

Regisseur Detlev Buck hat sich nun des Stoffes angenommen: Fast zwei Stunden lang ist seine, mit bekannten deutschen Schauspielern und Darstellerinnen besetzte Adaption geworden. Vor der Kamera sehen wir: Maria Furtwängler und Jannis Niewöhner genauso wie David Kross, Liv Lisa Fries und Désirée Nosbusch. Das Drehbuch verfasst hat Buck zusammen mit dem Erfolgs-Autor Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“).

Filmkritik: Neue Klassiker-Verfilmung über Hochstapler Felix Krull

2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel

Darum geht’s in „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“

Buck erzählt uns in seinem bunt-verspielten Film von einem gewieften Hochstapler, einem so charmanten wie sympathischen Betrüger. Nach dem frühen Tod des Vaters zieht es Felix hinaus in die weite Welt. In einem Pariser Luxushotel kann er seine Begabungen erstmals voll und ganz ausspielen: Schnell avanciert er vom Liftboy zum Oberkellner, beglückt wie nebenbei feine Society-Damen, darunter die von Furtwängler verkörperte Frau eines Kloschüsselfabrikanten. Krulls körperliche Dienste werden mit Schmuck entlohnt.

Verstrickungen amouröser und anderer Art führen schließlich dazu, dass Krull sich auf einen Deal einlässt: den Rollentausch mit einem unglücklich verliebten Marquis. Schon sitzt der Tausendsassa und Blender Felix Krull im Zug nach Lissabon. Wo niemand Geringeres auf ihn wartet als der König höchstselbst.

Die erste Verfilmung gab es schon 1957

Dies ist nicht die erste Verfilmung des Romans. In Erinnerung ist vielleicht die Version aus dem Jahr 1957 mit Horst Buchholz; 1981 gab es eine Verfilmung fürs Fernsehen. Dass Detlev Buck ein vielseitiger und faszinierender Regisseur (und Schauspieler) ist, hat er an unzähligen Stellen bewiesen: Man denke an seinen tollen Neukölln-Thriller „Knallhart“ von 2006, an unvergessliche Auftritte in Komödien wie „Männerpension“.

Welcher deutsche Regisseur, neben Buck, weiß so unterschiedliche Werke wie „Bibi & Tina“ und „Asphaltgorillas“ in seinem Portfolio? Buck hat eine Affinität zum Überdrehten, zum Bunt-Klamaukigen. Man denke an seinen Hundefilm „Wuff“. Dieser Hang aber zum Klamauk, der tut nun seinem „Felix Krull“ nicht unbedingt an jeder Stelle gut.

Filmkritik: Neue Klassiker-Verfilmung über Hochstapler Felix Krull

2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel

Etwas zuviel Klamauk

Seinem Darsteller-Ensemble etwa scheint der gebürtige Bad Segeberger, der kommendes Jahr 60 wird, eine Exaltiertheit in Mimik und Gestik (auffallend viele weit aufgerissene Augenpaare) verordnet zu haben, die nicht immer überzeugt. Während etwa Liv Lisa Fries („Babylon Berlin“) die Balance zwischen Ernst und Klamauk gekonnt zu halten vermag, gelingt dies David Kross („Knallhart“) weniger. Auch der immens lässig aufspielende Jannis Niewöhner kann nicht gänzlich überzeugen, agiert bisweilen eine Nuance zu überdreht. Zwar lädt auch Manns Romanvorlage zum Lachen ein (man denke an die famose Musterungs-Szene) – derart viel Klamauk wie bei Buck aber wird man im Buch kaum finden.

2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel

Bucks launige Literatur-Adaption ist durchaus unterhaltend, aber nie packend. Interessanterweise hat Buck selbst in einem Interview mit dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ unlängst erklärt, dass er und Thomas Mann sich wohl nicht so gut verstanden hätten: „Ich habe mir immer vorgestellt, wir haben einen Abend zusammen. Er würde nicht auf mich stehen und am Ende sein Veto einlegen, dass ich bei Krull Regie führe“.

Dass Detlev Buck sich aber durchaus auch auf andere, dem Roman vielleicht angemessenere Töne versteht, zeigen die paar Momente, da sich sein „Krull“ ins Philosophisch-Metaphysische weitet: So in der nicht nur schön bebilderten, sondern auch eindringlich gespielten Szene, in der sich Felix während einer Zugfahrt mit dem von Joachim Król verkörperten Professor Kuckuck austauscht: In diesem, beinah melancholisch anmutenden Moment betrachtet Felix Krull sein, im Zugfenster erscheinendes Spiegelbild. Im Hintergrund: ein majestätischer, ein demütig stimmender Sternenhimmel.