Samstag, 23. März 2019 21:05 Uhr

Hier sind 8 Minuten Quentin Tarantino für Einsteiger

Ausnahme-Regisseur Quentin Tarantino ist gerade dabei seinen neunten Spielfilm fertigzustellen. „Once Upon A Time in Hollywood“ startet im August diesen Jahres in den Kinos. Diese Woche gab’s den ersten Trailer dazu und die Fans sind ganz aus dem Häuschen.

Hier sind 8 Minuten Quentin Tarantino für Einsteiger

Leonardo DiCaprio und Regisseur Quentin Tarantino am Set von „Once upon A Time…“. Foto: SonyPictures

Um uns die Vorfreude zu versüßen, werfen wir mal einen Blick auf das OEuvre desRegisseurs Für die, die des Meisters Werke noch nicht so einschätzen können!

Als Drehbuchautor hat er geniale Stoffe geliefert für Filme wie „True Romance“, „Natural Born Killers“, „Four Rooms“, „From Dusk Till Dawn“ und „The Rock“. Aber das 8st eine andere Geschichte.

Ein Kauz, der weiß wie stylish geht

Eins ist mal klar: Tarantino ist ein Kauz, ein Sonderling, der bereits 1992 mit seinem ersten Film „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ Kinogeschichte geschrieben hat. Er gilt als der Autorenfilmer schlechthin, denn sämtliche seiner Filme fußen auf seinen Ideen, ganz gleich ob inhaltlicher oder stylischer Art.

Foto: Adriana M. Barraza/WENN.com

Sein Einfall für „Reservoir Dogs“ (1992) ist ein völlig vermasselter Überfall. Die Beteiligten treffen sich in einem Restaurant und versuchen herauszufinden, wer die Kohle hat und fast alle tragen Farben als Nachnamen. Tarantino tritt selbst als Mr Brown auf.

Die Mischung zwischen scheinbar belanglosem Smalltalk und brutalsten Gewaltausbrüchen war absolut neu und sehr unterhaltsam. So schwingen sich die Herren Gangster von Thema zu Thema, z.B. über das Thema Trinkgeld geben oder nicht, worum geht es eigentlich in Madonnas Hit „Like Virgin“ usw.. Immer ordentlich neben der Spur, aber logisch und auf den Punkt. Die Gangster-Tischgespräche sind ein Brüller und die Gewaltszenen leider auch.

Und dann kam „Pulp Fiction“

Keine zwei Jahre später, 1994, legt Tarantino sein nächstes Werk vor. An „Pulp Fiction“ (in etwa mit Groschenroman gleichzusetzen), kommt nun wirklich niemand vorbei. Tarantino hat für sein Drehbuch einen Oscar kassiert und in Cannes die Goldene Palme als bester Film gewonnen.

„Pulp Fiction“ ist in drei Erzählstränge gegliedert, die miteinander verwoben werden. Die Zutaten kennen wir schon aus „Reservoir Dogs“, sind hier aber geradezu genial ausgewalzt. In diesen abschweifenden Dialogen über Fußmassagen, die Klärung „die Bonnie-Situation“ oder die kultige Twist-Tanznummer von Uma Thurman und John Travolta stimmt einfach alles – auch die Gewaltszenen. Gerade diese Fallhöhe von banal zu tödlich hat Tarantino präzise getroffen. Mit Bruce Willis, Amanda Plummer, Tim Roth, Rosanna Arquette u.v.a.. Ein Filmjuwel. Punkt.

Nach dem ganzen Männergedöns

Mit „Jackie Brown“ legt Tarantino 1997 endlich mal eine Frau als Hauptakteurin an. Pam Grier spielt Jackie Brown und ihr könnte man bis ans Ende aller Tage zusehen. Das Zentrum des Films ist wieder ein Überfall und die Frage, wer hier wen in die Pfanne haut. Ganz vorn dabei in einer Nebenhandlung sind der große Robert De Niro als Verbrecher-Dumpfbacke, Bridget Fonda als Surfergirl Melanie und Tarantinos Leib- und Magen-Darsteller Samuel L. Jackson. „Jackie Brown“ ist ein Film, der immer besser wird, je öfter man ihn sieht.

Kung Fu Fighting im Doppelpack

Mit „Kill Bill“ Vol. 1 (2003) und Vol. 2 (2004) setzt Tarantino voll auf seine Muse Uma Thurman. Uma Thurman als „Black Mamba“ ist auf Rache aus. Actionverwertbare Rache versteht sich bei Tarantino ja von selbst. Was diese Frau kickt, tritt, schlägt und rennt reicht für zwei Leben eines Breitensportlers im Verein. Auf den Punkt gebracht: In „Kill Bill Vol.1“ gibt’s Kung Fu pur und in Vol 2. die Massaker-Erklärung dazu. Im Zentrum des Hasses steht eine ganz große Stilikone: David Carradine. Und dazu gibt’s Disco-Hits aus den 70ern. Santa Esmeraldas „Don’t Let Me Be Misunderstood“ zu einer Martial-Arts-Szene. Darauf kommt nur Tarantino!

Stuntman Mike in „Death Proof“

„Death Proof“ (2007) hat eine der schönsten Eingangsszenen von allen Tarantino-Filmen. Vier Mädchen fahren in einem Wagen durch die Gegend, parken, gehen in ein Haus und eine sagt, dass sie dringend mal pinkeln muss. Klingt banal? Nicht, wenn Tarantino seine Finger im Spiel hat! Irgendwann betritt Stuntman Mike (Kurt Russell) die Szenerie und mordet „Death Proof“vor sich hin. Ein eher schlichter Streifen.

Dann kam 2009 „Inglourious Basterds“. Motto: Jagt die Bösen in die Luft! Die Bösen sind die Deutschen im 2. Weltkrieg und die Guten alle anderen. So könnte der Auftrag heißen, den die tapferen Krieger rund um Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) angenommen haben und der immer waghalsiger wird, je dichter man dem Diktator kommt, um ihn in die Luft zu sprengen. Als Gegenspieler hat Christoph Waltz sich in eine Naziuniform gezwängt und damit einen Oscar abgeräumt.

Toller Soundtrack und ein noch tollerer Cast (Melanie Laurent, August Diehl, Diane Kruger, Daniel Brühl u.v.m.).

Ein Blick in die amerikanische Geschichte

„Django Unchained“ (2012) ist ein Film über die Zeit in den USA, in der es Sklaven und Sklavenhalter gab. Tarantino erzählt 2014 diese grausame und herzlose Geschichte als Western. Christoph Waltz ist wieder mit dabei, diesmal als zwielichtiger, über die Lande fahrende, Zahnarzt, der Django (Oscar-Preisträger Jamie Foxx) zur Flucht verhilft und ihm dann als Racheengel zur Seite steht. „Django Unchained“ hat eine enorme Diskussion über Umgang mit Geschichte in den USA entfacht. Allein dafür: Hut ab!

Ein Kammerspiel im Schnee „The Hateful 8“

Der bislang letzte Film Tarantinos, „The Hateful 8“ (2015), spielt in einer Herberge – „Minnie’s Haberdashery“ – mit Verkaufsraum für Gemischtwaren im tiefsten Wyoming nach dem Bürgerkrieg, so in etwa um 1870.

Ein nicht enden wollender Schneesturm hält die Reisenden in Minnies Herberge fest. Damit ist das Klaustrophobische eines Kammerspiels gesetzt und die Gestrandeten beginnen sich nach und nach an die Kehle zu gehen. Ein Lagerkoller ist natürlich nicht der Grund… Was in den einzelnen Kapiteln entblättert, ist extrem durchtrieben und wird, wie so oft, nicht chronologisch erzählt. Mit von der Partie in der Schneehölle sind zwei Kopfgeldjäger (Samuel L. Jackson und Kurt Russell)

Tarantino hat nach „Jackie Brown“ endlich wieder eine Frau verpflichten können, die in der Geschichte um die „Hateful 8“ weit mehr als nur Paroli bietet: Jennifer Jason Leigh als die gefangene Daisy Domergue birgt ein Geheimnis, dass über 2 Stunden verborgen bleibt.

Mr. Italo-Western persönlich liefert den Soundtrack

Tarantino ist mit „The Hateful 8“ noch ein weiterer Coup gelungen. Er hat ja generell ein feines Händchen für den Soundtrack und beglückt Publikum stets mit ausgewählten Preziosen aus der Schallplattenpresse. Aber das hier, das war on top: Altmeister Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“, „Zwei glorreiche Halunken“) hat die Komposition der Filmmusik übernommen und prompt einen Oscar dafür eingeheimst. Ein toller Film.

Naja und nun also „Once Upon A Time in Hollywood“. Kinostart ist am 15. August 2018. (Kinotante Katrin)

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