Dienstag, 6. November 2018 23:29 Uhr

Filmkritik „Nur ein kleiner Gefallen“: Blake Lively als Leiche voller Rätsel

Von klassischen Hollywood-Komödien zum Thriller: Für „Nur ein kleiner Gefallen“ begibt sich Regisseur Paul Feig auf unbekanntes Terrain – mit ordentlich Starbesetzung. Im Zentrum: Zwei Frauen, deren Beziehung eine unerwartete Wendung nimmt.

Filmkritik "Nur ein kleiner Gefallen": Blake Lively als Leiche voller Rätsel

Foto: LIONSGATE / Peter Iovino

Wie weit darf man in einer Freundschaft gehen? Regisseur Paul Feig bringt in „Nur ein kleiner Gefallen“ eine Antwort auf die Leinwand. Und deckt dabei die menschlichen Abgründe zweier Frauen auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als sich die hilfsbereite Stephanie Smothers (Anna Kendrick) mit der mysteriösen PR-Beraterin Emily Nelson (Blake Lively) einlässt, ahnt sie nicht, wie der Beginn der Freundschaft ihr Leben verändern wird.

Eine Frau voller Rätsel

Während die beiden gleichaltrigen Söhne miteinander spielen, entlocken sich die Mütter mit extra starken Martinis ihre dunkelsten Geheimnisse. Doch sind es wirklich die dunkelsten? Und kann man Emily wirklich trauen? Einer Frau, deren Credo es ist, sich für nichts im Leben zu schämen oder zu entschuldigen.

Die Idylle der feuchtfröhlichen Treffen währt – wie soll es auch anders sein – nicht lange. Ein Notfall. Die geschäftige Emily kann ihren Sohn Nicky nicht rechtzeitig von der Schule abholen. Stephanie übernimmt. Das Problem: Ihre Freundin verschwindet spurlos und holt ihren Sohn nie ab.

Als Emilys Leiche kurze Zeit später in einem See gefunden wird, bleiben viele Fragen offen. Wer war diese Frau, die selbst für ihren Mann Sean Townsend (Henry Golding) immer ein großes Rätsel blieb? Und warum hat dieser kurz vor ihrem Verschwinden eine Lebensversicherung über vier Millionen Euro abgeschlossen?

Nervenkitzel lässt auf sich warten

Für „Nur ein kleiner Gefallen“ begibt sich Regisseur Feig erstmals auf unbekanntes Terrain. Eigentlich kennt man ihn aus klassischen Hollywood-Komödien wie „Brautalarm“, „Spy – Susan Cooper undercover“ und „Ghostbusters“. Nun liefert er seinen ersten Thriller – auch wenn der zu erwartende Nervenkitzel lange Zeit ausbleibt.

Filmkritik "Nur ein kleiner Gefallen": Blake Lively als Leiche voller Rätsel

Foto: LIONSGATE / Peter Iovino

Die Geschichte, die auf dem gleichnamigen Debütroman von Darcey Bell (2017) beruht, ist schnell erzählt und mag dem ein oder anderen vielleicht aus „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (2014) bekannt vorkommen. Dennoch hält der Film einige Überraschungsmomente bereit und lebt vor allem von der Beziehung zwischen Emily und Stephanie. Die geprägt ist von trockenen Dialogen und skurrilen Begegnungen.

Lively und Kendrick überzeugen

Der Zuschauer beobachtet, wie aus Stephanie, der prüden Supermutter, eine selbstbewusste Frau wird, die die Suche nach ihrer Freundin selbst in die Hand nimmt. Und gleichzeitig eine leidenschaftliche Beziehung mit deren Mann eingeht. Von Keksrezepten über Anti-Kater-Smoothies bis hin zur Gazpacho wird ihr Videoblog zum Sprachrohr und Zeuge ihrer Verwandlung.

Filmkritik "Nur ein kleiner Gefallen": Blake Lively als Leiche voller Rätsel

Foto: LIONSGATE / Peter Iovino

Eine Rolle, die für die Schauspielerin Anna Kendrick, unter anderem bekannt aus „Pitch Perfect“ (2012), wie zugeschnitten scheint. Zum einen die nette Mutti von nebenan, zum anderen die selbstbestimmte Frau, die nicht alles mit sich machen lässt. Und auch ihre Schauspielkollegin Blake Lively, die durch die US-Serie „Gossip Girl“ (2007-2012) bekannt wurde, überzeugt mit einer erfrischenden, dunklen Seite – die definitiv für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.

Mit Starbesetzung, hoher Geschwindigkeit und einer gesunden Portion schwarzen Humors schafft es so Regisseur Feig, das Kinopublikum am Ball zu halten – und zu einem turbulenten Ende zu führen – über das sich geschmacklich sicherlich streiten lässt. (Christina Storz, dpa)

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