Dienstag, 28. Mai 2019 23:10 Uhr

Filmkritik „Rocketman“: Berauschende Megashow mit Tiefgang

Foto: Paramount Pictures.

Das kunterbunte Filmmusical um Poplegende und Paradiesvogel Sir Elton John startet am 30. Mai im Kino. Wir haben den Biopic schon gesehen. Hier unser Fazit.

Filmkritik "Rocketman": Berauschende Megashow mit Tiefgang

Gemma Jones und Kit Connor. Foto: Paramount Pictures.

Reginald „Reggie“ Dwight (Taron Egerton) – so der bürgerliche Name des Weltstars Elton John – kommt aus sehr kleinen, bescheidenen Verhältnissen. Der pummelige und schüchterne Junge wächst in der 1960er Jahren in einem Londoner Vorort auf. Er ist das einzige Kind und er ist ungewollt. Der vorherrschende Gefühlszustand in der Familie ist unter Null und ganz besonders dem Vater gebührt eine Goldmedaille in Herzenskälte, wenn es denn diese Disziplin als Sportart gäbe.

Nur Großmutter Ivy (wie immer ein Genuss: Gemma Jones, 76, immer dabei in „Harry Potter“ und „Bridget Jones“) sieht, dass in dem Jungen ein Musiker steckt und ist auch bereit, sich die Zeit zu nehmen, ihn zum Vorspielen zu begleiten. Es klappt: Reggie ist gut genug für ein Stipendium, denn die Eltern hätten nie einen Penny in die Förderung dieser Enttäuschung von Kind gesteckt. Wie gesagt, sehr hässliche Eltern.

„Rocketman“ wird nicht linear erzählt

Elton John wird von insgesamt drei Schauspielern dargestellt. Der jüngste ist Matthew Illesley (9), die Teenagerjahre werden von Kit Connor (14) dargestellt und anschließend übernimmt Shootingstar Taron Egerton. „Rocketman“ wird nicht zeitlich linear erzählt. Der Film setzt an einem Punkt in Eltons Leben ein, den man getrost als kompletten Zusammenbruch beschreiben kann. Elton bricht direkt von der Bühne auf. Im knallengen orangefarbenen Einteiler mit Walle-Cape, der über und über mit Glitzersteinchen besetzt ist und – warum auch nicht, gekrönt von einer Art Badekappe mit Hörnern – geht’s direkt in eine Therapiegruppe.

Und dieses Landen im Kreis der harten Bekenntnisse markiert den Mittelpunkt, das Zentrum von „Rocketman“. Von hier aus kommen die Erinnerungen hoch und werden in Rückblenden erzählt. Erinnerungen aus frühester Kindheit, die Ablehnungen der Eltern, das Ausbrechen mit Hilfe des Klaviers bis hin zum Super-Weltstar, der Stadien im Handumdrehen ausverkauft.

Filmkritik "Rocketman": Berauschende Megashow mit Tiefgang

Richard Madden als John Reid und Taron Egerton. Foto: Paramount Pictures.

Ein Dreamteam findet sich

Reggie heißt nun Elton und der Rock’n’Roll ist sein Lifestyle geworden. Nur der Durchbruch, der lässt auf sich warten und Elton weiss eigentlich auch, warum. Musik schreiben – kein Problem, aber Texte? Nope, dafür hat er kein allzu großes Talent. Mit dem Vermitteln des Texters und Songschreibers Bernie Taupin (Jamie Bell, 33, „Billy Elliot“, „King Kong“) ändert sich das.

Elton John schießt mit „Rocketman“ durch die Decke.

Seine Auftritte in den USA sind drei-zwei-eins ausverkauft. Äußerlich hat Elton sich sehr geändert, aber hey, es sind die 1970er! Seine Kostüme sind immer ein absoluter Hingucker und hinter den Wahnsinnsbrillen steckt ein schrullige Brite, der sich endlich traut, seinen schwulen Lifestyle auszuleben. Der Exzentriker trifft auf John Reid (Richard Madden, 32, „Game Of Thrones“) und wechselt mit ihm das Management. Die beiden sind erst ein Paar, dann Musiker und Manager und schließlich gibt es Krieg.

Filmkritik "Rocketman": Berauschende Megashow mit Tiefgang

Foto: Paramount Pictures.

Der Weltstar stürzt ab

Der Manager betrachtet Elton John eher als eine Art Nutztier, das man brutal ausnutzen kann und damit ist Elton gefühlsmäßig wieder auf vertrautem Boden. Er wird nicht geliebt. Der Rocketman stürzt ab. Drogen, Alkohol, Essen, Kaufräusche und Sex – wie Elton abgeklärt in der Therapiegruppe gesteht, „mit allem, was zwei Beine hat“. Ausgebrannt und im Kern eine unendliche Leere. Dazu setzt Regisseur Fletcher Dexton die Elton-John-Hits ein, musical-like aus dem Moment heraus beginnt Taron Egerton zu singen und manchmal werden Tanznummer daraus.

Berührend sind die Szenen, in denen der kaputte Elton eine jüngere Version von sich wahrnimmt und der kleine Elton, der noch Reggie heißt, anfängt zu singen. Klingt kitschig? Ist es nicht. Taron Egerton schultert diese Szenen bravourö!. Große zeitlose Popsongs werden von dem Briten neu interpretiert und wirken wie gerade erst eingefallen – das sind wirklich großartige Filmmomente.

Filmkritik "Rocketman": Berauschende Megashow mit Tiefgang

Foto: Paramount Pictures.

Nie mehr Selbstbetrug

„Rocketman“ erzählt wie Elton John geprägt wurde, von seinem Durchbruch in den Pop-Olymp, den Absturz und der Erkenntnis, dass man alles werden kann, wenn man ehrlich zu sich ist und sich treu bleibt. Das klingt erst einmal banal, ist es aber überhaupt nicht. Zum Thema Lebenslügen, geliebt werden wollen und sich trauen wirkt „Rocketman“ absolut glaubwürdig. Diese dreidimensionale Tiefe wuppt „Rocketman“ mühelos und glaubwürdig.

Sir Elton John ist heute 72 und sagt von sich selbst, dass er ein glücklicher Ehemann und Familienvater ist und von seinen Süchten ist ihm lediglich der Hang zum Power-Shoppen geblieben. (Kinotante Katrin)

Fazit: In „Rocketman“ ist alles dabei für einen perfekten Kinoabend. Das Biopic erzählt von Elton Johns Kindheit in der Tristesse, seinen Durchbruch in den USA, den totalen Absturz und seinen Neustart durch Therapie. Rundum gelungen, starke Darsteller und wunderbaren Elton-John-Songs.

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