Filmkritik „Waren einmal Revoluzzer“: Sarkastisches Drama mit Julia Jentsch

Filmkritik "Waren einmal Revoluzzer": Sarkastisches Drama mit Julia Jentsch
Filmkritik "Waren einmal Revoluzzer": Sarkastisches Drama mit Julia Jentsch

JIP Film und Verleih

06.09.2021 22:45 Uhr

Nicht nur von Hilfe reden, sondern tatsächlich Menschen in Not helfen. Wie schwierig das sein kann, zeigt dieser Film mit einer überzeugenden Julia Jentsch in der Hauptrolle.

Es sind ihre traurigen Blicke, die uns früh verraten, dass in diesem vermeintlichen Bilderbuchleben etwas nicht stimmt.

Die Richterin Helene (Julia Jentsch) ist beruflich erfolgreich, hat zwei Kinder, eine hübsche Wiener Altbauwohnung und mit Jacob (Manuel Rubey) einen Musiker als Mann, der sich selbst verwirklichen darf.

Als sich ihr Studienfreund Viktor (Tambet Tuisk) aus Moskau meldet und um Hilfe bittet, zögert Helene keine Sekunde.

Filmkritik "Waren einmal Revoluzzer": Sarkastisches Drama mit Julia Jentsch
Das Auto ist voll, die Stimmung gut - allerdings nicht bei allen.

-/JIP Film und Verleih/dpa

Wenn es ernst wird ist sich jeder selbst der Nächste

Zusammen mit ihrem Freund Volker (Marcel Mohab) und dessen Freundin Tina (Aenne Schwarz) ermöglichen sie Viktor die Ausreise nach Österreich. Der steht bald vor der Tür – und hat seine Frau samt Baby gleich mitgebracht. Sehr schnell tritt an die Stelle von selbstloser Hilfsbereitschaft die Panik, das eigene bequeme Leben ein wenig ändern zu müssen.

Die österreichische Regisseurin Johanna Moder hat mit „Waren einmal Revoluzzer“ ein hellsichtiges Drama in Szene gesetzt und legt sarkastisch den Finger in die Wunde: Wenn es ernst wird mit der Solidarität, ziehen sich westliche Wohlstandsmenschen schnell wieder in ihr weich gepolstertes Schneckenhaus zurück.

„Waren einmal Revoluzzer“ als bissiges Drama

Die Russen sind da, und eigentlich will sich keiner um sie kümmern. Die eine hat Angst um ihren Job, der andere steckt gerade in der Schaffenskrise. Und die Kinder sind ja schon stressig genug. Einen Grund gibt es immer, warum man gerade jetzt nichts machen kann. Nur die Kunstgeschichtlerin Tina lässt sich wirklich auf die Neuankömmlinge ein. Derweil scheinen sich die Beziehungen zwischen den Paaren im freien Fall zu befinden.

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Mit einem pointierten Drehbuch und einem schönen Gastauftritt von Kabarettist und Filmemacher Josef Hader („Wilde Maus“) lässt Moders bissiges Drama alle Illusionen von Solidarität wie Seifenblasen platzen. Das Ende wirkt dann ein wenig unentschlossen. Einfach weiter über italienischen Rotwein zu palavern, kann nicht die Lösung sein. Und auch der Filmtitel verspricht zu viel: Als Revoluzzer kann man sich beim besten Willen keinen dieser vier braven Gutmenschen vorstellen.

„Waren einmal Revoluzzer“, Österreich 2019, 102 Min., von Johanna Moder, mit Julia Jentsch, Manuel Rubey, Marcel Mohab, Aenne Schwarz.

 

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