16.12.2019 19:44 Uhr

Harvey Weinstein betrauert seine fast vergessene Bedeutung

imago images / UPI Photo

Der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte Weinstein zeigt sich in einem neuen Interview nicht gerade von seiner besten Seite. In einem Luxus-Krankenhaus mit eigenem Koch und Concierge redete Harvey Weinstein nun über seine herausragende Leistung für Frauen in Hollywood.

In seinem luxuriösen Krankenhaus-Zimmer zeigte sich Herr Weinstein gebrechlich. Wegen einer Verletzung am Rücken ist er nun operiert worden. Er gibt sich schwächlich, doch über sich reden kann er. In einem Interview mit der Bouelvard-Zeitung „New York Post“ gibt er sich stolz. Der einstige Star-Produzent denkt, dass seine „Arbeit in Vergessenheit geraten ist“. Über seine Filme redet dieser Tage eher keiner mehr. Dafür gibt es weitaus interessantere Dinge zu bereden.

Weinstein, der Großzügige?

Vielmehr stellt er sich in dem Gespräch als großzügige Person dar: „Ich habe mich zum Erfolg gemacht. Ich hatte kein Geld und ich habe ein Imperium aufgebaut mit Miramax und habe mich dafür entschlossen etwas zurückzugeben“, sagte der Filmproduzent der „New York Post“. Er versucht nun vor allem seine Wohltätigkeitszwecke in den Vordergrund zu stellen, doch als die Reporterin die Vergewaltigungsvorwürfe anspricht, blockt er ab und droht das Interview sofort zu beenden. Die Journalistin beschreibt seine Reaktion emotional als „typischer Tyrann“.

Weinstein will seinen einstigen Ruf wiederherstellen: „Ich möchte, dass die Stadt anerkennt, wer ich war, anstelle von dem, was ich geworden bin“, klagt der 67-Jährige. Dabei habe er ja so viel für die Frauen in Hollywood getan :“ Ich habe mehr Filme mit weiblichen Regisseuren und über Frauen gemacht, als jeder andere Filmemacher. Ich rede von vor 30 Jahren und nicht  von heute, wo es angesagt ist. Ich habe es zuerst getan! Ich habe den Weg bereitet.“.

Harvey Weinstein betrauert seine fast vergessene Bedeutung

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Er hat sooooo viel für die Frauen getan

Gwyneth Paltrow beispielsweise habe er besser für die Rolle in dem Film „Flight Girls – Blondinen im Anflug“ bezahlt als irgendeinem Mann in dem Business. Dafür bekam sie 2003 angeblich zehn Millionen Dollar. Weinstein war damals im Vorstand von Miramax, der 1979 gegründete Produktionsgesellschaft der Brüder Harvey und Bob Weinstein (2005 gründfeten die beiden die „Weinstein Company“, nachdem Disney Miramax abgekauft hatte.)

Gwyneth Paltrow beschuldigt ihn Jahre später ebenfalls der sexuellen Belästigung. Sie sagt, er habe sie 1994, als sie 22 Jahre alt war, bei einem angeblichen Businessmeeting in seinem Hotelzimmer versucht zu massieren.

Das Weinsteinsche Selbstmitleid führt wohl eher dazu, dass ihm keiner mehr zuhören möchte. Er muss sich ab dem 6. Januar 2020 wieder vor einem amerikanischen Gericht u.a. wegen Vergewaltigung einer langjährigen Liebhaberin und gewaltsamen Oralsex an einer Produktionsassistentin verantworten.

In Folge des Weinstein-Skandals meldete „The Weinstein Company“ im Februar 2018 Insolvenz an.

Die größten Erfolge von Miramax und der Weinstein Company

Miramax:

Pulp Fiction (1994)
Der englische Patient (1996)
Das Leben ist schön (1997)
Good Will Hunting (1997)
Shakespeare in Love (1998)
Scary Movie (2000)
Chicago (2002)
Aviator (2004)

The Weinstein Company:

Tropa de Elite (2007)
Der Vorleser (2008)
Inglourious Basterds (2009)
The King’s Speech (2010)
The Artist (2011)
Django Unchained (2012)
The Hateful Eight (2015)