Samstag, 1. Februar 2020 22:53 Uhr

George MacKay: Alles über den Star des 10-fach Oscar-nominierten Dramas „1917“

2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC.

Seit Mitte Januar läuft das phänomenale Kriegsepos „1917“ in unseren Kinos. Regisseur ist der Brite Sam Mendes, ein gestandener Fachmann, der für seinen Film „American Beauty“ 1999 einen Oscar erhalten hat. Wem das schon zu lange her ist, dem sagen aber sicher die beiden letzten James-Bond-Abenteuer „Skyfall“ und „Spectre“ etwas – auch dahinter steckt Sam Mendes. „1917“ ist für zehn Oscars nominiert.

In „1917“ hat der Ausnahme-Regisseur die Kriegsgeschichten seines Großvaters verwebt und ist mit dem Film erneut auf Oscar-Kurs. Die Rolle des Großvaters, Alfred H. Mendes, spielt der großartige George MacKay, den wir hier näher vorstellen möchten. Allein sein Gesicht ist schon einzigartig.

George MacKay: Alles über den Star des Oscar-nominierten Dramas "1917"

Sam Mendes und George MacKay. 2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC.

Für „1917“ hat Mendes sich was ganz besonderes einfallen lassen. Der gesamte Film ist in einer scheinbaren One-Shot-Aufnahme gedreht worden. Der Zuschauer ist die ganze Zeit mit den Figuren in Echtzeit unterwegs, mehr noch, man klebt den Soldaten im Nacken. Man rennt mit ihnen durch die Schützengräben und ganz ehrlich, wenn es heißt Angriff, raus aus dem Graben feindwärts (damit sind die Deutschen gemeint, die den 1. Weltkrieg schließlich angezettelt haben), dann sitzt das Herz des Kinobesuchers schon ganz unten in der Hose. Und immer denkt man, es ist nur eine Kamerafahrt.

„1917“ ist unglaublich packend und nah erzählt, das es so hektisch in einem Stellungskrieg zugehen kann, in dem die Armeen sich in Schützengräben gegenüberliegen und eigentlich kaum bewegen, dass ist eine höchst innovative Art, die Geschichte zu erzählen. Und damit sind wir beim Thema. Die zwei Hauptakteure in „1917“ sind die britischen Schauspieler George MacKay und Dean-Charles Chapman.

An „1917“ kommt kein Kriegsfilm mehr vorbei

Die Story ist simpel und unmöglich zugleich. Das Wagnis, das Sam Mendes mit der ganzen Art und Weise eingegangen ist, die Geschichte umzusetzen, hat sich wirklich gelohnt. Nicht zuletzt steht für den Erfolg die Leistung des Hauptdarstellers George MacKay (27). George ist ein Großstadtkind, aufgewachsen in London probierte er sich schon im Kleinkindalter auf und – hoppla, auch schon vor der Bühne aus. 2006 kam die erste kleinere Rolle in der Romanverfilmung „Der Herr der Diebe“ von der deutsche Bestsellerautorin Cornelia Funke. Kleine Rolle, aber große Produktion, so kommt man weiter und prompt wurde der Jungschauspieler ebenfalls 2006 in „Tsumami – Die Killerwelle“ besetzt und der Cast liest sich schon sehr beeindruckend: Tim Roth („Rob Roy“, „Lie to me“), Downten-Abbey-Star Hugh Bonneville und Chiwetel Ejiofor („12 Years A Slave“).

George MacKay: Alles über den Star des Oscar-nominierten Dramas "1917"

George MacKay & Dean-Charles Chapman. Foto: Universal Pictures / O.Walterscheid

Mit 16 spielte George in seinem ersten Kriegsfilm ein Geschwister an der Seite von keinem Geringerem als dem aktuellen Bond-Darsteller Daniel Craig. „Defiance – Für meine Brüder die niemals aufgaben“ war der Titel, Regie Edward Zwick, der sich einen Namen als Epen-Spezialist gemacht hat. George spielte darin einen von vier polnischen Brüdern, die den Nazis Paroli bieten und Juden retten. Die anderen beiden Brüder werden von Jamie Bell („Rocket Man“, „Billie Elliott“) und Liev Schreiber („Der bunte Schleier“, „The Manchurian Candidate“).

Mit „Pride“ hat es Zoom gemacht!

2014 kam „Pride“ in die Kinos und mit dieser sehr witzig bis bitter-traurig erzählten Geschichte von lesbischen und schwulen Aktivisten aus London, die walisische Kohle-Kumpel mit dem Motto: „Lesben und Schwule für die Bergarbeiter“ beim Streik unterstützen. Sie sammeln nicht nur fleißig Geld, sondern fahren auch nach Wales.

George MacKay: Alles über den Star des 10-fach Oscar-nominierten Dramas "1917"

2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC.

Wenn man sich dann noch bewusst macht, dass der Film nach einer wahren Geschichte gedreht wurde, schließt man garantiert alle Beteiligten einmal mehr ins Herz. George MacKay spielt den jungen Mann Joe Cooper, der als Fotograf die Aktionen dokumentiert. Er wohnt noch zu Hause bei seinen stock-konservativen Eltern und muss lügen („Ich nehme das Wochenende an einem Kuchen-Back-Seminar teil“), um die Reise nach Wales mitmachen zu können. Absolut kein Coming-Out bei denen in Sicht.

Und bevor wir fortfahren, ist es gut zu wissen, dass die Story 1984 spielt – also volle Härte Margaret-Thatcher-Zeit und AIDS breitet sich weiter aggressiv aus. Wie die Aktivisten das walisische Dorf entern und mit dem Vorurteilen aufräumen – und umgekehrt (!) ist schon sehr warmherzig und urkomisch in Szene gesetzt. Der Gegenbesuch der Dorfbewohner ins quirlige London erfolgt auf dem Fuße. Sehr witzig und sehr britisch! Nach dem Ende des Streiks kommen die Bergarbeiter 1985 mit mehreren Bussen zur Demo „Gay Pride“, wo sie die Spitze des Zuges bilden – wow, sehr ergreifend! Wie gesagt – ein toller Film.

George MacKay: Alles über den Star des Oscar-nominierten Dramas "1917"

2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC.

Ein durchtrainierter Teenager

Ein ebenfalls wuchtiger Film ist „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“. Der Streifen kam 2016 in die Kinos. Eine us-amerikanische Familie lebt im Wald und der sehr querulantische Vater – gespielt von Viggo Mortensen („Herr der Ringe“), hat es nicht so mit den Errungenschaften der Zivilisation. Sein ältester Sohn Bodevan wird von George MacKay gespielt. Der Aussteiger-Vater drillt alle seine Kinder – Ziel ist immer überlegen und fit zu sein. Das Familien-Credo lautet: Benutze gefälligst deinen Verstand! Natürlich hält die Familie zusammen wie ein Organ, bis die Mutter stirbt. Dann gibt es das titelgebende „Einmal Wildnis und zurück“. Georges gibt seinen Bodevan scharfzüngig und unerfahren zugleich. Topfit und schlau und total daneben für ein angemessenes Verhalten in der amerikanischen Gesellschaft.

George MacKay: Alles über den Star des Oscar-nominierten Dramas "1917"

Foto: Dave J Hogan 2019/Universal Pictures

2020 ist sein Jahr

Die Soldaten Blake (Dean-Charles Chapman, Game of Thrones) und Schofiled (George MacKay) kommen zu einem Auftrag wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Sie müssen jasagen, obwohl keiner von beiden weiß, wie der Job eigentlich aussieht. Und als sie es wissen, wird Schofield blass um die Nase. Sie sollen raus aus dem Schützengraben, rüber über die Frontlinie, quer durch Feindesland rennen und einem anderen Bataillon eine lebensrettende Warnung überbringen.

„Als Schofield die Nachricht von der Mission erhält, ist er zunächst vorsichtig“, sagt MacKay im Presseheft. „Schofield ist der erfahrene Soldat der beiden. Er macht das schon etwa ein Jahr länger als Blake. Das macht ihn nicht zu einem Supersoldaten oder so, aber er hat bei all dem mehr Erfahrung. Er ist ein moralischer Mann und er versteht, was getan werden muss, aber er versucht, es so sicher wie möglich zu tun, weil er Erfahrung hat. Es wird angedeutet, dass er die Schlacht von Thiepval überlebt hat, wo die Soldaten nach Informationen handelten, die sich als falsch herausstellten, und sie erlitten schreckliche, schreckliche Verluste. Er hat Menschen verloren, er ist selbst fast gestorben, und das will er nicht noch einmal erleben.“

Sam Mendes macht dazu klar: „Unsere beiden Hauptfiguren werden auf eine gefährliche Reise durch feindliches Gebiet geschickt, um eine wichtige Botschaft zu übermitteln, um 1.600 Soldaten zu retten, und unsere Kamera verlässt sie nie. Ich wollte jeden Schritt dieser Jungs begleiten und jeden Atemzug mit ihnen atmen, und Kameramann Roger Deakins und ich diskutierten, wie wir 1917 auf eine alle Sinne umfassende Weise filmen konnten. Wir haben es so konzipiert, dass das Publikum ihrer Erfahrung so nah wie möglich kommt. Es war der aufregendste Job meiner Karriere.“

In MacKay fand Mendes einen Schauspieler, sondern auch einen Darsteller, der Qualitäten verkörpert, die er dem Helden zuschreibt.

„Es gibt etwas an George, das etwas altmodisch ist, in der Hinsicht, dass er einige Tugenden verkörpert – Ehre, Würde, Heldenhaftigkeit, die fast aus einer anderen Zeit stammen. Er hat etwas Zeitloses“, sagt Mendes. „Es gibt auch ein Klassenelement, das in der Geschichte enthalten ist. Schofield hat eine Gymnasiasten-Qualität an sich – in diesem Land würden wir es ‚Mittelschicht‘ nennen. Er ist höflich, zurückhaltend und ziemlich englisch erzogen worden. Aber er hat auch diese riesige innere Landschaft. George hat eine immense Subtilität und die Fähigkeit, all diese Dinge ohne große Gesten zu vermitteln.“

Was kann man schöneres über einen Jung-Star aus England sagen?

Die 10  Oscar-Nominierungen für „1917“

Bester Film
Beste Regie: Sam Mendes
Bestes Drehbuch: Sam Mendes & Krysty Wilson-Cairns
Beste Kamera: Roger Deakins
Bestes Szenenbild: Dennis Gassner, Lee Sandales
Beste Filmmusik: Thomas Newman
Bestes Make-up: Naomi Donne, Tristan Versluis und Rebecca Cole
Bester Ton: Mark Taylor und Stuart Wilson
Bester Tonschnitt: Oliver Tarney und Rachael Tate
Beste visuelle Effekte: Guillaume Rocheron, Greg Butler und Dominic Tuohy

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