27.07.2020 23:17 Uhr

Filmkritik „The King of Staten Island“: Erste große Rolle für Pete Davidson

Beim Terroranschlag am 11. September 2001 starben fast 3000 Menschen, darunter viele Feuerwehrleute. Einer von ihnen war Scott Davidson. Sein Sohn Pete war damals sieben Jahre alt. Seine Tragikomödie "The King of Staten Island" erzählt von Wut, Schmerz und einem Neubeginn.

Universal Pictures

Für Pete Davidson ist es eine sehr persönliche Geschichte: Im Film „The King of Staten Island“ spielt der Komiker von „Saturday Night Live“ einen jungen Mann, dessen Vater vor fast 20 Jahren als Feuerwehrmann bei einem Einsatz gestorben ist.

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Auch im echten Leben hat Pete Davidson das erlebt, allerdings kam sein Vater durch den Terroranschlag vom 11. September 2001 in New York ums Leben. Ein Schicksalsschlag, der den damals Siebenjährigen stark prägte.

Mit Regisseur Judd Apatow und Dave Sirus hat Davidson ein autobiografisch gefärbtes Drehbuch geschrieben und nicht nur seinem Vater, sondern auch den vielen anderen Feuerwehrleuten ein Denkmal gesetzt, die bei ihren Einsätzen immer wieder ihr Leben riskieren.

Darum geht’s

Im Film lebt Scott mit 24 noch bei seiner Mutter. Statt sich einen Job zu suchen, hängt er mit Freunden ab, experimentiert mit Drogen und versucht sich als Tattoo-Künstler. Er steckt in spätpubertärer Antriebslosigkeit fest, ohne Ziele, depressiv und ohne Ehrgeiz. Das nervt sogar seine beste Freundin und Gelegenheitsgeliebte Kelsey.

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Doch eines Tages geschieht etwas, was ihn völlig aus der Bahn wirft: Seine Mutter verliebt sich in Ray, ausgerechnet auch ein Feuerwehrmann, so wie Scotts Vater. Scott ist empört, verletzt und voll irrationaler Wut. Auf Ray, auf seine Mutter und auf seinen Vater, der den Heldentod gestorben ist, anstatt sich um seine Familie zu kümmern. Schmerzlich wird Scott klar: So wie bisher kann er nicht weiterleben. Es muss sich dringend etwas ändern.

Filmkritik "The King of Staten Island": Erste große Rolle für Pete Davidson

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Ungewöhnliche Coming-of-Age-Story

The King of Staten Island“ verbindet Drama, Komödie und eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte über das Heranwachsen. Scott ist der sympathische Loser, der aber tief drinnen noch der verschreckte Siebenjährige ist, der verzweifelt um seinen Papa weint und den die Trauer seit Jahren lähmt.

Filmkritik "The King of Staten Island": Erste große Rolle für Pete Davidson

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Davidson, sonst Witzereißer in der US-Fernsehkultshow „Saturday Night Live“, bringt diese Zerrissenheit seiner Figur eindrucksvoll auf die Leinwand, wohl auch, weil er aus eigener Erfahrung schöpfen kann.

„In meiner Filmfigur stecken wahrscheinlich 75 Prozent meines wahren Ichs“, sagt der 26-Jährige. „Vielleicht sogar mehr. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen.“

The King of Staten Island

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Der Film hat Längen

Zwischendurch gibt es ein paar Stellen, die etwas langatmig geraten sind. Immerhin dauert der Film 137 Minuten. Doch die tolle Leistung der Schauspieler macht das mühelos wieder wett. Neben Davidson beeindruckt vor allem Oscar-Gewinnerin Marisa Tomei („In The Bedroom“) als Mutter Margie. Tomei legt großes Feingefühl in ihre Rolle und zeigt eine verhärmte Frau, die voller Selbstzweifel ist und sich ganz vorsichtig an die Beziehung mit Ray herantastet. Mit dabei sind auch Steve Buscemi („Reservoir Dogs“), der Komödiant Bill Burr und Apatows Tochter Maude als Scotts ehrgeizige Schwester.

Die amüsanten Dialoge des Films tun ein Übriges. Apatow („Jungfrau (40), männlich, sucht…“), Davidson und Sirus setzen gekonnt auf Wortwitz und Situationskomik, etwa wenn Margie bei aller Mutterliebe von ihrer Freiheit träumt und Scott ihr treuherzig versichert: „Ich werde für immer hierbleiben.“ (Cordula Dieckmann, dpa)