Frances McDormand wieder auf Oscar-Kurs: Alles über „Nomadland“

Frances McDormand wieder auf Oscar-Kurs: Alles über "Nomadland"

© 2020 20th Century Studios All Rights Reserved

17.01.2021 22:10 Uhr

Frisch preisgekrönt: "Nomadland" ist ein wortkarger On-the-Road-Film, in dem die zweifache Oscar-Preisträgerin Frances McDormand (63) die Hauptrolle spielt.

In ihrem abgehalfterten Wohnmobil rumpelt die Outsiderin Fern quer durch entlegene Gebiete der USA und führt somit ein Nomanden-Leben. Ausgespuckt von der Wenn-du-willst-schaffst-du-alles-Gesellschaft mäandert die Vagabundin durch eine unwirtliche weite Welt, immer abseits vom Schuss. Nur für Geldjobs, die immer hart und schlecht bezahlt sind, heuert sie als Saisonkraft an.

Frances McDormand wieder auf Oscar-Kurs: Alles über "Nomadland"

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„Nomadland“ zeigt entwurzelte Menschen

Ein ziemlich knarziges Gesicht hat Frances McDormand schon – das macht ihren Wiedererkennungswert schon mal sehr einfach. Wenn sie in „Nomadland“ mit zerstrubbeltem Haar, denn Frisur kann man das nicht mehr nennen, dann liegt das am ewigen Wind und wahrscheinlich ist es ihrer Filmfigur Fern eher egal.

Wie unter einem Brennglas zeigt der Film alte bis steinalte Menschen, für die kein Ruhestand vorgesehen ist. Knüppeln bis zum Umfallen.

Die Filmvorlage liefert ein Sachbuch

Wie mutig! Das Road-Movie orientiert sich an dem Sachbuchbestseller Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert von Jessica Bruder, erschienen beim Blessing Verlag. Die amerikanische Journalistin hat Frauen und Männer im hohen Rentenalter über Jahre immer wieder begleitet. Miese Jobs, Schichtarbeit im Akkord, widerliche Chefs bzw. wichtig tuende Vorarbeiter und nicht zuletzt immer wieder Dramen um defekte Trailer-Mobile. Jessica Bruder hat sehr genau hingesehen – auf das Land, auf Einzelschicksale und auf einen unerschütterliches Zusammenhalt der Oldies. Das Buch ist starker Tobak und macht einmal mehr dankbar, in einem Sozialstaat zu leben.

Frances McDormand wieder auf Oscar-Kurs: Alles über "Nomadland"

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Vorschusslorbeeren ohne Ende

„Nomadland“ hat schon jede Menge wichtiger Preise gewonnen und wurde ziemlich häufig mindestens nominiert. Die wichtigsten Preise in der Kategorie Bester Film räumte „Nomadland“ bislang ab bei:

– Kritiker-Preis Gotham Awards 2021
– Alliance of Women Film Journalists Awards 2020
– Boston Society of Film Critics Awards 2020 und der
– Chicago Film Critics Association Awards 2020

Die chinesische Regisseurin Chloé Zhao (38, Songs My Brothers Taught Me, The Rider) wurde ebenfalls schon mit Preisen überhäuft und dürfte bereits im Oscar-Fieber sein:

– Goldener Löwe bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2020,
– Los Angeles Film Critics Association Awards 2020 und dem
– Toronto International Film Festival 2020.

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Die Filmhits mit Frances McDormand

Wer sich für Filme mit Frances McDormand interessiert, dem gratulieren wir jetzt schon mal und empfehlen aus dem unendlich reichen Portfolio:

– Missisippi Burning (1988) mit Gene Hackman und William Dafoe
– Short Cuts (1993) – der Cast liest sich – wie bei allen Robert-Altman-Filmen – wie das Who is who von Erster-Sahne-Schauspielern: u.a. Tim Robbins, Robert Downey Jr., Julian Moore, Tom Waits
– Fargo (1996), Regie führte ihr Ehemann Joel Coen (ja, genau, das ist einer der Coen-Brüder). Für die Rolle der hochschwangeren Polizistin auf Mörderjagd gab es Oscar Nr. 1 für Frances McDormand.
– Der 2. Oscar ließ etwas auf sich warten, den hat sie 2017 als wütende Mutter einer ermordeten Tochter für „Three Billboards Outside Ebbing„, Missouri bekommen.

Geplanter Start von „Nomadland“ in den deutschen Kinos ist der 4. April! (Kinotante Katrin)