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Mittwoch, 12. Juni 2019 23:53 Uhr

Filmkritik „The Dead Don’t Die“: Bill Murray und Adam Driver jagen Zombies

Foto: Focus Features © 2019 Image Eleven Productions, Inc.

Mit seiner schrägen Zombie-Komödie eröffnete Jim Jarmusch kürzlich das Filmfestival Cannes. Nun kommt das Werk auch bei uns in die Kinos.

Filmkritik "The Dead Don't Die": Bill Murray und Adam Driver jagen Zombies

Foto: Focus Features © 2019 Image Eleven Productions, Inc.

Er drehte schon mit Tilda Swinton und Bill Murray, mit Tom Waits und Adam Driver: Jim Jarmusch gehört zu den bekanntesten Independentregisseuren der USA, der sich trotz einer unverkennbaren Handschrift gern mit jedem Film neu erfindet. So gehören zu seinem Werk bereits Komödien, Dramen, Kurzfilme, Dokumentationen, ein Western und auch ein Vampirfilm. Mal erzählt er von einem älteren Junggesellen, mal von einem Auftragsmörder, dann dreht er eine gefeierte Musik-Doku über Iggy Pop und The Stooges.

Nun trommelte Jarmusch wieder viele seiner Stamm-Schauspieler zusammen und betritt erneut ein ihm unbekanntes Terrain – „The Dead Don’t Die“ ist seine Version einer Zombie-Komödie.

Darum geht’s

Bill Murray, Chloë Sevigny und „Star Wars“-Star Adam Driver spielen darin Polizisten in dem verschlafenen Ort Centerville. Gerade einmal 700 Menschen leben dort, jeder kennt jeden. Das größte Problem der Polizisten scheint zunächst zu sein, dass Farmer Miller (Steve Buscemi) den im Wald lebenden Einsiedler Bob (Tom Waits) beschuldigt, eines seiner Hühner gestohlen zu haben.

Dann aber bleiben die Uhren stehen, die Handys haben keinen Empfang mehr – und eines Nachts stehen die ersten Toten vom Friedhof wieder auf. Iggy Pop und Jarmuschs Partnerin Sara Driver wanken als Zombies zielstrebig ins nächste Diner, töten die Angestellten und machen sich schließlich über den Kaffee her.

Filmkritik "The Dead Don't Die": Bill Murray und Adam Driver jagen Zombies

Foto: Focus Features © 2019 Image Eleven Productions, Inc.

Jarmusch lässt sich Zeit, seine Geschichte zu entwickeln. Hier gibt es keine omnipräsenten Fernseh-Sondersendungen oder Eilmeldungen auf dem Handy, die die Menschen in Centerville in Alarmbereitschaft versetzen. Wie schon in Jarmuschs früheren Werken existieren digitale Medien fast nicht, weswegen auch die Welt in „The Dead Don’t Die“ sehr analog wirkt.

Erst durch die überregionale Zeitung, die am nächsten Tag geliefert wird, wird der größere Zusammenhang dieser Katastrophe klar: Durch Fracking an den Polen hat sich die Erdachse verschoben und bringt alles aus dem Gleichgewicht.

So richtig zünden  will das alles nicht

Schon andere Zombie-Filme wie die von George Romero konnten als Gesellschaftskritik verstanden werden. Und auch Jarmusch verfolgt einen ähnlichen Ansatz: Seine Zombies sehnen sich vor allem nach dem, was ihnen schon zu Lebzeiten am Wichtigsten war. Bei Iggy Pop ist das eben Kaffee (eine hübsche Hommage an Jarmuschs eigenen Kurzfilm „Coffee und Cigarettes“ mit Iggy Pop und Tom Waits), bei anderen sind deutlich materialistischere Dinge das begehrte Ziel. Sie wanken mit Handys durch die Straßen oder durchwühlen die Auslagen in Geschäften.

Filmkritik "The Dead Don't Die": Bill Murray und Adam Driver jagen Zombies

Foto: Focus Features © 2019 Image Eleven Productions, Inc.

So richtig zusammenkommen will das alles aber nicht. Nicht jeder Witz zündet, manche Dialoge wirken etwas wenig pointiert. Überhaupt treibt die Geschichte sehr gemächlich dahin und kann keine wirkliche Spannung entwickeln. Doch wenn man sich einlässt auf dieses extrem entschleunigte Tempo, entwickelt „The Dead Don’t Die“ durchaus einen eigenen Reiz.

Schließlich baut Jarmuschs immer wieder hübsche Ideen ein: Tilda Swinton etwa gibt die schottische Bestatterin des Ortes, die sich dank ihrer asiatischen Kampfkunst bestens gegen die Untoten wehren kann. Die berüchtigte Weinliebhaberin Mallory steht als Zombie wieder auf und kennt nur ein Ziel: „Chardonnay!“. Und der rassistische Farmer – zu erkennen am „Keep America White Again“-Hut – wird von seinen untoten Gefolgsleuten heimgesucht. Grandios ist auch der stimmungsvolle Titelsong von Sturgill Simpson, der immer wieder erklingt.

Filmkritik "The Dead Don't Die": Bill Murray und Adam Driver jagen Zombies

Foto: Focus Features © 2019 Image Eleven Productions, Inc.

Tom Waits punktet

Der große Sympathieträger des Films ist Tom Waits als Einsiedler Bob. Er, der jenseits der Zivilisation lebt, erkennt nicht nur als erster die Zeichen der Natur, dass hier etwas gehörig aus dem Gleichgewicht gerät. Er ist es auch, der am Ende diese Apokalypse analysiert und dabei einen Bogen zu den materialistischen Gesellschaften der Gegenwart schlägt.

Mit „The Dead Don’t Die“ greift Jarmusch den aktuellen Trend zu Zombiewerken wie in der Erfolgs-TV-Serie „The Walking Dead“ zwar etwas spät auf, kann dem Untoten-Genre aber mit seinem Humor und kritischen Gedanken durchaus etwas eigenes hinzufügen. (Aliki Nassoufis, dpa)

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