Samstag, 30. November 2019 22:25 Uhr

„Freies Land“: Alles über den neuen düsteren Ossi-Thriller

© Verleih Telepool

Am 9. Januar startet in den deutschen Kinos der Thriller „Freies Land“. Regisseur Christian Alvart („Antikörper“, „Dogs of Berlin“, die Til-Schweiger-Tatorte) präsentiert einen düsteren Krimi der besonderen Art.

Alvart inszeniert seine beiden von Felix Kramer („Dogs Of Berlin“) und Trystan Pütter („Toni Erdmann“, „Transit“, „Ku’damm 53“) genial verkörperten Ermittler mit großem Gespür für die Dichte und Temperatur, die für einen vielschichtigen Thriller immer unentbehrlich sind. Ihm gelingt damit eine zutiefst beunruhigende, aufregende und scharfsichtig komponierte Geschichte, die von einer schmerzenden Wunde aus unserer jüngsten deutscher Vergangenheit erzählt.

"Freies Land": Alles über den neuen düsteren Ossi-Thriller

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Darum geht’s

1992 in Ostdeutschland: Über dem Land schwebt die vage Hoffnung auf eine rosige Zukunft, doch auf dem Boden der Tatsachen macht sich Enttäuschung breit. Dieser deutsche Winter der Unzufriedenheit entführt zwei sehr unterschiedliche Ermittler in ein entlegenes Dorf, aus dem zwei Schwestern spurlos verschwunden sind. Zunächst scheint der Fall klar: in den Westen abgehauen sind sie, so die einsilbige Aussage der Nachbarn. Wer wollte schließlich nicht dem allzu schnellen Niedergang der Region entfliehen?

Die beiden Kommissare Stein (Trystan Pütter) und Bach (Felix Kramer) wundern sich zunehmend darüber, dass sich am Verschwinden der Schwestern scheinbar niemand stört, es herrscht diffuses Schweigen. Und auch bei der Kriminalleitung ist man selbst dann kaum interessiert als sich herausstellt, dass bereits früher Mädchen aus dem Dorf verschwunden sind. Als dann die schwer misshandelten Leichen der beiden Schwestern gefunden werden, dämmert Stein und Bach, dass sie es mit einer Mordserie zu tun haben und mit einer zutiefst verstörten Gemeinschaft, in der die Wahrheit ihren Wert verloren hat.

Vorlage „Mörderland“

„Freies Land“ nähert sich dem Thema mit den Werkzeugen des Genres Krimi. Mit „La Isla Minima – Mörderland“ (2014) fand sich eine starke Vorlage, die ihrerseits anhand des Kriminalfalls ein Porträt Spaniens in der Post-Franco-Ära zeichnet.

Für die deutsche Version bot sich in der Begegnung der beiden Kommissare die Möglichkeit, sie als eine Begegnung von Ost und West zu erzählen, als ein Aufeinanderprallen unterschiedlicher Charaktere mit radikal entgegengesetzten Lebensläufen – nicht nur exemplarisch, sondern auch als Individuen.

"Freies Land": Alles über den neuen düsteren Ossi-Thriller

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Dazu sagte Alvart in einer Mitteilung des Verleihers: „Nach nunmehr 30 Jahren Nachwendezeit zeigt sich mit wachsender Deutlichkeit, was für ein radikaler Bruch die Wiedervereinigung für die meisten Deutschen, vor allem (aber nicht nur) im Osten bedeutete. Im Freudentaumel der Wende kamen Ängste, Erschütterungen, Traumata nur leise und das Wunder-Narrativ störend zur Sprache. Doch dieses fundamentale Ereignis schickt auch heute noch Schockwellen durchs Land. Wir müssen immer wieder neu erfahren, wie nachhaltig es Menschen prägt, wenn Systeme zusammenbrechen, Lebenswirklichkeiten über den Haufen geworfen werden und, im Falle der DDR, ein ganzes Land abgewickelt wird. Renovierte Straßen und Fassaden täuschen nicht länger über tiefgehende Verletzungen hinweg. Manchmal entsteht ein unverstellter Blick erst in der Distanz. Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums, aber auch der politischen Zerrissenheit des Landes, beschäftigt sich die Nation mit den Geburtsstunden des wiedervereinten Deutschlands. Was lief damals falsch? Was hat Narben hinterlassen? Wo ist man sich unehrlich begegnet, hat seine Vorurteile in die ’neue‘ Beziehung mit eingebracht?“

"Freies Land": Alles über den neuen düsteren Ossi-Thriller

Alvart weiter: „Die Ängste des Westlers vor dem unbekannten Osten und des Ostlers vor der unbekannten Zukunft begleiten die Ermittlungen und finden ihren Ausdruck in teilweise mystisch überhöhten Begegnungen. Unsere gebrochenen Helden jagen ein Phantom in einem kargen Landstrich, der von Frost und Rost überzogen ist, als ob der Ereignissturm der Nachwende das Land in einem buchstäblichen Schockzustand festgefroren hält.“

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